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Fahrbericht: Honda Accord Tourer: Schöne Kombis heißen Tourer

Limousinen haben es bei den Auto-Käufern seit Jahren immer schwerer. Wer den neuen Honda Accord in der Kombi-Version Tourer neben der Stufenheck-Ausgabe sieht, der weiß auch, warum das so ist.

Audi hat es zumindest in Europa vielen vorgemacht: Ein Kombi muss in erster Linie gut aussehen und einen trendigen Charme versprühen – Variabilität und Laderaum kommen in der Mittelklasse nicht einmal mehr an dritter Stelle. Das ist beim neuen Honda Accord nicht anders. Der Tourer ist besonders in Sachen Laderaum deutlich kleiner geworden und seine Variabilität ist überschaubar. Aber besonders von hinten ist der Kombi sehenswerter denn je zuvor. Bei der ansonsten nahezu identischen Limousine schaut dagegen kaum ein Passant genauer hin.

Doch insbesondere mit dem Tourer wollen die Japaner die Mittelklasse ins Visier nehmen und dabei sogar Passat, Insignia und Mondeo angreifen. Hoch gesteckte Ziele, wenn man sieht, dass vom Vorgängermodell im Jahre 2007 gerade mal 3.500 Fahrzeuge durch die deutschen Händlerbetriebe geschleust wurden. Vom Nachfolger sollen es jährlich 6.500 Fahrzeuge werden.

Von dem sehenswerten Design und kompletten Sicherheitskonzept des neuen Accord verspricht man sich einiges. Und wenn es nur um Heck und Seitenlinie ginge, würden dem Accord die Herzen der Mittelklasse-Autokäufer wohl nur so zufliegen. Leider aber grenzt sich die Front nur mäßig vom Vorgänger-Accord ab. Und die Modellbekanntheit eines Accord hält sich in Deutschland bekanntermaßen in Grenzen.

Solide Triebwerke

Wer denkt auf der Suche nach einem Mittelklassekombi schon an Honda? Hier kommen einem neben den üblichen deutschen Verdächtigen, die mehr als 80 Prozent der Verkäufe ausmachen, in erster Linie Fahrzeuge wie Mazda6, Peugeot 408 oder ein Toyota Avensis in den Sinn.

Dabei gibt es keinen Grund, Tourer oder Limousine zu verstecken. Allzu lässig hat es der renommierte Motorenhersteller Honda jedoch bei den Triebwerken angehen lassen. Die zwei Benziner kennt man leicht modifiziert bereits aus dem Vorgängermodell. Und der neue Commonrail-Diesel bietet kaum eindrucksvollere Leistungsdaten als der Vorgänger.

Mustang-Fahrer blamiert sich - und rast in Zuschauer

Keine schlechten Alternativen - aber eben doch zu wenig, um damit wirklich auffallen zu können. Turbomotoren oder Direkteinspritzer sucht man vergebens und ein Leistungsspektrum zwischen 150- und 201 PS ist doch etwas dünn, um in der Mittelklasse Erfolg zu ernten.

Doch immerhin: Das Paket des neuen 2.2i-DTEC stimmt. Der Vierzylinder-Diesel läuft leise und in allen Drehzahlbereichen vibrationsarm. 110 kW/150 PS reichen allemal aus, um auch mit Gepäck und voller Beladung standesgemäß unterwegs zu sein. Leider müssen sich die Kunden bis zum Frühjahr nächsten Jahres noch mit der etwas unpräzisen Sechsgang-Handschaltung zufrieden geben. Erst dann soll eine neu entwickelte Automatik auch für den Diesel verfügbar sein.

Kombi oder Limousine

350 Nm Dehmoment bei 2.000 Touren bieten die meisten anderen Mittelklässler auch – einige sind auch kraftvoller und sparsamer unterwegs als der 4,73 Meter lange Accord, der sich mit 5,9 Litern Diesel zufrieden geben soll. Start-Stopp-Automatik oder ein regeneratives Bremssystem bleiben ebenfalls außen vor. Den Spurt von 0 auf 100 km/h schafft der Fronttriebler in zehn Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 212 km/h.

"Wir wollen von der neuen Accord-Generation 50 Prozent Tourer und 50 Prozent Limousinen verkaufen", sagt Thomas Brachmann aus dem Entwicklungsteam. "Wir arbeiten nicht nur mit neuen, noch effektiveren Piezo-Injektoren, sondern unterstützen den Fahrer auch mit einer Schaltanzeige. Das spart – je nach Fahrer – zwischen 5 und 20 Prozent." So erfüllt der neuen Diesel ebenso wie die Benziner bereits jetzt die Schadstoffklasse Euro 5.

Auf sich aufmerksam machen möchte der neue Honda jedoch nicht nur durch das schmucke Design und effektive Motoren, sondern insbesondere durch eine innovative Sicherheitsausstattung. Ebenso wie bei Legend und CRV gibt es optional einen Abstandstempomaten und das Unfallverhütungssystem CMBS Marke Pre-Safe.

Neu ist der Accord-Spurhalteassistent, der in Japan und England bereits seit 2003 bzw. 2005 auf dem Markt ist. Kommt man durch unaufmerksame Fahrweise an eine Fahrbahnbegrenzung, so steuert der neue Accord sanft gegen und hilft dem Fahrer so in der Spur zu bleiben.

Geschrumpfter Laderaum

Das Fahrverhalten des immerhin 1,7 Tonnen schweren Accord Tourers zeigt sich komfortabel und gewinnt insbesondere durch die um acht Zentimeter verbreiterte Spur. So lässt sich der Japaner angenehm und wendig durch enge Kurven bewegen. Allein die neue Servolenkung fühlt sich besonders um die Mittellage synthetisch an und beinträchtig das gute Gesamtgefühl.

Das genießt man auch im wertigen Innenraum, der vier Personen angenehme Platzverhältnisse bietet. Der Laderaum ist deutlich geschrumpft und bietet mit 395 bis 1.252 Liter nun zu wenige Möglichkeiten.

Ganz anders der Preis. Gut ausgestattet startet der 156 PS starke Honda Accord 2.0 ab Anfang Juni als Limousine für 24.800 Euro. Der Tourer kommt erst im September. Inklusiv Komplettausstattung liegt das Topmodell Tourer 2.2i-DTEC Executive bei 34.675 Euro. Der Vorverkauf läuft gut. 3.500 Fahrzeuge wurden bereits geordert – darunter 1.800 Kombis.

Stefan Grundhoff / pressinform / PRESSINFORM

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