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Lancia Delta Integrale 16V: Die Nacht der langen Messer

Die Zuschauer bei der Monte erkannten ihn schon von weitem an dem wilden Gebrüll. Jahrelang dominierte der Lancia Delta Integrale die Rallye-Szene und die Rallye Monte Carlo. Im Sommer kommt der neue Delta. Grund genug zurückzuschauen.

Als Henri Toivonen der Rallye Monte Carlo im Januar 1986 mit einem eindrucksvollen Gesamtsieg seinen Stempel aufdrückte, bekam die Motorsportwelt den Mund nicht mehr zu. Der Lancia Delta S4 hatte es der bärenstarken Konkurrenz gezeigt. Bis zum Jahre 1992 dominierte der Lancia Delta Integrale die Monte und genauso lang die Rallye-Weltmeisterschaft. Die Konkurrenz verkam zum Statisten-Rudel und Piloten wie Mini Biasion, Bruno Saby oder Carlos Sainz kamen zu Weltruhm.

Wenn der neue Lancia Delta auf dem Genfer Salon Anfang März seine offizielle Weltpremiere feiert, wird außer dem Namen nichts an den potenten Alleskönner aus den späten 80er und frühen 90er Jahre erinnern. Der alte Delta Integrale ist eine Autolegende. Quadratisch, kantig und geradezu unbesiegbar meißelte er seine Initialen in der Nacht der langen Messer in den Col de Turini. Hier versetzte der nicht einmal vier Meter lange Rennwagen tausende von Motorsportfans in schiere Begeisterungsstürme. Die Straßenversion war europaweit gesehen dagegen alles andere als ein Massenmodell. In Italien lief der Golf-Konkurrent ordentlich. Doch anfällige Motoren, Elektrikprobleme und eine ihm naturgegebene Rostanfälligkeit hielten die Kunden außerhalb des Stiefels in überschaubaren Dimensionen. Ändert jedoch nichts daran, dass einen Delta Integrale jeder Autofan kennt. Viele beten ihn noch heute an.

Auch als Straßenmodell eine Rakete

Durch seine Rallye-Erfolge brannte er sich bei jung und alt unauslöschlich ins Gehirn. Sicher ein Vorteil, wenn der Nachfolger nach langem hin und her dieses Jahr endlich auf den Markt kommen wird. Mit seinem puristisch-kantigen Vorgänger wird der neue Delta kaum etwas gemein haben. Denn der alte Delta Integrale war auch als Straßenmodell eine Rakete. Mit Allradantrieb und Leistungen von zum Teil bis an die 300 PS war er das sportlichste Kompakt-Modell Anfang der 90er. Selbst ein Audi Ur-Quattro hatte wegen des effizienten Allradantriebs mit offenem Vorderdifferential und einem zentralen Verteilergetriebe mit Viskokupplung kaum eine Chance gegen den Delta. 53 Prozent der Motorleistung gingen an die alles andere als leise Hinterachse und brennen die Dynamik in Asphalt oder Schotter.

Wenn die Straße rutschig, die Abhänge tiefer und die Kurvenradien enger werden, ist der Delta Integrale in seinem Element. An die direkte und allzu schwergängige Lenkung muss man sich erst einmal gewöhnen. Doch sie ist angesichts enger Schalensitze, bissiger 210 PS und einem unansehnlichen Plastikinterieur nur Nebensache. Selbst die Straßenversion beißt wie eine Rennsemmel, eine solche mit der man nicht unbedingt in die City will. Zum posen gibt es andere Autos. Stattdessen freut man sich auf die nächste Ausfahrt am Samstagnachmittag in die Chiemgauer Alpen, vielleicht auch herüber nach Tirol wo noch Schnee auf den Nebenstraßen liegt und die müden Scheinwerferkegel nach Sonnenuntergang Felswände erhellen.

Kein langweiliges Normalo-Modell

Sein alles andere als stromlinienförmiges Design ist charakteristisch - für die Automobilära Ende der 80er und den Delta sowieso. Das Platzangebot im 3,90 Meter langen Serienmodell ist dabei überschaubar. Bereits vorne wird es für Scheitel, Schulter und Knie eng; von der zweiten Reihe und dem durch das verlegte Ersatzrad zerklüfteten Kleinkofferraum einmal gar nicht zu reden. Die letzte Generation des Lancia Delta Integrale bot dem Betrachter zudem diese phantastisch dicken Backen, die so unvergleichlich für Sportlichkeit standen, ehe sie von Designern seit dem Jahrtausendwechsel in langweiligste Normalo-Modelle projiziert werden. Das Heck des Delta bietet Tristesse pur, die Front Kühleinlässe über Kühleinlässe. Der 154 kW / 210 PS starke Zweiliter-Turbo braucht schließlich Luft zum atmen und kühlen.

Als Lancia Mitte der 80er Jahre den ersten Delta 4WD präsentierte, war die Unsicherheit groß. Innerhalb von zehn Jahren wurden rund 45.000 4x4-Versionen produziert. Der zwei Liter große Fiat-Vierzylinder des Delta leistete 121 kW / 165 PS und bis zu 280 Nm Drehmoment, galt jedoch als anfällig. Kaum ein anderes Auto in Europa bekam in den nächsten Jahren derart viele Anpassungen und Überarbeitungen. Als bester Delta aller Zeiten gilt bis heute der ab 1993 gebaute Integrale HF 16V mit einer Leistung von 154 kW / 210 PS und über 300 Nm Drehmoment. Die neue Kolbenbodenkühlung sorgte für Standfestigkeit; die acht zusätzlichen Ventile für eine entsprechende Leistungsspritze. Die Fahrleistungen des Delta Integrale waren dabei auch nach Einführung des Katalysators in eindrucksvoll. Fans schimpften jedoch wie ein Rohrspatz und monierten eine wenig stimmige Kastration des hungrigen Turbos. Trotzdem: 0 auf 100 km/h in 5,7 Sekunden und ein mächtiger Durchzug im mittleren Drehzahlbereich machten selbst vielen Sportwagenfahrern Angst. Wer seine Ohren nicht schont und die fünf Gänge ausdreht, ringt dem Delta auf der Autobahn nahezu 230 km/h Sitze ab. Der Durchschnittsverbrauch ist mit 11 bis 13 Litern allemal noch annehmbar.

Begehrte Sammlermodelle

Heute sind die Lancia Delta Integrale 16V der letzten Serie begehrte Sammlermodelle - zumindest wenn sie sich in einem unverbastelten Zustand befinden. Hierfür werden zwischen 15.000 und 40.000 Euro geboten. Besonders luxuriöse Modelle sind mit Alcantara-Sitzen, Klimaanlage und Schiebedach ausgestattet. Renntaugliche Modelle verzichten um Gewicht zu sparen auf den raren Komfort und überflüssige Verkleidungen an Türen und Dachhimmel. Allen Modellen gemein ist das unsehnliche Innere mit billigen Plastikschalter, Lenkstockhebeln und einer nahezu unüberschaubaren Batterie an Analoguhren. Auch hier wird der neue Delta Neuland betreten - zum Glück.

Stefan Grundhoff

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.