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Mercedes M-Klasse 2012: Die neue Protz-Klasse

Die Saurier sterben nicht aus, sie wandeln sich. Die nächste M-Klasse wird nicht kleiner oder bescheidener, sie wird so luxuriös wie nie zuvor. Immerhin wird der Trumm auch mit kleinen Vierzylinder-Motoren ausgeliefert.

Diät sieht anders: Die nächste M-Klasse wird nicht etwa kleiner oder leichter. Im Gegenteil: Der Innenraum wirkt größer und luxuriöser als je zuvor. Neu ist aber, dass die Motoren nicht mehr unbedingt zulegen müssen. Die nächste M-Klasse gibt es auch mit einem Vierzylinder-Diesel.

Im Vergleich zum Vorgänger ist die M-Klasse kaum wiederzuerkennen. Die Front zeigt sich oberhalb der Stoßstange im Look des Nobelcoupés CL und am Heck wirkt der Crossover wie ein Kombimodell der E-Klasse mit großen horizontalen Leuchteinheiten. Anders als bisher wurden die Radhäuser weniger stark herausgearbeitet. Stattdessen bekam die Schulterlinie mit einer zusätzlichen Innenwölbung unterhalb der Türgriffe mehr Kontur. Wollte der Vorgänger noch unbedingt als Geländewagen mit Nehmerqualitäten gelten, so haben sich die Vorzeichen inzwischen geändert: Weniger Offroad-Machismo und mehr Luxus-Crossover heißt das neue Rezept.

Kleine Motoren für neue Märkte

Wie bei die S-Klasse wird die bM-Klasse erstmals mit vier Zylindern verfügbar sein. Bleibt abzuwarten, ob sich in dieser Klasse viele Kunden mit dem Zielkonflikt Zylinderverlust = Imageverlust anfreunden können. In Deutschland sicher nur wenige, in anderen Märkten forcieren die Steuergesetze den Einsatz kleinerer Motoren.

Die meisten deutschen Kunden dürften schon wegen der schieren Fahrzeugmasse mit dem ebenfalls überarbeiteten ML 350 Bluetec mit sechs Zylindern, 258 PS und 620 Nm deutlich besser bedient sein. Insbesondere weil auch sein Verbrauch im Vergleich zum Vorgängermodell um rund 25 Prozent gesunken ist. Trotz 224 km/h Höchstgeschwindigkeit und 0 auf 100 km/h in 7,4 Sekunden soll sich der ML 350 Bluetec mit 6,8 bis 7,4 Litern Diesel zufrieden geben.

Der 2,2 Liter große Vierzylinder-Commonrail-Diesel, der mittlerweile in großen Teilen der Mercedes-Modellpalette seine Arbeit verrichtet, leistet 204 PS und 500 Nm maximales Drehmoment. Er verbraucht 6,0 bis 6,5 Liter Diesel und schafft 210 km/h Spitze. Wer den serienmäßigen 70-Liter-Tank gegen die größere Version mit 93 Litern austauscht, schafft bis zu 1.500 Kilometer mit einer Tankfüllung.

Eine Hybridversion wird mittelfristig ebenfalls nachgereicht, dieses Mal dürfte sie auch den Sprung nach Europa schaffen. Alle Benzin- und Dieselmotoren sind mit der neuesten Generation der Mercedes-Getriebeautomatik kombiniert. Das siebenstufige Getriebe mit Start-Stopp-Funktion wurde durch zahlreiche Maßnahmen nochmals verstärkt auf Verbrauch getrimmt. Einen weiteren Anteil an den geringeren Verbräuchen hat der niedrige Luftwiderstandswert von 0,32 und das gleich gebliebene Fahrzeuggewicht des ML. Deutlich abspecken konnte die neueste Generation der M-Klasse dagegen nicht.

Geländefähigkeiten im Optionspaket

Mercedes hat bei aller Effizienz jedoch nicht vergessen, dass es sich bei der 4,80 Meter langen M-Klasse nach wie vor um einen Geländewagen handelt. Optional lässt sich für den Sechs- und Achtzylindermodelle ein Offroadpaket mit Luftfederung, Untersetzung und sechs verschiedenen Fahrprogrammen ordern. Die Bodenfreiheit lässt sich über den zentralen Fahrprogrammschalter auf dem Mitteltunnel auf 28,5 Zentimeter für den harten Geländeeinsatz erweitern. Für die flotte Gangart bieten die Stuttgarter nicht nur einen Sportmodus, sondern auf Wunsch mit dem "Active Curve System" eine neu entwickelte Wankstabilisierung an, die das Einnicken der hoch bauenden Karosserie in schnellen Kurven eindämmt.

Luxus aus der Oberklasse

Deutlich gewonnen hat der Innenraum. Der rustikale Charme des Vorgängers ist vergessen und in den höheren Ausstattungsvarianten wirkt der Mercedes ML wie ein echter Luxus-Geländewagen. Große Holzflächen, zahlreiche Lederelemente auf dem Armaturenbrett und in den Seitenverkleidungen bringen die Exklusivität, die der M-Klasse bisweilen fehlte. Bei den Anzeigeelementen und Bedienmodulen orientiert sich der Allradler aus Tuscaloosa in Alabama an der aktuellen Generation von E-Klasse und CLS. Zwischen den Lüftungsdüsen thront ein 17,8 Zentimeter großer Multifunktionsbildschirm für Navigation, Radio, TV und zahlreiche weitere Anzeigeelemente. Neben dem Plus an Platz im Innenraum schluckt der Laderaum bis zu 2.010 Liter. Verkaufsstart für die neue Mercedes M-Klasse ist Mitte Juli; ab 19. November steht der SUV dann beim Händler. Die Preise dürften auf dem Niveau des Vorgängers liegen. Der Vierzylinder-Benziner des ML 250 CDI sollte jedoch bei deutlich unter 50.000 Euro beginnen.

Stefan Grundhoff/Press-Inform
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