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Alternative Antriebe: Heute, morgen, übermorgen

Die Zukunft des Autos liegt im Wasser. Und spricht Englisch. SunFuel, Combined Combustion System, HyMotion - so heißen die Meilensteine, die bei VW den Fahrplan in die Zukunft der Antriebstechnik ausmachen. Sorry - die Roadmap natürlich.

Ein Tag in Valencia ist so gut wie eine Reise in die automobile Zukunft der nächsten 20, 30 Jahre. Hier in Spanien hat VW in Reih und Glied fast alles aufgefahren, was heute, morgen und übermorgen den Konzern und seine Automodelle in Gang halten soll.

Heute, dafür stehen BlueMotion und der TSI-Motor, mittlerweile gut bekannt aus dem Golf GT, demnächst auch im Passat und Multivan. Oder das sonnenblumengelbe New Beetle Cabrio, das schon mit SunFuel läuft, einem extrem reinen und hochwertigen Kraftstoff aus Biomasse und Zellulose-Ethanol. "Intelligentes Downsizing" nennt das VW - die vorhandenen fossilen Kraftstoffe "so sparsam und emissionsarm wie möglich" nutzen.

Synthetisch aber Bio

Dabei ist SunFuel als synthetischer Kraftstoff - zielgenau zusammengeb(r)aut im Labor - schon ein Schritt auf dem Weg zur nächsten Motoren-Generation, die maßgeschneiderte Energiespender mit hohem Leistungspotenzial braucht. Ein solcher Motor steckt in dem unauffälligen VW Touran, den äußerlich nur das Logo "CCS" am Heck als Millionen Euro teurer Versuchsträger verrät. CCS steht für "Combined Combustion System". Der CCS-Motor basiert auf einem ganz normalen Diesel-Motor, bei dem die VW-Ingenieure allerdings die Verbrennung durch ein neues Verfahren zur Gemischbildung optimiert haben. Ein Hybrid der etwas anderen Art: Luft und Kraftstoff werden ähnlich sauber und effektiv wie bei einem Benzinmotor gemischt, der Rest geschieht wie bei einem Diesel via Selbstzündung.

Noch sieht der Versuchsmotor etwas arg handgeschweißt aus. Und das dröge Computerdisplay, auf dem die Techniker dort, wo sonst das Navi den Weg weist, in blauen Kurven sehen können, was wann wie verbrennt, erfüllt sicher nicht die Ansprüche der Gameboy-Generation. Aber wer im gelegentlich turbulenten spanischen Stadtverkehr mit dem Touran unterwegs ist, der merkt schon kaum noch einen Unterschied zu einem etwas rau geratenen, heute handelsüblichen Diesel. Nur, dass weniger Schadstoffe aus dem Auspuff kommen und der Verbrauch ein paar Prozent geringer ist - mit Potenzial nach unten.

Die Zapfsäule reicht

Dass die Wolfsburger ihre eigene provisorische Tankstelle für den CCS und seine Kollegen mit nach Spanien bringen mussten, liegt am Konzept - und sorgt dafür, dass der CCS wohl noch zehn Jahre reifen muss, bevor er so oder ähnlich in Serie gehen kann. Denn zwar arbeitet die Mineralölindustrie mit Hochdruck an den nötigen maßgeschneiderten Kraftstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen - doch bis zur Produktion mit Flächendeckung ist es noch weit hin. Immerhin erfordern Kraftstoffe wie SunFuel weltweit keine größeren Anpassungen der vorhandenen Infrastruktur - normale Zapfsäulen reichen.

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Das sieht beim HyMotion anders aus. Der 1,8 Tonnen schwere Touran, den Wasserstoff und Sauerstoff über 440 handlich auf Koffergröße zusammengepackte Brennstoffzellen antreiben, fährt nicht weniger flott durch Valencia als der CCS. Nur nahezu lautlos. Was man - noch - hört, ist der Luftverdichter. 90 PS leistet der Elektromotor, der ohne Schaltung und Getriebe auskommt. Bei 140 km/h ist Schluss. Und weiter als 120 Kilometer kommt man mit dem Versuchs-Touran nur bei verhaltener Fahrweise.

Skeptisch bei Hybrid

Das soll bald anders werden. Denn im HyMotion-Touran arbeiten noch Niedrigtemperatur-Brennstoffzellen. Und denen räumt VW "kaum mehr Chancen" ein, seit man eine Hochtemperatur-Brennstoffzelle entwickelt hat. "Der gehört die Zukunft," ist sich Jürgen Leohold sicher. Der Chef der Konzernforschung bei VW: "Sie macht das Gesamtsystem im Auto leichter, kompakter, standfester und preiswerter." Allerdings kaum vor 2020. Frühestens dann kommen die ersten Serienfahrzeuge damit auf den Markt.

Die Zeit bis dahin, davon sind die VW-Forscher überzeugt, gehört trotz aller Trends nicht den Hybrid-Motoren: Die sind "immer teurer, aber kaum sparsamer als ein Diesel" finden sie. Was sie nicht daran gehindert hat, einen Hybrid-Touran schon fast zur Serienreife zu entwickeln. Sollte es der Markt erfordern, heißt es unter der Hand, ist das Konzept in längstens zwei Jahren serienreif. Der VW-Hybrid kommt mit einem einzigen Elektromotor aus, der im Motorraum unter dem Benzinaggregat fast ganz verschwindet. Und die Stadtrunde durch Valencia zeigt schnell: Viel fehlt wirklich nicht mehr zur Serienreife. Nur das Ok der Kaufleute.

Pressinform / PRESSINFORM
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