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Asien-Strategie: VW startet Elektro-Ära in China

Volkswagen will extra für den chinesischen Markt ein Elektroauto bauen - und damit endlich seinen Rückstand bei elektronischen Antrieben wettmachen. Besonderer Anreiz: Peking lockt mit hohen Subventionen.

Volkswagen setzt beim Start ins Elektrozeitalter voll auf den Zukunftsmarkt China. In spätestens drei Jahren will Europas größter Autobauer ein strombetriebenes Serienfahrzeug in dem Land bauen, erfuhr die "Financial Times Deutschland" aus dem Topmanagement. Bereits Ende April wird VW die Elektroversion des speziell für China gefertigten Modells Lavida auf der Motorshow in Peking vorstellen. Der Elektro-Lavida basiert auf dem Golf.

6000 Euro Subvention pro Wagen

Mit dem ambitionierten Vorstoß will Volkswagen seinen Rückstand bei Elektroantrieben wettmachen. Bislang liegen die Niedersachsen zum Beispiel bei Hybridautos, die E-Antrieb und Verbrennungsmotor kombinieren, deutlich hinter der Konkurrenz zurück. Während der Rivale Toyota längst mit Hybriden auf dem Markt ist, folgt VW erst im Laufe dieses Jahres mit einem Mischantrieb.

Dass VW mit dem E-Auto ausgerechnet in China auf den Markt strebt, hat gleich mehrere Gründe: Das ostasiatische Land zählt bei der Elektromobilität zu den wichtigsten globalen Boommärkten. Zudem fördert Peking den Kauf jedes strombetriebenen Wagens mit umgerechnet 6000 Euro; dieser Zuschuss deckt einen guten Teil der Mehrkosten ab, die der Elektroantrieb verursacht. Schließlich kommt den Wolfsburgern ihre schon jetzt starke Position in China zugute.

China als "zweiter Heimatmarkt"

Mit 1,4 Millionen verkauften Fahrzeugen - von 6,3 Millionen insgesamt - war das Land 2009 nach Europa der wichtigste Absatzmarkt. Konzernchef Martin Winterkorn kündigte am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz an, mittelfristig mehr als zwei Millionen Autos in China zu verkaufen. Bereits in diesem Jahr soll die Zahl nach FTD-Informationen bereits 1,8 Millionen erreichen. Winterkorn sprach von China sogar als "zweitem Heimatmarkt".

Der Lavida soll vor allem Teile chinesischer Zulieferer enthalten. Als ein Hauptpartner des Projekts gilt der Batteriespezialist Build Your Dreams (BYD). Mit dem Hersteller hatte VW bereits Anfang 2009 eine Partnerschaft vereinbart, die Deutschen beziehen von den Chinesen Batteriezellen zu Forschungszwecken. Neben BYD hält Volkswagen auch Kontakt zu Sanyo, Toshiba und Bosch-Samsung als möglichen Partnern für Batterietechnik. Erst vor zwei Wochen hatte Konkurrent Daimler verkündet, mit BYD beim Bau eines Elektroautos für China zu kooperieren.

Irrsinniges Überholmanöver

Das Ziel: Globale Marktführerschaft bei E-Autos

Volkswagen hatte jüngst auf dem Genfer Autosalon 2013 zum Schlüsseljahr für den Start in die Elektro-Ära erklärt. Dann wollen die Niedersachsen in Europa den Kleinwagen E-Up gefolgt vom E-Golf und dem E-Jetta auf den Markt bringen. Für 2018 strebt VW sogar die globale Marktführerschaft bei E-Autos an.

Testflotten mit E-Fahrzeugen

Drei Prozent sollen strombetriebene Wagen dann zum Konzernabsatz beisteuern. In den nächsten Monaten startet Volkswagen Testflotten mit E-Fahrzeugen in Berlin, Florida und den chinesischen Städten Schanghai und Chengdu. Vor allem die in der Entwicklung befindliche Batterietechnik macht E-Autos teuer. Derzeit liegen die Batteriepreise für die innovative Lithium-Ionen-Technik bei 15.000 bis 19.000 Euro.

Winterkorn hatte jüngst gesagt, kein Hersteller könne derzeit kostendeckend auf diesem Zukunftsfeld arbeiten. In China sehen VW-Manager eine höhere Bereitschaft, neue Technologien anzuwenden, als in Europa. Bis 2018 rechnet VW dort mit einem Wachstum des Pkw-Marktes um 50 Prozent. Die Wolfsburger arbeiten in China in Joint Ventures mit dortigen Herstellern zusammen.

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