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Jeep Grand Cherokee: Der Geländehäupling hat wieder Diesel-Wumms

Die meisten SUVs müssen in echtem Gelände klein bei geben. Der Grand Cherokee wird dort erst richtig warm. Gleichzeitig sorgt mehr Luxus auch für Spaß auf der Straße. In Europa spielen nur die Diesel-Motoren eine Rolle.

Im Geländewagen-Segment, wo in Deutschland im vergangenen Jahr fast 300.000 Fahrzeuge neu zugelassen wurden, ist für die Anbieter ein leistungsfähiger und wirtschaftlicher Selbstzünder ein "Muss". Das weiß auch Jeep und spendiert seinem neuen Jeep Grand Cherokee nun einen Dieselmotor mit drei Liter Hubraum und 140 kW/190 PS oder 177 kW/241 PS Leistung.

Je höherwertig ein SUV im Markt positioniert ist, desto mehr muss es den Spagat zwischen Gelände und Straße beherrschen. Obwohl der Grand Cherokee ebenso wie seine Wettbewerber Mercedes M-Klasse oder Range Rover Sport optional über ausgefeilte Offroad-Technik verfügt, werden sie nur selten jenseits der Straße bewegt. Hoher Komfort auf dem Boulevard und auf Reisen ist für die Insassen meist wichtiger. Deshalb ist der neue Grand Cherokee gezielt auf edles Ambiete und Limousinen-nahe Fahreigenschaften auf dem Asphalt hin konstruiert worden.

Optik eines modernen Luxus-SUV

Natürlich muss auch der Dieselmotor diese Qualitätsanforderungen erfüllen - und die Latte hängt hoch. Solide Sechszylinder-Diesel aus dem Hause Daimler trieben die Grand Cherokees zu Zeiten der Liäson zwischen Jeep-Mutter Chrysler und dem deutschen Konzern an. Jetzt bestimmt Fiat, welche Route Jeep einschlägt und so ist es folgerichtig, dass ein Multijet-II-Motor aus italienischer Produktion die Nagelprobe mit dem großen Indianer bestehen muss. Das Aggregat hat ebenfalls sechs Zylinder und je nach Leistungsstufe 440 oder 550 Newtonmeter Drehmoment.

Die satte Portion Premium, die Fiat dem Spitzen-Jeep verordnet hat, ist an der reichlichen Verwendung von Chrom außen und hochwertigen Materialien innen zu erkennen. Das Karosserie-Design mit hoher Schulter und schmalen Fensterflächen passt in die Optik moderner Luxus-SUV, die Eigenständigkeit des Jeeps wahren das Front-Design mit dem aus sieben senkrechten Schlitzen bestehenden charakteristischen Kühlergrill sowie die eckig ausgeführten Radhäuser. Schnödes Hartplastik ist großflächig durch griffsympathische Kunststoffe ersetzt worden, fein gemaserte Holzeinlagen und Lederverkleidung vermitteln ein stimmiges Bild hochklassiger Beförderung. Blankes Metall ist jedoch nicht an allen Stellen sinnvoll: Die dicken Einfassungen der seitlichen Lüftungsausströmer führen zu störenden Reflexen im linken Außenspiegel.

Betagte Fünfgang-Schaltbox

Obwohl der neue Grand Cherokee in Länge und Breite jeweils sieben Zentimeter gegenüber dem Vorgänger zugelegt hat, wirkt er nicht so wuchtig wie viele seiner Mitbewerber. Für ein Leichtbau-Mobil sollte man den Allrader dennoch nicht halten: Wenigstens 2350 Kilogramm Leergewicht zeigt die Waage. Die wollen angemessen in Schwung gebracht werden. Im ersten Fahrtest meisterten die V6-Diesel die Aufgabe souverän, sieht man einmal davon ob, dass die Umsetzung des Gasbefehls noch eine Idee spontaner erfolgen könnte. Nicht zuletzt ist für diese Frage das Getriebe zuständig, und da wünschte man sich eine alsbaldige Renovierung. Wohl bis Anfang 2012 gibt es keinen sechsten Gang, erst dann wird die betagte Fünfgang-Schaltbox durch die von der Konkurrenz schon gern verwendete ZF-Achtgang-Automatik ersetzt.

Ist der Schub erstmal da, geht es zügig vorwärts. Der Hersteller verspricht 8,2 Sekunden aus dem Stand bis Tempo 100, was eine glatte halbe Sekunde schneller ist, als der große Benziner zu sprinten vermag. Der hat zwar gut 110 PS mehr, aber erst bei 5 200 U/min. Der fette Diesel dagegen macht 30 Nm mehr schon ab 1800 U/min locker, da gehen auch 2,3 Tonnen druckvoll auf die Reise. Der Geräuschkomfort ist gut und die dieseltypische Schallkulisse so unterschwellig, dass niemand den Daimler-Diesel von einst vermissen muss. Unabhängig von der Leistungsstufe sollen beide Varianten im Schnitt mit 8,3 Liter Kraftstoff auskommen. Bei der überwiegend in gemütlichem Tempo absolvierten Testfahrt zeigte der Bordcomputer knapp mehr als neun Liter.

Ein anderes Erbstück aus der vermeintlichem Liebesehe des deutsch-amerikanischen Konzerns ist die Plattform der Mercedes M-Klasse, der Jeep Karosserie und Antrieb übergestülpt hat. Mit der Bodengruppe erhielt der Grand Cherokee zum ersten Mal Einzelradaufhängung, die sich optional mit einer höhenverstellbaren Luftfederung kombinieren lässt. Denn das sollte man bei aller Behaglichkeit nicht vergessen: Der Grand Cherokee ist ein handfester Naturbursche, der das Klettern nicht verlernt hat. Wie beim Vorgänger lässt sich für Expeditionen in schweres Gelände die Frontschürze abnehmen, dann erreicht das luftgefederte Fahrzeug einen Böschungswinkel von 34 Grad vorn und 27 Grad hinten sowie einen Rampenwinkel von 23 Grad. Damit lässt sich fast jede Hürde nehmen.

Axel F. Busse/mid / MID

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