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Ford Focus RS: Waldweg-Wilderer

Der Reiz eines Autos erschließt sich mir oft durch meinen Gasfuß. Leichtes Kribbeln für City-Flitzer, stärkeres für schicke Limousinen. Vor der Spritztour mit dem Ford Focus RS fühlte es sich jedoch an, als sei eine ganze Ameisenkolonie in meinen Schuh eingezogen.

Der Reiz eines Autos erschließt sich mir oft durch meinen Gasfuß. Leichtes Kribbeln für City-Flitzer, stärkeres für schicke Limousinen. Vor der Spritztour mit dem Ford Focus RS fühlte es sich jedoch an, als sei eine ganze Ameisenkolonie in meinen Schuh eingezogen.

1.000 Stück des Focus RS möchte Ford in Deutschland absetzen. Tragisch für Fans, gut für Förster und Umweltschützer. Die homöopathische Produktionsdosis wird den Flurschaden an Feld- und Waldwegen, verursacht durch RS-Kunden, in Grenzen halten.

Dezent protzen
Sich dem kühlen Charme des gedrungenen Kölners zu entziehen, fällt schon auf dem Parkplatz schwer. Kuppeldach, kurze Motorhaube und das knubbelrunde Heck - auf den ersten Blick unterscheidet sich ein RS kaum vom Durchschnitts-Focus. Im Vergleich zu seinen Vorgängern haben die Ford-Autobauer beim jüngsten »Rallye Sport«-Ableger dazugelernt. Ausladende Spoilergeschwüre und prollig-protzige Lufthutzen in der Motorhaube blieben dem Focus erspart. Statt dessen bekam der RS der Gegenwart eine blecherne Mischung aus edler Abendgarderobe und Rugby-Outfit verpasst.

Tief-Flieger

Was beim Herrenausstatter zu Irritationen führen würde, steht dem Ford gut zu Gesicht. Trotz der dezent eingesetzten Karosseriemodifikationen nimmt man dem Blaumann sofort ab, dass er es faustdick hinter den verbreiterten Kotflügeln hat. Unter selbigen stecken recht imposanten Niederquerschnittsreifen auf schicken Felgen des Fahrzeugveredlers OZ. Da das gesamte Fahrzeug 25 Millimeter tiefer über den Asphalt rollt als ein Serien-Focus, sitzen die 18-Zoll-Räder optisch so perfekt wie italienische Designerschuhe.

Rallye-Zwilling

Ganz und gar nicht vom Edel-Schneider stammt hingegen die imposante RS-Frontschürze. Um dem hochgezüchteten Turbo-Vierzylinder die nötige Luft zuzufächeln, verpasste die Ford-Entwickler ihrem Sportler kurzerhand ein Plastik-Gesicht, das direkt aus dem Rallyesport zu stammen scheint. Zusätzlich will die 6,5 Zentimeter breitere Spur des Kölner Geschosses verhüllt werden. Deshalb wurde die Frontschürze links und rechts noch um zwei Wülste erweitert und mit zwei Frischluft-Kiemen verziert. Die Summe der Umbauarbeiten hat den gewünschten Effekt: Fords Renn-Focus sieht seinem Rallye-Pendant erstaunlich ähnlich - ohne dabei ins Proletentum zu verfallen.

Design-Sünden im Innenraum

Nicht ganz so zurückhaltend verfuhren die Ford-Entwickler mit dem Focus-Innenraum. Das einst gewöhnungsbedürftige New-Edge-Design muss sich im RS die Aufmerksamkeit mit blau-schwarzen Sparco-Schalensitzen, einem Sportlenkrad in der gleichen Farbkombination, blau unterlegten Instrumenten und einer Mittelkonsole im Kohlefaser-Look teilen. Die Modifikationen machen im praktischen Einsatz durchaus Sinn - optisch gelungen ist der Mix aus Großserien-Design und Teilen aus dem Tuning-Regal deshalb noch lange nicht. Eine Chance auf Besserung gibt es übrigens nicht. Gleiche Farbe, gleiche Ausstattung, gleicher Preis - wer in den Genuss eines Focus RS kommen möchte muss ihn so nehmen, wie er ist. Sonderzubehör gibt es nur beim Tuner.

