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10. September 2005, 08:48 Uhr

Reden hilft gegen Suizidgedanken

Wer mit Selbstmord droht, will sich gar nicht umbringen, sondern nur auf sich aufmerksam machen - so die gängige Meinung. Ein Irrtum, sagen Experten. Jedoch könne man viele Lebensmüde mit einem Gespräch von ihrem Entschluss abbringen.

Viele Selbstmörder bringen sich mit Tabletten und Alkohol um© Peter Roggenthin/DDP

Fast 12.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr aus eigener Entscheidung - mehr als durch Verkehrsunfälle, Verbrechen und Drogen zusammen. Entgegen der landläufigen Meinung machen Menschen, die mit Selbstmord drohen, ihre Ankündigung später oft auch wahr. "80 Prozent der Suizide werden vorher angekündigt", sagte der Psychologe und Theologe Christopher Linden vom Telefonseelsorge-Leitungsteam Mainz-Wiesbaden anlässlich des ersten Welttags der Suizidprävention am 10. September.

Wenn Menschen sagen, dass sie sich umbringen wollen, solle man besonders gut zuhören und versuchen, ihnen bei der Bewältigung ihrer Probleme helfen. "Selbstmord ist oftmals das Ergebnis mehrerer persönlicher Rückschläge, wenn beispielsweise Arbeitslosigkeit, Partnerprobleme und Krankheit zusammen kommen", sagt Linden. "Was für den Einzelnen letztlich die Sackgasse herbeiführt, hängt von den Lebensumständen ab." Ein häufiges Motiv für den Selbstmord sei der Gedanke, auf dieser Welt fehl am Platze zu sein.

Suizid ist zweithäufigste Todesursache bei jungen Männern

Während die Zahl der Suizide in Deutschland in den vergangenen 30 Jahren insgesamt zurückgegangen ist, steigt sie bei den Kindern und Jugendlichen an. Bei Männern bis 25 Jahren ist Suizid die zweithäufigste Todesursache, und junge Frauen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren führen die Liste der Selbstmordversuche an.

"Gerade bei Jugendlichen können Gespräche helfen, Wege aus der inneren Sackgasse zu finden", sagt Gerd Storchmann von der Berliner Initiative "Neuhland", die selbstmordgefährdete Jugendliche berät. Denn anders als bei älteren Erwachsenen, die oft eine Art Bilanz-Selbstmord vollzögen, sei bei jungen Menschen meist eine akute, als ausweglos erlebte Situation für den Todeswunsch.

Initiative will auf Warnsignale aufmerksam machen

Seelsorger Christopher Linden verweist auf verschiedene Studien, wonach die meisten Selbstmorde keineswegs - wie oft angenommen - in der besinnlichen Advents- und Weihnachtszeit, sondern vielmehr im Frühjahr und hier besonders im angeblichen Wonnemonat Mai registriert würden. "Den Selbstmord-Gefährdeten fehlt gerade dann, wenn der trübe Winter vorbei ist, oft die Energie, Ja zu sagen zur Helligkeit und zum Leben", sagt Linden. Fast immer signalisiere ein Suizid-Williger mit oder ohne Worte nach außen: "Ich kann nicht mehr, ich brauche Hilfe."

Damit Lehrer, Eltern, Freunde und Mitschüler diese Warnsignale besser wahrnehmen, hat das Berliner Medienbüro Schröder + Schömbs den Verein "Freunde fürs Leben" gegründet. Mit Plakaten, Spots und Veranstaltungen will man vor allem Schüler, Jugendliche und junge Erwachsene über Depression und Suizid aufzuklären.

Andrea Barthélémy/DPA
 
 
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