AUTO »Columbus« für Besserverdienende

Das Comeback der Traditions-Marke Maserati spielte sich zur Gänze auf dem Kontinent ab. Das neue Maserati Coupé soll Columbus spielen und Amerika erobern.

Italienische Sportwagen haben meist wenig Probleme, finanzkräftige Anhänger zu finden. Vor allem dollarschwere Amerikaner gönnen sich den einen oder anderen feurigen Italiener. Dabei mussten die Kenner aus der neuen Welt bisher auf eine Marke verzichten: Maserati. Das Comeback der Traditions-Autoschmiede unter der Fuchtel von Ferrari spielte sich zur Gänze auf dem Kontinent ab. Der Maserati 3200 GT führte die Marke mit dem Dreizack zurück ins Gedächtnis der automobilen Elite. Der Nachfolger, des von Design-Großmeister Guigaro entworfenen GT, soll für Maserati jetzt Columbus spielen und Amerika erobern.

Premiere in Detroit

Die ausgesprochen hübsche Verpackung für 390 Pferdestärken hört auf den schlichten Namen Maserati Coupé GT. Einen ersten Blick auf den 2+2-Sitzer wird die Kundschaft aus Übersee auf den Autoshows von Detroit und Los Angeles werfen können.

Design-Fauxpas am Heck

Natürlich haben, nach dem Erfolg des Vorgängers, wieder die Guigaro-Designer Hand an den neuen Maserati gelegt. Dabei ließen sie die Frontpartie des neuen Sportlers fast zur Gänze unangetastet. Lediglich die zusätzlichen Kühlöffnungen verschwanden völlig. Sie dienten im 3200 GT zur Beatmung des Doppel-Turboladers. Das Coupé kommt ohne Zwangsbeatmung über die Runden. Auch die Seitenlinie des 3200 blieb, bis auf minimale Anpassungen im Übergang zum Kofferraum, unberührt. Am Heck dann, die erste Enttäuschung: die boomerangförmigen Rückleuchten, das Markenzeichen des 3200 GT, mussten schnöden Dreiecks-Lampen weichen, die auch in einem Ford Fiesta Dienst tun könnten.

Neuer, stärkerer Motor

Neben den Rückleuchten von der Stange hat sich vor allem unter der scheinbar endlos langen Motorhaube des Maserati einiges getan. Hinter dem Dreizack im Kühler werkelt jetzt ein 4,2-Liter V8-Motor, der es auf stattliche 390 PS (287 kW) bringt. Das Vorgänger-Kraftwerk brachte es »nur« auf 370 PS und benötigte dafür auch noch einen Turbolader. Der neue Motor ist ganz im Stil moderner Rennsport-Triebwerke gehalten und soll, so Maserati, bis zu 30 Prozent weniger Super Plus verschlingen, als der Turbo-Motor. Den Leistungsdaten tut das keinen Abbruch: Das Maserati Coupé braucht gerade einmal 4,9 Sekunden um von 0 auf 100 zu sprinten. Dabei behilflich sind 451 Newtonmeter, die der V8 an die Hinterräder ausliefert. Um der schieren Kraft auch zur richtigen Zeit Herr zur werden, sorgt eine mächtige Brembo-Bremsanlage unter der filigranen 18-Zoll-Felgen für die angemessene Verzögerung.

Narrensicheres Fahrwerk

Trotz extremer Leichtbauweise des Motors (184 Kilo), mussten die Ferrari-Ingenieure, die den Maserati entwickelten, zu einem Trick greifen, um das Coupé von seiner Frontlastigkeit zu befreien. Das Getriebe liegt, samt Differenzial, nicht in Motornähe, sondern sitzt direkt vor der Hinterachse. So muss die Vorderachse gerade einmal mit wenig mehr als der Hälfte des Coupé-Gesamtgewichts fertig werden. Ausgezeichnete Traktion und optimale Stabilität sind die Folge der so genannten Transaxle-Bauweise. Wem diese Stabilität nicht ausreicht, für den hat Maserati das so genannte »Skyhook«-Fahrwerk im Programm. Eine ausgeklügelte Software steuert das hydraulische Fahrwerk und passt es an so gut wie jede Fahrsituation an. Schräglagen in Kurven gehören damit fast der Vergangenheit an.

Sechs Gänge

Je nach Ausstattungsvariante, lässt sich die sechs Gänge des Getriebes im Heck mit einer manuellen oder einer »Combicorsa«-Halbautomatik sortieren. Letztere lässt sich über Schaltwippen am Lenkrad in Formel-1-Manier dirigieren. Weiter verfügt die Combicorsa über vier Schaltprogramme, von Automatik bis Sport.

Gereifter Innenraum

Ein beachtlicher Sprung nach vorne auch im Innenraum. Noch immer bedient man sich in Modena ungewöhnlicher Farben, um dem ganz in Leder ausgeschlagenen Innenraum das nötige Flair zu verleihen. Die Coupé-Zentrale wirkt nun aber wesentlich erwachsener und die Bedienelemente scheinen nun auch endlich einen Hauch von Ergonomie auszustrahlen.

Ob sich die Amerikaner mit dem viereinhalb Meter langen Italiener anfreunden können steht außer Frage. Ferrari und Maserati-Präsident Luca die Montezemolo hat den Maserati clever positioniert: Niemand, der es sich wirklich leisten kann, wird sich für Ferrari oder Maserati entscheiden. Die Italiener spekulieren eher auf ein »und«. Will heißen, spätestens in den Garagen Beverly Hills sollen Ferrari und Maserati friedlich aufeinander treffen.

Von Jochen Knecht


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