Start per Knopfdruck

Man kann mit den Interieur-Designern auf Kriegsfuß stehen - im Einsatz ist man für jedes verbaute Gimmick dankbar. Allein schon der leuchtend grüne Startknopf neben dem Schaltstock ist ein echter Lustpunkt. Kurz gedrückt und schon kommt leben in die Bude. Die 215 PS des aufgeladenen Vierzylinders erwachen mit einem fröhlichen Fauchen aus dem Tiefschlaf.

Sportlich kuppeln

»Klick« - nach einem irrwitzig kurzen Schaltweg lässt sich der erste Gang einlegen - begleitet von jenem metallischen Klacken, das weiche Gesichtszüge zu einem diabolischen Grinsen entgleisen lässt. Wenige Sekunden später schießt der RS auch schon aus den Startlöchern. Gangwechsel stellen dank Sportkupplung kein großes Hindernis dar. Dabei erschließt sich den Augen des Piloten eine ganz neue Aussicht. Neben Tacho und Drehzahlmesser rückt ein verhältnismäßig kleines Instrument in den Mittelpunkt, das die geleistete Arbeit des Garret-Turboladers optisch erkennbar macht.

Toller Turbo

Nötig wäre diese optische Untermalung freilich nicht. Jeder Kubikzentimeter Luft, den der Lader mit einem maximalen Druck von einem Bar in die Brennräume presst, ist für den Fahrer spürbar. Die Auswirkungen auf die Fahrleistung sind atemberaubend. Mit ausreichend Drehzahlen versorgt, scheint sich der zwangsbeatmete Vierzylinder in einen wahren Rausch zu steigern. Begleitet vom hysterischen Kreischen des Turboladers ist ständig genügend Leistung vorhanden, um den RS nach vorne zu peitschen.

Die Kraft im Griff

Dass dabei die sündhaft teuren Breitreifen nicht in Rauch aufgehen, verdanken sie der Torsen-Differentialsperre des Herstellers Quaife. Unter ihrer Mithilfe sind die Vorderräder des RS auf trockener Fahrbahn praktisch nicht zum Durchdrehen zu bewegen. Was bleibt ist Vortrieb im Überfluss. Den Sprint von 0 auf 100 bewältigt der RS in 6,7 Sekunden.

Überlegenheit durch Rennsport-Technik

Nun muss man nicht in einem 30.000 Euro teuren Super-Focus sitzen, um solche Beschleunigungswerte zu erreichen. Als RS-Pilot beginnt man bereits nach kurzer Zeit, den Fahrbahnrand nach geeigneten »Spielplätzen« abzusuchen. Gefragt sind dabei besonders verlassene Feldwege und jungfräuliche Waldpisten. Dort kann der Focus die volle Überlegenheit der Rennsport-Technik ausspielen. Dass dabei so manche Grasnarbe ihr Leben lassen muss ist zwar schade, schmälert den Spaß aber keineswegs.

Driften leichtgemacht

Hat man sich erst dran gewöhnt, dass die aufwendige Fahrwerkstechnik auch auf losem Untergrund eine irrwitzige Beschleunigung zulässt, wird selbst der unerfahrenste RS-Pilot zum potentiellen Carlos-Sainz-Konkurrenten. In Verbindung mit der ungeheuer direkten Servolenkung sind zaghafte Drifts und das kontrollierte Ausbrechen des Hecks kein Problem. Da ist der Griff zur Handbremse nicht weit. Kurz am Alu-Griff gezupft und am Lenkrad gespielt, schon wuchtet sich der Focus-Hintern effektvoll um ein eigentlich viel zu spitzes Eck. Der Focus gehorcht aufs Wort. Wahnsinn!

Fazit

Für den Focus RS würde ich mich sogar mit meiner Hausbank anlegen. Es ist die Mischung aus dezenter Optik und kompromissloser Sportlichkeit die den Super-Focus attraktiv macht. Dass er dabei Waldwege verwüstet, Unmengen von Benzin verbraucht und praktisch über keinerlei Federung verfügt - na und? Für etwas mehr als 30.000 Euro bekommt man bei Ford einen Rallye-Sportler mit Straßenzulassung. Mit Vernunft wird man da nicht weit kommen.

Jochen Knecht

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.