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Der neue VW Up im Test: Super süß ... und ganz schön teuer

Seit dem vergangenen Wochenende steht der neue Up beim VW-Händler. Wir haben den Winzling abgeholt und einem ersten Alltagstest unterzogen.

Von Gernot Kramper

Erster Eindruck: Mann, ist der niedlich! Überhaupt nicht so eine Spaßbremse wie der Golf. Seitdem es den alten Twingo nicht mehr gibt, hat einen kein Wagen so ungeniert angelächelt wie der kleine Up. VW hat für ihn den grimmigen Markengrill entschärft, und das hat sich gelohnt: freche Augen, ein strahlendes Lächeln und überall prangt das VW-Logo. Fast so groß wie beim alten Käfer. So sieht ein kleiner Freund aus. Dabei ist der Up kein Baby-Auto. Er ist klein und kompakt, steht dabei aber ziemlich erwachsen auf der Straße. "So klein und schon ein Volkswagen" – dichtet die VW-Werbung und zumindest optisch trifft es zu.

Wie fährt es sich so?

Einen ersten Dämpfer gibt es beim Einsteigen. Man weiß nicht, scheppert die Tür oder wackelt der ganze Wagen, wenn sie zuschlägt. Aber dann fährt der Up sich flink wie ein Kleiner und souverän wie ein Großer. Die Handschaltung flutscht, die Lenkung ist präzise und das Fahrwerk gibt ein gute Rückmeldung von der Straße - ohne zu ruppiger Härte zu neigen. Das macht Spaß. Beim Motor ist das nicht so eindeutig: Im Stadtverkehr reicht die 75-PS-Maschine vollkommen aus. Der Dreizylinder hört sich nicht nach einer Nähmaschine an und treibt den Wagen munter voran. Drückt man auf die Tube, klingt der Motor zwar wie eine Kreissäge, aber dann kommt sogar etwas wie gefühlte Sportlichkeit auf.

Gefühlt –sobald der Nebenmann in seinem 140-PS-Diesel-Touran auf das Pedal tritt, sieht man die Rücklichter. Das keine Sportreserven vorhanden sind, merkt man auch auf der Autobahn. Lkw-Überholen ist möglich, mehr geht nicht. Auf der Steigung der Köhlbrandbrücke sind Sprints ein Ding der Unmöglichkeit. Psychologisch ist das allerdings ein Verzichtsproblem, dass nur der spürt, der von einem stärkeren Wagen umgestiegen ist.

Der Verbrauch dämpft die Stimmung deutlich. In der Stadt steht bei normaler Fahrweise eine Sieben vor dem Komma, gibt man dem Up die Sporen eine Acht. Bei wenig Verkehr und freier Fahrt kann man die Sieben auch ohne Verrenkungen unterbieten. Aber wer dauerhaft in der Stadt unter sechs Liter fahren will, muss leidensfähig sein. Folgt man den Schaltempfehlungen der Bordelektronik, fährt sich der Up gefühllos wie ein Stützstrumpf und nimmt überhaupt kein Gas mehr an. Wer nur etwas beschleunigen will, muss runterschalten. Auch wenn man sparen will: Das ist nicht praxisgerecht.

Platz ist in der kleinsten Lücke

Die größte Stärke des Up sind seine Abmessungen: Mit 3,54 Meter Länge passt er fast in jede Lücke. Sein Wendekreis von 9,8 Metern macht ihn in der Stadt mobil. Die überaus kleinen Überhänge lassen den Up nicht nur knackig aussehen, das Rangieren geht auch leicht von der Hand – weil man auch ohne Piepser intuitiv weiß, wo der Wagen zu Ende ist. Klasse auch, hier eine präzise Lenkung in der Hand zu halten. Und auch wenn der Up kein Smart ist: Mit ihm macht selbst die Parkplatzsuche Spaß, weil man immer eine Lücke findet, die die Großen übriggelassen haben. Kleine Rummser in der Stadt verhindert die optionale City-Notbremsen. Per Laser soll die drohende Kollision erkannt werden und zur Not wird gebremst. Beim Zweitagesausflug haben wir das nicht ausprobiert, aber auf jeden Fall ist es ein gutes Gefühl, den Helfer dabei zu haben.

