HOME

Mercedes-Benz B-Klasse: Ein Herz für Senioren

Die neue B-Klasse ist der Golf von Mercedes: Bloß nicht auffallen und bloß nicht die ältere Kundschaft verschrecken. Mit seinem edlen Innenraum ist das neue Modell immerhin ein echter Mercedes geworden.

Jung, urban und flexibel. So oder so ähnlich werden die meisten Wagen beworben, obwohl die Neuwagenkäufer fast immer die Dreißiger weit hinter sich gelassen haben. Die B-Klasse ist da ehrlicher. Schon die Innenausstattungen tragen Bezeichnungen wie Domburg, Den Helder oder Venlo. Diese Nomenklatur lässt vermuten, dass das die Käuferschicht der Mercedes B-Klasse nicht vom Abenteuerurlaub Down Under träumt. Der Kunde der aktuellen B-Klasse ist durchschnittlich 58 Jahre alt.

Die B-Klasse - gefällig, unspektakulär und geräumig - soll Kunden abholen, die bisher A- oder B-Klasse fuhren – und bestenfalls noch bei Fahrern von VW Touran, Ford C-Max oder Opel Meriva wildern. Die Hochdacharchitektur ist verschwunden, das Gesamtdesign stromlinienförmiger und gefälliger. Ein Hingucker sieht anders aus, doch die 4,36 Meter lange B-Klasse ist der Golf im Hause Mercedes. Bloß nicht auffallen und bloß keine Experimente.

Weg mit dem doppelten Boden

Die Mercedes B-Klasse wurde komplett neu entwickelt. Kein doppelter Sandwichboden mehr. Bisher sorgte er für einen hohen Schwerpunkt und ein schwieriges Fahrverhalten. In der B-Klasse saß man zudem hoch, aber nie bequem. Stattdessen gibt es im Fond nun ein Sandwichmodul, das für Fahrzeuge mit alternativen Antriebskonzepten gedacht ist und bei Bedarf genutzt werden kann.

Das Platzangebot ist dabei nicht nur Dank des 2,70 Meter langen Radstandes und der weit öffnenden Türen eine Klasse für sich. Vorne geht es bequem zu und auch hinten bringt die Beinfreiheit nicht nur Kinder zum Strahlen. Die Rückbank lässt sich teilen und umklappen. Wieso ein umklappbarer Beifahrersitz und eine um 14 Zentimeter verschiebbare Rückbank bei einem solchen Fahrzeug nur als 672 Euro teure Option angeboten werden, bleibt ein Daimler-Geheimnis.

Verkehrssünder benutzen verbotenerweise den Standstreifen.

Innenraum auf Mercedesniveau

Überhaupt ist der Innenraum die wichtigste Veränderung der B-Klasse. Anzeigen und Bedienelemente sehen nicht nur gut aus – sie fassen sich auch so an. Das war nicht immer so. Die Innenausstattung der ersten Baureihe war bestenfalls akzeptabel – für einen Mercedesfahrer aber immer eine Enttäuschung. Auf Wunsch gibt es nun sogar ein beledertes Armaturenbrett und die große Designfläche im Armaturenbrett aus offenporigem Holz. Die großen Lüftungsdüsen bringen zusammen mit der indirekten Innenraumbeleuchtung Oberklassecharme in die B-Klasse. Der Laderaum des Mercedes B 180 fasst je nach Position der Rückbank zwischen 486 und 688 Liter. Bei umgeklappter Rückbank entsteht ein Ladevolumen von bis zu 1545 Litern.

Verbessertes Fahrverhalten

Dass die Mercedes B-Klasse ein komplett neu entwickeltes Fahrzeug ist, kann man nicht nur sehen, sondern auch spüren. Der niedrigere Schwerpunkt und das neue Fahrwerk machen das B-Modell keinesfalls zu einer bissigen Fahrmaschine, aber allemal zu einem kompakten Van, mit dem man auch auf kurvenreichen Straßen oder Autobahnen seinen Spaß haben kann. Ob man sich für dieses Auto das optionale Sportpaket gönnen sollte, darf bezweifelt werden.

Einstiegsmotor reicht

Bei den Motorisierungen gibt es zunächst zwei Benziner und zwei Diesel. Bereits die Basismotorisierung dürfte für viele Kunden ausreichen. Der B 180 wird von einem 1,6 Liter großen Reihenvierzylinder mit Turboaufladung angetrieben, der 122 PS leistet. Das maximale Drehmoment von 200 Nm steht bereits ab 1.250 U/min zur Verfügung. Damit lässt es sich ausreichend kraftvoll nach vorne kommen. Mit dem optionalen Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (2.165 Euro Aufpreis) schafft der 1,4 Tonnen schwere Fronttriebler den Spurt 0 auf Tempo 100 in beachtlichen 10,2 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h erreicht der Familien-Stern jedoch nur mit Mühe. Wer viel und schnell auf der Autobahn unterwegs sein will, ist mit dem B 200 deutlich besser bedient. Sein 156 PS starker 1,6-Liter-Motor schafft 220 km/h Spitze. Beim Verbrauch liegen beide Triebwerke mit rund sechs Litern auf 100 Kilometern nahezu gleichauf.

Neben der Praktikabilität will die B-Klasse mit einem kompletten Sicherheitspaket punkten. So gibt es mindestens sieben Airbags, ESP, ABS, Reifendruckkontrolle, Müdigkeitswarner und ein Auffahrwarnsystem, das den Zusammenstoß vermindert oder sogar verhindert. "Sobald der Fahrer bremst und das System erkennt, dass der Bremsdruck nicht ausreicht, greift der Collision Prevention Assist ein", erklärt Natanael Sijanta, "hierdurch können bis zu 25 Prozent aller Auffahrunfälle vermieden werden."

Die Preise der neuen B-Klasse sind nahezu unverändert geblieben. Der Mercedes-Zuschlag gegenüber der Konkurrenz beträgt etwa 2000 Euro. Das schwach ausgestattete Basismodell B 180 kostet 26.000 Euro. Der B 200 knapp 2000 Euro mehr. Die beiden Dieselversionen B 180 CDI und B 200 CDI starten bei 27.600 bzw. 29.800 Euro. Weitere Motorisierungen und ein Allradantrieb werden folgen.

Stefan Grundhoff/Press-Inform
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity