HOME

Autofirmen auf der CES in Las Vegas: Wüste Zeiten

Die IT-Nerds überfallen einmal im Jahr die Spielerstadt Las Vegas. Doch was die Neuigkeiten der Consumer Electronic Show (CES) angeht, spielen längst nicht mehr Microsoft, Google und Co. die erste Geige. Viele Firmen haben der Messe den Rücken gekehrt; die Autohersteller hingegen haben die Computershow für sich entdeckt.

Der Trend war abzusehen, denn das vernetzte Auto ist nur noch eine Frage der Zeit. Was böte sich da mehr an, als die Computerindustrie bei der Außendarstellung ins Boot zu holen? Kein Wunder, dass sich die internationalen Hersteller längst nicht mehr mit den Automessen wie der Detroit Motor Show zufrieden geben. Die findet nur ein paar Tage später im winterlichen Bundesstaat Michigan, vier Flugstunden von Las Vegas entfernt, statt. So zeigen Hersteller wie Audi, BMW, Ford, General Motors, Toyota und Hyundai vor fachkundigem IT-Publikum, dass die fahrbaren Untersätze aus eigener Entwicklung längst Hightech-Computer auf Rädern sind.

Die CES hat sich längst zu weit mehr als einer reinen Computermesse gemausert. Die attraktive Lokalität in der Spielerstadt Las Vegas und der praktische Termin Anfang des Jahres im Umfeld der Detroit Motor Show sorgen dafür, dass sich Autohersteller und Zulieferer dort zunehmend wohler fühlen, wo einst nur über Festplatten, Computerprogramme und Großbildfernseher diskutiert wurde. Autos spielen im üppig dimensionierten Messezentrum von Las Vegas nach wie vor nur am Rande eine Rolle. Spektakuläres Mauerblümchen ist das Crosley Convertible Coupé von 1939, das bei dem heutigen Radio- und Boxenhersteller Crosley jedoch nur ein optischer Blickfang ist und an die gute alte Zeit des Automobilbaus erinnert. Insgesamt zeigen fast 3.000 Aussteller im Messezentrum unweit des Las Vegas Boulevard ihre Neuheiten und hoffen an drei Tagen auf mehr als 150.000 Besucher. Zum Vergleich: mit einer Ausstellungsfläche von 170.000 Quadratmetern liegt die elektronische Leistungsschau in Nevada zwischen der Hannoveraner CeBit und der Berliner IFA.

Allen voran Audi hat die CES in den letzten Jahren zu einer seiner Lieblingsmessen werden lassen. Während Mercedes 2012 nur ein kurzes Intermezzo gab, diesmal allein kleinlaut Siri für die E-Klasse präsentiert und BMW seine frische Flotte von LTE-Fahrzeugen durch die das Wüstenmekka düsen lässt, zeigt Audi umfangreicher wohin die technologische Reise gehen soll. Ähnlich wie die Konkurrenz aus dem In- und Ausland ist das autonome Fahren auch bei den Ingolstädtern nur noch eine Frage der Zeit. Auf der CES zeigt der süddeutsche Ableger aus dem VW-Konzern neben verschiedenen automobilen Lichtvisionen, wie der Stauassistent der nahen Zukunft aussehen könnte. Im zähfließenden Verkehr bis 60 km/h Geschwindigkeit unterstützt das pilotierte Fahren den Fahrer innerhalb entsprechender Grenzen beim Lenken, Beschleunigen und Bremsen. Automatisiert werden zukünftig auch Parkvorgänge - wie beispielsweise in enge Park¬lücken am Straßenrand, in Garagen oder sogar in Parkhäusern - selbstständig vom Fahrzeug übernommen.

Ob das automatische Einparken ohne Fahrer jedoch eine reale Zukunft hat, darf durchaus bezweifelt werden. Schließlich sind Valet-Parkservices in Asien oder den USA ebenso weit verbreitet wie bei internationalen Hotels. Der Mehrwert eines automatisierten Parkens ist daher selbst an Bahnhöfen oder Flughäfen, wo Parkservices für VIP-Kunden ebenfalls existieren, daher vergleichsweise dünn. "Bei Audi gibt es heute kaum noch eine Innovation, die nicht in Zusammenhang mit der Elektronik steht", erklärt Ricky Hudi, bei den Ingolstädtern für die Entwicklung von Elektrik und Elektronik verantwortlich. "in diesem Jahrzehnt verbinden wir das Auto nahtlos mit der Umwelt - mit dem Fahrer, dem Internet, der Infrastruktur und mit anderen Fahrzeugen."

