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Maserati Spyder GranSport: Auferstehung

Die honorige Fangemeinde meuterte - und Maserati gehorchte. Kurzerhand wurde dem eben erst entschlafenen Spyder neues Leben eingehaucht. Dabei präsentiert sich der neue Alte als GranSport sportlicher und kompromissloser denn je.

Es war eine mutige Entscheidung von Maserati, den erfolgreichen Spyder im vergangenen Sommer vom Markt zu nehmen. Schließlich konnte man die kaufkräftige Kundschaft noch mit keinem Nachfolgemodell beruhigen - der soll frühestens zur IAA 2007 kommen. Was blieb war die unbefriedigte Nachfrage nach einem offenen Zweisitzer des italienischen Nobelherstellers. So haben die Norditaliener aus der Not eine Tugend gemacht und den Sportroadster noch einmal neu aufgelegt.

Optisch wurde dabei kaum etwas verändert. Ein neuer Frontspoiler, die vom Coupé bekannten Seitenschweller und knackige 19-Zöller heben ihn nur marginal vom Vorgängermodell ab. Der war mit seinem donnernden Achtzylinder und 390 PS bereits als Vollblutsportler bekannt. Der neue hat zehn Pferdestärken mehr unter der Haube und einen so wummernden Achtzylindersound, dass es einem die Nackenhaare aufstellt.

Der Maserati Gransport Spyder ist wie gehabt nichts für Weichlinge, nichts für den gediegen graumelierten Herrn, der am Wochenende flott cruisen und dabei Eindruck schinden möchte. Dabei hat der zweisitzige Roadster nun wirklich kein Problem, für Aufsehen zu sorgen. Wer in langsamer Fahrt in einer Tempo-30-Zone unterwegs ist, wird es schnell spüren. Liegt es am Auto oder daran, dass man sich trotz 400 Pferdchen im Vorderwagen an das strenge Tempolimit hält? Wohl eine Mischung aus beidem.

Jedes Kind kennt die Marke Maserati und weiß, dass die Geschosse aus Modena mächtig Power unter der Haube haben. So ist auch der neue Gransport Spyder kaum zu bändigen. Geschaltet wird über das sequentielle Schaltgetriebe Cambiocorsa. Das Getriebe selbst liegt direkt vor der Hinterachse. Das sorgt für eine bessere Gewichtsverteilung. Schließlich ist der vorne verstaute 4,2 Liter große Achtzylinder kein Leichtgewicht. Das aus dem Rennsport entliehene Getriebe erledigt die Gangwechsel nun deutlich schneller als zuvor - aber im Normal- oder Automatikmodus kann die Technik aus dem Hause Ferrari nicht erfreuen. Erst im Sportmodus zeigt der Achtzylinder erfolgreich, wo es langgeht und die Zugkraftunterbrechungen sind auf ein erträgliches Maß heruntergebrochen.

Das Herunterschalten mit dem betont bulligen Zwischengas zaubert Pilot und Passanten jedes Mal ein seliges Lächeln ins Gesicht. So richtig Spaß macht Cambiocorca jedoch erst auf der Rennstrecke. Schalten über die Lenkradpaddel unter Volllast bei knapp 7.800 Touren und dazu nun auch noch der Wind im Haar. Schnell und schön. Erst bei Tempo 285 findet der Tatendrang des 4,30 Meter langen Maserati und der und 452 Nm Drehmoment ein Ende. 0 auf 100 in 4,9 Sekunden – gefühlt vergeht kaum mehr als ein Wimpernschlag.

Das Fahrverhalten des 1,7 Tonnen schweren Hecktrieblers ist kompromisslos sportlich. Das Skyhook-Fahrwerk liebt Rennstrecken und schnelle Landstraßen. Der Maserati Spyder ist knackig und wirkt durch den gegenüber dem Coupe um 22 Zentimeter verkürzten Radstand besonders hungrig. Die steife Karosserie gibt einen unruhigen Straßenbelag spürbar an den Fahrer weiter und der Pilot sollte das bisweilen bebende Steuer mit beiden Händen fest im Griff haben.

Den Sportmodus gewählt - und in engen Kurven kommt das knackige Hinterteil schnell, lässt sich jedoch problemlos wieder einfangen. ESP regelt sportlich spät und vehement. Der Spyder will auch als tiefer gelegter Gransport von geübter Hand bewegt werden. Doch ein Einstiegspreis von 109.900 Euro, entsprechende Versicherungsklassen und ein realer Verbrauch in der 20-Plus-Liga halten die Klientel in einem überschaubaren Rahmen. Wer Interesse hat, sollte übrigens schnell zugreifen. Der deutsche Markt bekommt gerade mal 80 Fahrzeuge. Und die sollten erfahrungsgemäß schnell ausverkauft sein.

Echte Maserati-Fans dürften sich kaum an den kleinen Unzulänglichkeiten stören, die der Gransport in sich trägt. Die Sitzposition für größere Fahrer ist nicht optimal und besonders das Steuer lässt sich nur unzureichend verstellen. Blinkerhebel, Instrumente und die Bedienelemente in der Mittelkonsole scheinen einem Fiat Punto aus dem Jahre 1993 entnommen. Doch dessen Interieur war wohl kaum wie hier in edelstes Leder gehüllt. Bei alledem fehlen dem Maserati Gransport Spyder zu vergleichbaren Fahrzeugen von Mercedes, Porsche oder BMW immer noch zwei Klassen. Doch die haben eines eben nicht: Den Dreizack auf der Haube.

Pressinform / PRESSINFORM
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