Kia Sporty Wagon Billigheimer war gestern

Schon mit dem fünftürigen cee´d traf Kia in der Kompaktklasse voll ins Schwarze. Jetzt zieht der koreanische Autohersteller seinen zweiten Pfeil aus dem Köcher und feuert den Kombi ab, genannt Sporty Wagon.
Von Michael Specht

Wer Kia heute noch mit Billigheimer und Zweite-Klasse-Japaner assoziiert, hat jahrelang tief geschlafen oder ignoriert schlicht die Realität. Spätestens mit dem cee´d, einem Kompakten der Golf-Klasse, hat der koreanische Hersteller seit Februar bewiesen, zu was man fähig ist, wenn man ein Auto in Europa plant und auch baut: gute Qualität, günstige Preise, gefälliges Aussehen und eine generöse Garantie von sieben Jahren oder 150 000 Kilometern. Frei nach dem Motto: kaufen, fahren und freuen. Selbst Fachmagazine lobten den cee´d in diversen Vergleichstests über den Klee. Über 5000 hat Kia bereits in Deutschland verkauft. Kommendes Jahr sollen es dreimal so viele werden.

Ab September folgt cee´d Nummer 2, der Kombi. Kia nennt ihn im besten Marketing-Deutsch "Sporty Wagon". Vielleicht, weil er nicht so kantig spießig daher kommt, sondern durch seine z-förmige hintere Flanke ein wenig auf Dynamik macht. Fest steht jedenfalls, die Entwickler und Produktmanager haben sich Mühe gegeben, den Kombi so kundenfreundlich wie möglich zu gestalten. Das beginnt mit der Hecklappe. Sie ragt ungewöhnlich weit ins Dach hinein. Vorteil: Beim Hochschwingen braucht sie wenig Platz. Steht also ein Auto dicht hinter dem cee´d, kann man trotzdem noch seine Sachen reinschmeißen.

Die Rücksitze lassen sich getrennt flach legen. Und flach heißt auch flach. Keine Schräge und keine Stufe stört das Beladen. Unterm Ladeboden passt zusätzlicher Kleinkram in diverse Fächer. Laderaumabdeckung und Trennnetz fahren serienmäßig mit. Ebenso die Dachreling. Da der Kombi (4,47 Meter) auf dem Fünftürer basiert, also auch dessen Radstand hat, dennoch 23,5 Zentimeter länger ist, kommt das Wachstum ausschließlich dem Gepäckraum zugute. Heißt: Das Volumen steigt von 340 auf 534 Liter, bzw. umgelegt von 1300 auf 1664 Liter. Kia-Produkt-Manager Matthias Trogen sagt, damit wäre der Sporty Wagon auf Platz 2 in seiner Klasse, hinter dem Peugeot 307 SW, aber vor Golf und Co.

Billig-Look im Cockpit ist out

Auch im Cockpit merkt man, dass Kia Geld in die Hand genommen hat. Weg vom Billig-Look. Gerasterte Softtouch-Oberflächen für Armaturenbrett und Türen schaffen ein angenehmes Ambiente, alles wirkt professionell und sauber verarbeitet. Die Bedienung der Schalter und Hebel geht blind. Selbst an unscheinbare Kleinigkeiten hat man gedacht. Die Türen haben drei Stopper, dass sie bei engen Parklücken nicht so leicht gegen das Nachbarauto schlagen. Was man den Planern ankreiden kann, ist: Nirgends lässt sich eine Literflasche Wasser abstellen.

Schon der 1,4-Liter-Benziner reicht völlig für die Aufgaben des Alltags. Mit 109 PS ist er ausreichend kräftig, er läuft ruhig und 6,3 Liter Verbrauch sind auch keine schlechte Hausnummer. Dazu kommen eine handliche Fünfgangschaltung, eine leichtgängige Lenkung und ein komfortables Fahrwerk. Alles zusammen macht aus dem Sporty Wagon ein gut zu fahrendes und harmonisches Auto, das man mit 15 900 Euro (950 Euro mehr als der Fünftürer) fast schon als Schnäppchen ansehen kann. Zumal die Ausstattung nahezu komplett ist.

Schlechte Sitte macht Schule

Klar, irgendwas geht immer noch rein, aber den meisten Menschen dürften sechs Airbags, ESP, ein in Höhe und Tiefe verstellbares Lenkrad, ein höhenverstellbarer Fahrersitz, elektrische Fensterheber und Außenspiegel, Bordcomputer, Zentralverriegelung und ein RDS- sowie MP3-fähiges CD-Radio mit sechs Lautsprechern fürs tägliche Leben reichen. Ärgern dürfte sie höchstens die Farbpolitik von Kia. Für den Sporty Wagon gibt es nur zwei aufpreisfreie Unitöne (weiß und rot). Die anderen zehn sind alles Metalliclacke und kosten 360 Euro extra. Kleiner Trost: Diese schlechte Sitte haben sich viele andere Hersteller auch schon angewöhnt.


Mehr zum Thema



Newsticker