Toyota, auch 2012 wieder größer Autohersteller der Welt, lässt sich ebenfalls nicht lumpen und stößt ins gleiche Horn wie Audi. Das Sicherheitsfahrzeug, das Toyota in Form eines Zukunfts-Lexus auf der CES zeigt, ist der nächste Schritt auf dem Weg zum autonomen Fahren. Der Prototyp des Lexus LS hat zahlreiche Radarsensoren, ein extrem genau arbeitendes GPS-System, Laseraugen und eine Stereo-Kamera, wie sie bald auch bei Mercedes E- und S-Klasse verfügbar sein wird. Auf diese Weise kann der Lexus seine Umgebung während der Fahrt millimetergenau abtasten und die Bewegung von Fahrzeugen und Personen gewichten. "Nach unserer Überzeugung muss der Fahrer auch zukünftig komplett in das Fahren eingebunden sein", so Mark Templin, Toyotas Vizepräsident und Lexus-Chef, "für Toyota und Lexus wird der Wagen so nicht zu einem führerlosen Auto. Vielmehr macht ein unsichtbarer Copilot das Fahrer im Alltag deutlich sicherer." Der Laser auf dem Dach kann 360 Grad und bis zu 70 Metern weit sehen. Die drei Farbkameras können Gegenstände wie zum Beispiel Ampelanlagen bis 150 Meter Entfernung erkennen und entsprechend automatisch reagieren.

Der Fahrer des Ford Mustang macht ganz schön auf dicke Hose

Nicht ganz so innovativ zeigt sich Ford. Am Beispiel des aktuellen Ford Fusion wird der Stand der Fahrerassistenzsysteme an einem Serienmodell aufgezeigt. Hier wird die neue Mercedes E-Klasse, die auf der Detroit Motorshow eine Woche später ihre offizielle Weltpremiere feiert, neue Maßstäbe setzen. Doch nicht alles auf der automobilen Consumer Electronic Show dreht sich um das Thema Sicherheit. Längst sind Fahrzeuge zu fahrenden iPads geworden. Der Autofahrer will die Annehmlichkeiten seines Mobiltelefons im Fahrzeug genauso wie im täglichen Leben nutzen. Dabei geht nichts ohne die rechte Datenübertragung. Einige Hersteller setzen auf WLan-Zonen. BMW bringt als erster Autohersteller den Datenturbo LTE - zigmal so schnell die GPRS oder UMTS / 3G - ins Auto.

General Motors will mit seinen Kleinwagen Chevrolet Spark, Sonic und Aveo insbesondere jüngere Kunden ansprechen. Da kommt das neue Tune-In-Infotainmentpaket mit dem webbasierten Audio-Streaming gerade Recht. So kann im Auto per iPhone, Blackberry oder Android auf ein Radionetzwerk von bis zu 70.000 Stationen zugegriffen werden. "Wir haben bei der Entwicklung von MyLink für Spark und Sonic auf unsere weltweiten Kunden gehört", so Cristi Landy, bei Chevrolet verantwortlich für kleine Fahrzeuge und Elektroautos, "Tune In wird ein großer Hit in Sachen Fahrzeugentertainment werden." Die Amerikaner zeigen zudem zwei weitere App-basierte Programme. So wird MyLink später in 2013 über BrinGo, ein komplettes Offboard-Navigationssystem, und das von Apple bekannte Sprachbediensystem Siri bekommen. In Europa kommen die neuen Programme neben dem kleinen Aveo in die Chevrolet-Modelle Cruze und Trax.

Mit Siri wird auch Hyundai zukünftig an den Start gehen, sodass der Fahrer die Hände am Steuer lassen kann und Wünsche per Sprachbefehl äußert. Darüber hinaus sorgt das System Dragon Drive, entwickelt von IT-Spezialist Nuance, dass der Fahrer mit dem Fahrzeug wie mit einer Person sprechen und somit einfache Befehle geben kann. Während einige Hersteller bei der Datenübertragung bereits auf den Autostandard P-WLan und LTE setzen, werden die neuen Bedienplattformen von Hyundai-Modellen auf UMTS / 3G und WLan zurückgreifen, um sich mit der Umwelt zu verbinden.

Press-Inform / pressinform

Wissenscommunity