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Mazda BT 50: The Taliban Car

Diesen Wagen kriegt man nie kaputt. Dellen beim Einparken, tausend Kilometer Felswüste oder 600 Kilogramm zuviel Gewicht - der BT 50 hält durch. Also genau das Richtige für den Möchtegern-Abenteurer in der Großstadt.

Von Gernot Kramper

Fortschritt ist Bullshit, im Auto zählt Bewährtes. Moderne Schicki-SUVs bleiben wegen der Elektronik liegen, den Motor kann man nur mit dem Computer reparieren, rempelt man mal eine Mauer an, ist gleich der ganze Vorbau verzogen. Taugen tut das alles nichts. Wer so denkt, sollte sich Mazdas Pick Up ansehen. Beim BT 50 ist das Wort "robust" noch eine leichte Untertreibung. Bessere Federung? Diese Forderung wird vom Mazda-Team nicht mit komplizierten Mehrlenker-Konstruktionen beantwortet, sondern mit "längere Blattfedern" übersetzt. Die Stoßstangen sind grundehrlich aus Metall gefaltet, leicht schlägt man sich das Schienbein auf, dafür platzt kein Lack ab, wenn man das Schwellenschwein touchiert. Bei einem Blick unter den Wagen lacht das Herz des Nostalgikers, meterlange Blattfedern und Rahmenstreben, die an Eisenbahnschienen erinnern. Die Bodenfreiheit erlaubt es locker, unter dem Wagen durchzurobben. Wer allerdings seine Transportbedürfnisse ehrlicherweise auch mit einem Golf Kombi abdecken könnte, für den wurde der BT 50 nicht gemacht. Den normalen Fahrer konfrontiert der BT 50 leider auch mit zahlreichen Unarten (Fahrwerk, lauter Motor, kein ESP und nicht zuletzt der Preis).

Anders als die anderen

Was kann dieser raue Pick Up also? Alles, was echte Männer schätzen! Seine Ladefläche ist nicht der richtige Ort, um ein Prada-Täschen zu transportieren, aber zwei Staffordshire fühlen sich dort wohl. Die Fahrt zum Sperrmüll, der Besuch im Baustoffhandel, alles kein Problem. Allrad ist selbstverständlich - natürlich "The Old Fashioned Way", manuell zuschaltbar und mit Untersetzung. Nicht so komfortabel wie die X-Drive-Methode aber praktisch nicht kaputtzukriegen. Die beste Referenz für den grundsoliden Charakter dieses Wagens sind die Aufständischen dieser Welt. Treue Kunden, ob in Afghanistan oder Somalia. Dort ist entweder der Toyota HiAce oder der BT 50 das Modell der Wahl. Nicht jeder will einen Trupp Milizionäre mit Raketenwerfer transportieren, trotzdem kann man etwas vom Fahrzeugkonzept haben. Etwa, wenn man einen Geländegänger für Feld und Pferd sucht, der auch ohne übertriebene Pflege jahrelang durchhält. Auch für Gebrauchtwagenkäufer sind solche Arbeitspferde eine gute Wahl.

Nicht verzärtelt

Fahrleistungen und Dieseltriebwerk wurden ebenfalls für harte Arbeit optimiert. Der Common-Rail-Turbodiesel ist rau und laut, packt aber gewaltig zu. Aus 2,5 Litern schöpft er 143 PS mit 330 Nm Drehmoment. Auch überladen und mit Last am Haken geht der BT 50 nicht in die Knie. Ohne Ladung mobilisiert der Motor fast zu viel der Kräfte. Pkw-ähnliche Fahrerlebnisse sollte niemand erwarten. Bei zurückhaltender und gemäßigter Fahrweise ist der Komfort zu ertragen, die dicken Pneus walzen einfach über alles hinweg. Rasante Manöver mag der BT 50 allerdings nicht, dann schaukelt er sich schnell auf und in der Kurve ist es ein leichtes, das Heck zum Ausscheren zu motivieren. Das führt zu einem gewissen "Yippeehee-Feeling", ist aber brandgefährlich. Dafür dürfen es bis zu 1225 Kilo Zuladung sein. Mit 3000 Kilo Anhängelast, den zuschaltbaren Allradantrieb, Geländeuntersetzung und Sperrdifferenzial hinten sollte man auch eine Algaven-Plantage in Mexiko bewirtschaften können.

Gewöhnungsbedürftig, aber praktisch

Der Innenraum ist gut verarbeitet und überzeugt mit passenden, nämlich soliden Materialien. Es sieht nicht aus wie in einem Militärfahrzeug, eine mobile Wellnessoase sollte man umgekehrt auch nicht erwarten. Die große Kabine, genant XL-Cab, bietet eine zweite Rückbank. Für tagelange Touren sind die Sitze hinten allerdings ungeeignet. Im automobilen Alltag kann man sich schnell an den rauen Gesellen gewöhnen. Der Fahrer hat viel Platz um sich herum, die hohe Sitzposition und die steile Scheiben führen zu einer guten Übersicht, man thront über dem Verkehr, anstatt in ihm festzustecken. Einparken sollte man können, zumal schon die schiere Größe des Trumms (5,08 Meter) gerade eben auf dem Normfläche Platz findet.

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Außerdem kann der BT 50 in einen idealen Reisewagen vewandelt werden. Für die großen Pickups gibt es praktische Wohnkabinen. Dann wird ein Art von Mini-Wohnwagen hinten auf der Ladefläche montiert. So gerüstet, kann man nach Wladiwostok durchstarten. Auch wenn Bandscheiben leiden, sicher ist: Der BT 50 wird nicht liegen bleiben.

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