Kleiner Wagen für große Kerle

Der Up bietet eine gute Rundumsicht und, weil er auch oben breit bleibt, engt er die Fahrer an den Schultern nicht ein. Vor allem die Kopffreiheit überzeugt - selbst mit Panoramadach ist immer noch eine Handbreit Luft über dem Kopf. Niemand sitzt geduckt oder beengt im Up. Also ist er durchaus männertauglich. Die Sitze können weniger überzeugen: die Auflage ist sehr kurz und hat nicht genug Kontur. Der Platz auf der Rückbank ist beim Zweitürer natürlich eine Krabbellösung. Wer einen Zweitwagen für den Kindertransport sucht, sollte auf jeden Fall auf den Viertürer bis Mitte 2012 warten. Ein Transportwunder ist der Up nicht, das erwartet man aber auch nicht. Für tägliche Besorgungen reicht der Kofferraum aus, für einen größeren Einkauf muss man die Rückbank zumindest teilweise umlegen. Der doppelte Ladeboden hilft, den üblichen Kleinkram an Bord verschwinden zu lassen. Wenn zwei Personen mitfahren, wäre der Winzling fähig, auch das Urlaubsgepäck mitzunehmen. Eigentlich wollten wir zum Groß-Baumarkt nach Stellingen, aber wir haben uns nicht getraut: Zwölf Schachteln Laminat erschienen dann doch zuviel für den Up. Außerdem wirkte die lackierte Partie im Innenraum auf einmal sehr empfindlich.

Das geballte Wohlfühlpaket

Wohlfühlen kann man sich im Up durchaus. Mit der in Wagenfarbe hochglanzlackierten Armaturentafel zieht Frische in den Wagen, die unverkleideten Türrahmen sehen auf einmal wie gewollt und nicht wie gespart aus. Das unten abgeflachte Lenkrad verbreitet Rallyecharme, und auch das in die Bordelektronik integrierte Navigationssystem von Navigon wirkt großzügig. Einzelne Düsen und Schalter aus dem Ausstattungspaket suggerieren gehobene Klasse. Wer Spaß dran hat, kann sogar Designelemente aus dem GTI aufspüren.

Der Preis ist auch ganz schön up

Wenn der Up glänzen soll, wird es nicht billig. Die Ausstattung "High Up", ein Panoramadach, ein paar Ausstattungsdetails wie heizbare Vordersitze haben den Listenpreis des Testwagens auf fast 15.500 Euro hochgetrieben – mit dem größeren der beiden Motoren. Und mal ehrlich: Auf das schicke und aufwändige Schiebedach könnte man verzichten, vielleicht täte es auch der Motor mit 60 PS - aber den Rest will man eigentlich haben. Ohne die paar Blickfänger und Streichelzonen an Bord würde der Kleine zwar genauso gut fahren, aber fürs Gefühl gäbe es dann nur das schicken Außen, im Innenraum bliebe nur plastikgraue Tristesse.

Der Rotstift regiert

Der VW wird zu einem Einstiegspreis von unter 10.000 Euro angeboten. Wo da gespart wurde, merkt man auch noch in unserem Luxus-Up. Das fängt damit an, dass der Fahrer keinen Schalter für den Scheibenheber auf der Beifahrerseite mehr hat. Bei der Hutablage – pappig und filzig – sind die Bändchen eingespart worden, an der sie normalerweise von der Klappe in die Höhe gezogen wird. Die unverkleideten Türen sehen munter aus, wer aber im Winter eine längere Strecke fährt, wird merken, wie ihm mit jedem Kilometer die Kälte in den Arm kriecht. Der lederbezogene Schaltknauf liegt gut in der Hand, die darunter liegende Plastikverkleidung wurde sehr schlicht auf den Boden gestülpt. Den Rotstift muss man im Up nicht suchen, man sieht und spürt ihn in jeder Ecke.

Fazit eines Up-Wochenendes:

Spaß hat er schon gemacht, aber ein echter Volkswagen ist der Up sicher nicht. Für einen VW gibt der Golf den Maßstab vor. Der Polo kann als knackiger, kleiner Golf-Bruder durchgehen, aber der Up ist kein Golf-in-Mini. Dafür wurde an den Details zu sicht- und spürbar gespart. Für 15.500 Euro gibt es beim VW-Händler auch einen ganz wohnlichen Polo – ohne Panoramadach und Navigon-Navigation aber mit deutlich besserer Grundausstattung. Wenn man es spaßig mag, könnte man sich auch einen Crosspolo mit üppiger Ausstattung und ein paar Kilometern auf der Uhr aussuchen. In den kleinen Up muss man sich verlieben und vor allem die winzigen Ausmaße als großes Plus begreifen. Dafür, dass es "Klick" macht, bringt der Up Charme und Charakter mit. Auf lange Sicht relativiert sich sogar der Preis. Kleinstwagen sind gebraucht gesucht und sicherlich wird der Up in ein paar Jahren noch bessere Preise erzielen als die Konkurrenzmodelle, sodass sein Wertverlust dann wieder doch winzig wäre.

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