Hyundai Grandeur Reisen wie der Kaiser


Hyundai hatte den richtigen Riecher: Als Hauptsponsor der Fußball-WM drückte der Asiat dem Großereignis den automobilen Stempel auf. Sein Grandeur V6 war das offizielle WM-Shuttle. Mit ihm reisten Blatter, der Kaiser und Co.

Für den koreanischen Hersteller hatte die Fußball-WM eine immense Bedeutung. Schließlich investierten die Asiaten einen dreistelligen Millionenbetrag. Das Geld scheint laut Karl-Heinz Engels, Geschäftsführer von Hyundai Motor Deutschland, gut angelegt: "Unser Engagement bot eine tolle Plattform, um Millionen Fans zu erreichen und die Marke Hyundai noch bekannter zu machen." Der Hyundai Grandeur flimmerte als Limousine der Offiziellen über die Bildschirme von rund 1,5 Milliarden Zuschauern weltweit flimmern.

Nach der in Europa eher erfolglosen Karriere des Vorgängers XG 350 ist der Grandeur kein Nachfolgemodell sondern ein komplett neu entwickeltes Fahrzeug. Dabei scheinen die Hyundai-Designer kräftig in der Oberklasse deutscher Hersteller gewildert zu haben: Erinnert die Frontpartie leicht an einen Wolfsburger Konkurrenten, so ist die Heckpartie der immerhin 4,90 Meter langen Limousine eine deutliche Verbeugung vor den Stuttgarter Automobilbauern. Insgesamt ein geschickter Mix, der aus dem europäischen Designcenter in Rüsselsheim stammt.

Trotz aller Anleihen erreicht der Grandeur durch das durchgehende Rückleuchtenband mit LED-Elementen und die flachen Scheinwerfer eine individuelle Note. Die seitlichen Zierleisten, die verchromten Türgriffe und die billig wirkenden Leichtmetallfelgen schicken der Hyundai Grandeur jedoch eher wieder zurück in die Mittelklasse. Die großen Überhänge vorn und hinten sind wiederum amerikanischer Geschmack - dorthin soll auch der größte Teil der Produktion verkauft werden. Für den deutschen Markt sind lediglich 500 Fahrzeuge geplant.

Behagliches Interieur

Im Inneren konnten sich die FIFA-Funktionäre in einem ausgesprochen großzügigen Ambiente wohl fühlen. Das Platzangebot präsentiert sich vorn und hinten mehr als üppig, die Sitze sind komfortabel und haben ausreichenden Seitenhalt. Der Kofferraum ist mit mächtigen 523 Litern auf dem Niveau der Mitbewerber und unterstreicht die Reisetauglichkeit von Hyundais Spitzenmodell.

Die Verarbeitung der serienmäßigen Lederausstattung ist akkurat - die Holzapplikationen sind wertiger, als von anderen Hyundai-Modellen bekannt. Zwar sind die Türgriffe immer noch aus Plastik - aber man ist dem Ziel, bis 2008 die Qualität von Toyota erreichen zu wollen, näher gekommen. Alles wirkt solide. Bis auf das Radio. Hier hätte sich sicher ein Hersteller gefunden, dessen Geräte besser in die vorgesehene Öffnung und zum Design des Interieurs passen. Wir sind schließlich in der Oberklasse.

Komfort ohne Ende

Dass per Funkfernbedienung geöffnet und verschlossen wird, ist in dieser Klasse wohl selbstverständlich. Per Smart Key wird auch ohne Schlüssel gestartet. Da ist es schon verwunderlich, dass man vom Händler einen altertümlichen Schlüssel ausgehändigt bekommt - für den weder in einer der Türen noch im Armaturenbrett ein Schlüsselloch zu finden ist. Man sollte meinen, dass sich im Land von LG und Samsung ein Zulieferer für ordentliche Fernbedienungen finden ließe.

Der so per Tastendruck zu startende Sechszylinder verfügt über eine variable Ventilsteuerung (CVVT) und ein variables Einspritzsystem (VIS). Bekannt aus dem kleineren Mittelklassemodell Sonata leistet das 3,3 Liter große V6-Triebwerk 235 PS und bringt den 1,8 Tonnen schweren Wagen in 7,8 Sekunden auf Tempo 100. Dabei bleibt der Motor bis zur Höchstgeschwindigkeit von 235 km/h leise und vibrationsarm. Selbst bei Geschwindigkeiten jenseits der Richtgeschwindigkeit machen die Windgeräusche den Hauptanteil des Geräuschpegels aus.

Souverän auf der Straße

Im Praxistest lag der Durchschnittsverbrauch bei akzeptablen 11,9 Litern pro 100 Kilometer - immerhin nur Normalbenzin. Dabei ist die Elastizität des Motors durchweg auf der Höhe. In 4,3 Sekunden beschleunigen die 304 Nm des 24-Ventilers den Wagen von 60 auf 100 km/h. Die Fünf-Stufen-Automatik schaltet ruckfrei und angenehm, schluckt jedoch einiges der Motorleistung. Die Lenkung ist leichtgängig und wurde gegenüber dem XG 350 deutlich verbessert. Das Holzlenkrad liegt durchaus gut in der Hand - jedoch wären mehr Präzision und Rückmeldung von der Fahrbahn wünschenswert.

Das Fahrwerk lässt es an Fahrkomfort nicht mangeln. Selbst schlechten Straßen begegnet es souverän. Dass das Frontantriebskonzept jenseits der 200 PS überfordert ist, merkt man jedoch spätestens auf kurvenreichen Landstraßen und beim Anfahren. In schnell gefahrenen Kurven stört die starke Seitenneigung.

Sicherheitsausstattung auf Fifa-Niveau

Die Sicherheitssaustattung des Hyundai Grandeur 3.3 V6 ist auf Fifa-Niveau. So gibt es serienmäßig unter anderem ESP, acht Airbags, aktive Kopfstützen und Seitenairbags für die Rückbank. Die Ausstattung lässt ebenfalls keine Wünsche offen. In der Aufpreisliste findet man nur die obligatorische Metallic-Lackierung und ein elektrisches Schiebedach - alles andere kommt als Serie.

In dieser Klasse sollte man jedoch auf Xenon- und Kurvenlicht oder eine heizbare Rückbank nicht verzichten müssen. Damit der geplagte FIFA-Funktionär seine ganze Kraft in die Bewältigung des Großereignisses stellen kann, ist ansonsten alles elektrisch ein- oder verstellbar: Sitze, Spiegel, Fenster, Türschlösser, Lenkrad und selbst das Sonnenrollo im Heck werden per Elektromotor in Position gebracht.

Das ist ja günstig

Der Preis ist nahezu konkurrenzlos. Ok, die Funktionäre bekamen die Limousinen kostenlos zur Verfügung gestellt - inklusive Fahrer. Der interessierte Fußballfan, der täglich wie Joseph Blatter reisen möchte, muss jedoch 37.790 Euro in die Hand nehmen. Auch noch günstig: Die deutsche Konkurrenz kostet mindestens 12.000 Euro mehr.

Jedoch macht sich der Grandeur Konkurrenz im eigenen Haus. Der Hyundai Sonata V6 ist zehn Zentimeter kürzer, ähnlich ausgestattet - und kostet fast 7.000 Euro weniger.

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