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Ankunft in Berlin: Der Himmel voller Geigen

Aal auf Rührei, ein Glas Weisswein. Freunde warten auf uns. Vertrautheit. Heimat. Nach knapp fünf Wochen sind wir zu Hause angekommen.

Von Matthias Schepp

Die Stimmung ist ausgelassen, als wir mit unseren Motorrädern von der Tallinn-Fähre rollen. Wir passieren die Grenzkontrollen fahrend, nicht schiebend. Renes Seitenwagengespann hat wieder eine funktionierende Lichtmaschine, auch Peters Bike haben wir wieder fahrtüchtig gemacht. Allerdings werden wir vor der Weiterfahrt nach Berlin noch die Kardanwelle auswechseln.

Rene, der Badener, und Peter, der Teamleader, werfen sich auf die Erde und küssen den Asphalt. Auch Rick, der Engländer, macht mit. Man darf ein bisschen albern sein mit vierzig, wenn man gerade 11.000 Kilometer mit Motorrädern zurückgelegt hat, deren Technik aus den 30er Jahren stammt.

Mehr als einen Monat ist es her, dass wir in Peking den Platz des Himmlischen Friedens verlassen haben. Wir haben uns durch die Halbwüste der Inneren Mongolei gequält mit Straßen, die nur einen Tagesschnitt von gerade 330 Kilometern zugelassen haben. Wir haben am Baikalsee dem eisigen Wind und heftigem Regen getrotzt, haben ganz Sibirien von Ost nach West durchmessen, Millionen Birken an uns vorbeirauschen sehen und in Moskau und Sankt Petersburg im Stau gestanden.

Im Hafen von Rostock, dem Ankunftsort der Fähre aus Tallinn mache ich mich sofort auf die Suche nach einem Bratwurststand. Im "Terminal Bistro" überschlägt sich die Bedienung vor Freundlichkeit. "Wollen Sie noch etwas zur Erfrischung?", fragt sie. Sie lässt es sich nicht nehmen, selbst zur nächsten Bank zu gehen, um einen 500 Euro-Schein zu wechseln, das letzte Geld unserer Hauptsponsoren: des deutsch-russischen Software Herstellers Antor und der deutschen Westag und Getalit AG , einem Hersteller von Türen und Zargen, der dabei ist, ins China-Geschäft einzusteigen.

So viel Aufmerksamkeit, so viel selbstverständliche Dienstleistung. Wer redet da ständig, davon, dass im Ausland alles besser sei und die Deutschen nichts mehr zustande bringen. Deutschland in der Krise? Würden wir die Arbeitslosenstatistik nicht aus den Zeitungen und Fernsehnachrichten kennen, wir würden es nicht glauben. Gerade fünfzehn Jahre nach der Vereinigung sind die Straßen von Rostock nach Berlin ausgezeichnet, die Autos schick, die Trabants an den Fingern einer Hand abzuzählen, und zahllose Häuser hübsch restauriert.

Wir denken an eine junge Frau, die wir in Sibirien getroffen hatten. "Leider hat Russland keinen reichen Bruder, der die Zeche zahlt", hatte sie gesagt. Ihr Mann war in der DDR stationiert gewesen, kürzlich waren sie bei Deutschen Freunden in Dresden zu Besuch gewesen und hatten gestaunt über den Fortschritt.

Erst in Berlin wird auch auf den ersten Blick sichtbar, dass nicht alles zum Besten bestellt ist. Die deutsche Hauptstadt ist schmutziger als Tallinn, die Hauptstadt von Estland, und mit dem historischen Glanz von Petersburg kann Berlin nicht mithalten, in Moskau fahren mehr Autos von Mercedes herum als hier.

Am Brandenburger Tor posieren wir um neun Uhr abends für Fotografen. Immer wieder werden wir gefragt, wo wir herkommen. Ungläubiges Staunen, wenn wir Peking sagen. Immer wieder der gleiche Kommentar: "Nicht zu fassen."

Um Mitternacht schmieden wir an der Hotelbar des Kempinski-Bristol am Kurfürstendamm schon Pläne für die nächste Tour. Rene schlägt vor, in ein paar Jahren die ganze Welt zu umrunden. Auch Kairo-Kapstadt, die Route quer durch Afrika, kommt ins Spiel oder der Weg durch den gesamten amerikanischen Kontinent von Anchorage in Alaska bis nach Ushuia an der Spitze von Feuerland. So schlecht kann das Team nicht gewesen sein, wenn nach all den Strapazen und den gelegentlichen Streitereien, die Lust auf die nächste Tour von Minute zu Minute wächst, obwohl wir gerade erst vor zwei Stunden unser Peking-Berlin-Abenteuer beendet haben.

Am nächsten Morgen trennen sich unsere Wege. Rene fliegt nach Indonesien, vier Tage später als geplant und mit dem unguten Gefühl im Bauch, dass ihn die Verspätung vielleicht den Job kosten könnte. Peter fährt mit Gerald Isele, einem motorradbegeisterten Schulfreund von Rene, jeweils eine Maschinen nach Kassel und nach Löffingen in Baden. Shang, der chinessiche Mecheniker, fliegt am Sonnabend nach Peking zurück. Wie alle Chinesen kennt er überall in der Welt noch ein paar andere Chinesen und will sich in Ruhe Berlin anschauen.

Gerd George, der Fotograf, und ich, brechen nach Hamburg auf. Noch einmal werden wir nass bis auf die Knochen. Anderthalb Stunden Dauerregen. Wir fahren Landstraße und die letzten Kilometer vor Hamburg an einem Seitenarm der Elbe entlang. Wir wollen das letzte Stück des Weges genießen. Reetgedeckte Häuser, Kanäle, Windmühlen. In Landgasthaus "Zum Eichbaum" trinken wir einen Prosecco. Hier hängt der Himmel für uns voller Geigen.

Einmal im Wortsinne: Die Eigentümer haben hunderte Gegenstände von der Gasthausdecke gehängt: Suppenschüsseln, Hobel, Schraubenzieher, Kochlöffel, Akkordeons und auch einige Geigen. Für uns hängt der Himmel auch im übertragenen Sinne voller Geigen. Aal auf Rührei, ein Glas Weisswein. Freunde warten auf uns. Vertrautheit. Heimat. Nach knapp fünf Wochen sind wir zu Hause angekommen.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.