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Raumwunder Mini-Van: Verwandlungskünstler für Kind und Kegel

Ein paar Jahre lang stach der Geländelook der SUVs die patenten Familienwagen aus. Jetzt sind die Mini-Vans wieder da und sie sind attraktiver als je zuvor.

Von Gernot Kramper

Ganz praktisch, aber ohne jeden Sexappeal - jahrelang fuhren Familienvans gegen dieses Image vergeblich an. Vor allem die SUV-Konkurrenz raubte den in die Jahre gekommenen Kind-und-Kegel-Transportern massiv Marktanteile. Doch die neue Generation von Vans hat optisch und auch sonst gelernt und wird dafür vom Käufer belohnt: Großraum-Vans konnten im September 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 44,5 Prozent zulegen, kleine Vans um 30 Prozent. Neue Modelle wie der Sharan von Volkswagen, die B-Klasse von Mercedes und der Opel Zafira locken die Käufer mit großzügigen Innenräumen und attraktiven Design - außerdem fahren sich Vans inzwischen fast so gut wie eine Limousine.

Vans in drei Größen

Van ist aber nicht gleich Van. Ursprünglich gab es nur wirklich große Familienkutschen: den Renault Espace und den Chryslers Grand Voyager zum Beispiel. Zu dieser Klasse zählen auch VW Sharan und Ford Galaxy. Sie bieten meist drei Sitzreihen und Platz für sieben bis acht Insassen. Auch in diesen Raumriesen eignet sich die letzte Reihe eher für Kinder und Jugendliche, Platzverhältnisse wie in einem Minibus gibt es hinten nicht. Sollte die letzte Sitzreihe nicht benötigt werden, steht in ein wirklich großer Kofferraum zur Verfügung. Beim Lancia Voyager kann er bei umgeklappten Rücksitzen auf maximal 3912 Liter vergrößert werden.

In der Größe darunter liegen Vans wie der VW Touran oder der Opel Zafira. Sie stammen technisch von Fahrzeugen der Kompaktklasse ab. Auf Wunsch gibt es meist eine dritte Sitzreihe. Sie eignet sich für Kinder und ist nur mit Verrenkungen zu erreichen. Voll besetzt mit sieben Personen schrumpft der Kofferraum auf ein Handtaschenabteil. Maximal stehen im Touran fast 2000 Liter Kofferraum zur Verfügung – das ist viel, aber nur die Hälfte von dem Volumen des Voyagers. Der Abstand zu den ganz Großen ist also gewaltig, dafür sind die Kompaktvans deutlich kürzer und handlicher.

Und es geht noch kleiner. Vans wie der Meriva bauen auf den Fahrzeugen des sogenannten B-Segments auf, das entspricht der Größe eines Polos oder Corsa. Aus einer Länge von nur etwas mehr als vier Metern zaubern sie einen stattlichen Innenraum. Die größere Höhe der Vans und die steilen Seitenflanken produzieren eine große Box im Innenraum. Die erhöhte und aufrechte Sitzposition spart Grundfläche, ohne unbequem zu wirken. Die Ladekapazität liegt beim Meriva bei 400 Liter, mit umgeklappter Rücksitzbank werden es bis zu 1500 Liter – wieder 500 Liter weniger als im größeren Touran. Eine dritte Sitzreihe gibt es in dieser Größeklasse nicht mehr. Interessant sind die kleinen Raumwunder auch für diejenigen, die keine Kinder haben, aber einen Wagen suchen, mit dem sich auch mal etwas Größeres transportieren lässt.

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Flexibilität ist Trumpf

Bei einem Van ist nicht nur der Kofferraum opulent. Um Schultern und Kopf herum sind diese Fahrzeuge großzügiger als Limousinen, sie haben größere Fensterflächen und bieten eine bessere Rundumsicht. Besonders beliebt sind Panoramadächer, weil sie das Raumgefühl noch luftiger machen. Limousine und Kombis orientieren sich zuerst an den Bedürfnissen des Fahrers. Die Ausstattung eines Vans richtet sich nach den Bedürfnissen der ganzen Familie. Unendliche Mengen an Staufächern gehören zum Pflichtprogramm. Zusätzlich lässt sich der Innenraum immer flexibel gestalten. In einem Van lassen sich zweite und - wenn vorhanden - dritte Reihe einfach zusammenklappen und im Boden versenken. In Luxusvans geht das sogar elektrisch per Knopfdruck. Wenn sich die drei Sitze der Rückbank auch einzeln zusammenfalten lassen, ist das Fahrzeug für verschiedenste Aufgaben gerüstet. Wer viel transportieren möchte, sollte auf eine verschiebbare Rückbank und einen umlegbaren Beifahrersitz achten.

Die meisten Vans bieten für die zweite Reihe normale Türen an. Aufwändiger aber besser sind Schiebetüren. Der Opel Meriva setzt als einziges Modell auf hinten angeschlagene Türen, die vorn aufklappen. Auch damit können Eltern leichter den Nachwuchs auf den Rücksitzen verstauen.

Ein Van ist trotz des großen Raums kein Transporter: Die zusammengeklappten Sitze bleiben immer auf dem Fahrzeugboden zurück und kosten Ladehöhe. Sie lassen sich auch nicht aus dem Wagen entfernen. Wer häufig schweres oder schmutziges Ladegut transportiert, ist mit der Familienversion einer Lieferwagens besser bedient. Wenn mehr als fünf Personen mit Gepäck auf die Reise gehen sollen, ist ein Bus wie der VW Mulitvan oder der Mercedes Viano die bessere Wahl - sie sind aber auch deutlich teurer.

Fahrzeuge zu bezahlbaren Preisen

Die Preise der kleinen Vans beginnen schon bei etwa 15.000 Euro. Für einen VW Sharan mit guter Ausstattung kann man dagegen auch schnell 45.000 Euro ausgeben. Das hört sich stattlich an, doch insgesamt sind die Preise in der ganzen Gruppe bodenständig geblieben.

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