Raus aus der Kuh, rein ins Glas - wenn es denn so einfach wäre! Milch ist ein hochempfindliches Lebensmittel und muss sorgfältig behandelt werden. Und je nach Tierhaltung, Futter und Verarbeitung unterscheidet sich die Qualität erheblich. Von Ruth Hoffmann

Die idyllischen Bilder von grasenden Kühen auf sattgrünen Wiesen, die sich auf vielen Milchtüten finden, haben mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun© Fabian Matzerath/DDP
Welche Milchsorten gibt es?
Die Sorten unterscheiden sich je nachdem, ob und wie der Fettgehalt eingestellt und die Milch haltbar gemacht wurde:
Rohmilch gibt es nur direkt beim Bauern. Sie wird nach dem Melken lediglich gefiltert und gekühlt, aber nicht erhitzt und kann darum krankheitserregende Keime enthalten. Aus diesem Grund ist der Hinweis "Vor dem Verzehr abkochen" gesetzlich vorgeschrieben. Ihr Fettgehalt liegt zwischen 3,8 und 4,2 Prozent. Das gibt Rohmilch einen sehr vollen Geschmack. Im Handel findet man sie verpackt unter dem Namen Vorzugsmilch. Da sie nicht wärmebehandelt wurde, muss sie sehr schnell verbraucht werden. Für Schwangere, Säuglinge und ältere Menschen ist sie wegen der erhöhten Keimbelastung nicht geeignet.
Pasteurisierte Milch enthält noch nahezu sämtliche Vitamine der Rohmilch und hat trotz der Wärmebehandlung einen frischen Geschmack. Das Gleiche gilt für die hocherhitzte ESL-Milch (Extended Shelf Life), im Handel oft unter der Bezeichnung längerfrische.
Selbst H-Milch ist trotz ihrer langen Haltbarkeit immer noch sehr nährstoffreich: Beim Ultrahocherhitzen bleiben lediglich etwa 20 Prozent der B-Vitamine auf der Strecke; die Mineralien bleiben weitgehend erhalten. Allerdings hat H-Milch einen leichten Kochgeschmack, vor allem in der Vollmilchvariante.
Sterilmilch wurden durch die lange und hohe Erhitzung die meisten Vitamine ausgetrieben, und auch das Milcheiweiß verliert erheblich an Wert, weil die essenzielle Aminosäure Lysin Schaden nimmt. Je nachdem, in welchem Verhältnis Magermilch und Rahm zusammengesetzt wurden, unterscheiden sich die verschiedenen Sorten außerdem im Fettgehalt:
Vollmilch mit natürlichem Fettgehalt enthält mindestens 3,5 Prozent, meist aber zwischen 3,8 und 4,2 Prozent Fett, Vollmilch genau 3,5 Prozent, teilentrahmte oder fettarme Milch 1,5 bis 1,8 Prozent, entrahmte Milch oder Magermilch höchstens 0,5 Prozent.
Kondensmilch entsteht, wenn Milch in einem Vakuum eingedampft wird. Das macht sie dickflüssig. Um sie haltbar zu machen, wird Kondensmilch anschließend entweder vor dem Abfüllen wärmebehandelt oder in der geschlossenen Verpackung sterilisiert (Dosenmilch). Auch hier sind Produkte mit verschiedenen Fettgehalten auf dem Markt.
Buttermilch bleibt als Nebenprodukt übrig, wenn Sahne so lange geschlagen wird, dass die Fettkügelchen platzen und sich die darin enthaltenen Fettsäuren zu Butterflocken verdichten. Vor dem Abfüllen wird sie mit Hilfe von Bakterienkulturen gesäuert. Buttermilch enthält maximal ein Prozent Fett, aber viel Kalzium, Magnesium und Lecithin.
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GesundLeben
Ausgabe 4/2006