HOME

40 Jahre Suzuki-Allrad: Kleine Wühlmaus-Party

Auch wenn Suzuki sich nach Erfolgsmodellen wie SX4, Swift und Splash auch in Europa zu einer Volumenmarke mit Vollsortiment entwickelt, so liegen Gene und Würze doch im Bereich preiswerter 4x4-Fahrzeuge.

Der Suzuki Jimny ist im Hause Suzuki ein zentrales Erfolgsmodell. Betagte Technik, Komfortschwächen und unzureichende Sicherheitsreserven tun dem Erfolg des preiswerten Einstiegs-Allradlers keinen Abbruch. Gerade jungen Kunden stehen auf den bezahlbaren Allradler, der abseits befestigter Straßen seine Stärken pflegt und so als legitimer Nachfolger von LJ 80 und LJ 413 gilt.

Diese beiden 4x4-Yountimer bevölkerten seit Anfang der 80er Jahre unsere Straßen und galten als liebenswerte Allradler mit Sonnendeck. Ein alltagstaugliches 4x4-Cabriolet für City, Baggersee und Jägerzunft.

In Asien begann der Trend zu den "Light-Jeeps" schon ein paar Jahre früher. Zum Beispiel mit dem Suzuki LJ 20, von dem dann eine handvoll Enthusiasten einige Exemplare nach Europa geholt haben. Ein Vergleich zeigt, dass der grüne Armee-Oldie LJ 20 und der aktuelle Jimny mehr gemeinsam haben, als man es angesichts der vier Jahrzehnte Produktionsunterschied denken mag.

Betagt und puristisch

In den späten 60er Jahren entschied man sich bei Suzuki, das eigene Fahrzeugportfolio um einen kleinen Geländewagen zu erweitern. Die erste Generation mit Namen LJ 20 war an sich nur für den asiatischen Markt gedacht. Man wollte eine japanische Version des amerikanischen 4x4-Urgesteins Jeep CJ kreieren. Klein, geländegängig und als ein treuer Begleiter wurde der LJ 20 so für die japanische Armee entwickelt. Von 1972 bis 1976 liefen mehr als 35.000 Fahrzeuge vom Band. Der private Käufer konnte den agrartauglichen Asia-Klettermaxen für kaum mehr als 480.000 Yen erstehen.

Seine Technik war damals so betagt und puristisch wie die des Suzuki Jimny in heutiger Zeit. So kam der 3,20 Meter lange und gerade mal 1,30 Meter breite Oldie LJ 20 mit seinem Gewicht von nur knapp 650 Kilogramm mit robuster Allradtechnik um die Ecke getuckert. Sein Zweizylinder leistete schwächliche 28 PS und ein Drehmoment von knochigen 38 Nm - das würde heute einem ferngesteuerten Spielzeugauto zur Ehre gereichen.

Offiziell sollte der als offene und geschlossene Version erhältliche LJ 20 eine Spitzengeschwindigkeit von 80 km/h packen. Realistisch war man eher mit 50 bis 70 km/h unterwegs. Dann war für den japanischen Rechtslenker Schluss. Aber schließlich sollte dieser insbesondere im Gelände zeigen, was er kann. Allradantrieb, Geländeuntersetzung und die schmale Spur sorgten für ein Durchkommen in fast allen Lebens- und Hanglagen.

Handlich spaßig

Beim Fahrwerk konnte man da getrost Abstriche machen. Blattfedern und Starrachsen sorgten für wenig souveränes Ausgleichen von Unbillen des Fahrbahnbelages. Da ist der Suzuki Jimny im Vergleich in der heutigen Zeit kaum weiter. Auch er poltert und rumpelt munter über Straßen, Wege und Pisten. Der kurze Radstand und der hohe Schwerpunkt tun ihr übriges, dass sich der Fahrkomfort - gestern wie heute - bei beiden in engen Grenzen hält.

Die Ähnlichkeiten des LJ 20 zu den Nachfolgemodellen LJ 80, LJ 413 oder dem aktuellen Jimny sind eindrucksvoll. Auch der gerade 3,70 Meter lange Jimny neuester Bauart hat nicht nur auf der Straße seine Schwächen. Immerhin gibt es einen drehmomentstarken Vierzylinder-Diesel mit 1,3 Litern Hubraum. Das Commonrail-Triebwerk leistet ebenso wie der Benziner gerade so ausreichende 63 kW/86 PS.

Der Jimny ist mit Spitze 140 nichts für die Autobahn. Und auch auf der Landstraße sollte man einen Überholvorgang vorher genau abwägen - und dann doch lieber bleiben lassen. Dafür ist er handlich, für zwei Personen durchaus spaßig zu fahren und eines der Lieblingsmodelle der Autovermieter auf Ferieninseln wie Ibiza, Mallorca oder Kos. Genau das richtige eben für ab in die Dünen oder durch die Botanik.

Dort gibt es zudem schlechtere Autos als den mindestens 14.800 Euro teuren Allradler (Diesel ab 16.500 Euro) mit der peinlich mageren Sicherheitsausstattung. Zwei Airbags, vier Kopfstützen und ABS sind im Falle des Falles kaum mehr als nichts.

Automobile Steinzeit

Die Handschaltung von Suzukis 4x4-Einsteigers ist alles andere als präzise. Und das Fahrwerk erinnert eher an die frühen 80er Jahre oder an den robusten Unimog. Von der Fahrqualität moderner Klein-SUV ist man meilenweit entfernt. Bremsen und Lenkung passen ebenso wenig ins dritte Jahrtausend.

Für einen Hauch von Komfort sorgen dagegen elektrische Fensterheber, eine Klimaanlage oder sogar elektrische Spiegel. Wäre der LJ 20 vor 40 Jahren damit ausgestattet gewesen, der 28 PS starke Zweizylinder hätte gerade ausgereicht, um Verbraucher und Nebenaggregate zu betreiben. Für einen sinnvollen Vortrieb hätte der 360 Kubikzentimeter große Brennraum dagegen selbst auf gerader Strecke kaum gelangt.

Der Innenraum von LJ 20 und dem Jimny war - jeweils in sein er Zeit - ebenso spartanisch wie mäßig dimensioniert. Das Lenkrad des LJ ist spindeldürr, eine handvoll Schalter und Anzeigen gruppiert sich um das dürre Zweispeichensteuer. Licht, Scheibenwischer, Anlasser und Blinker - viel mehr gibt es nicht.

Im Vergleich zu den aktuell so beliebten Klein- und Mittel-SUV in lebt auch der Jimny in der automobilen Steinzeit: Klimaautomatik, Bildschirmnavigation oder Komfortmodule für Sitzverstellung und weitere Annehmlichkeiten sucht man auch in ihm vergebens.

Seinem Charme tut das keinen Abbruch. Auch das hat sich über die Jahrzehnte nicht geändert.

Stefan Grundhoff / pressinform / PRESSINFORM
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.