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Mercedes G-Klasse: Heavy Metal

Der eine leistet 544 PS, der andere 612: Die neue G-Klasse strotzt nur so vor Kraft. Warum die Welt zwei überpotente Geländewagen von Mercedes dringend braucht.

Eine Glosse von Harald Kaiser

Welch ein Glück, dass der Wagen die ECO Start-Stopp-Taste hat. Sonst könnte sich den neuen Mercedes G 63 AMG noch nicht einmal ein Scheich mit langsam versiegender Ölquelle leisten. Ohne diese Technik wäre der Wagen ein Trinker vor dem Herrn und würde wahrscheinlich an die 25 Liter auf 100 Kilometer süffeln. So aber nur 13,8 Liter Super. Mithin also das ideale Dienstfahrzeug für Grünen-Politiker, die gelegentlich zu Anti-Atomkraft-Demos über Stock und Stein nach Jottwede rumpeln müssen und sicher gehen wollen, dass sie auch ankommen. Einfach den Ultra-Geländekriechgang reinknüppeln und schon schlägt sich der Geländemeister dank V8-Biturbomotor, 5,5 Litern Hubraum und 544 PS unaufhaltsam durchs Dickicht.

Die Wucht stimmt

Sein Normverbrauch ist eine Sensation, die auch die Umweltwächter der Deutschen Umwelthilfe jubilieren lassen dürfte. Ermittelt wurde dieser Wert im Prüfstand-Folterkeller für Motoren bei Höchstdrehzahl und Vollgas. Deshalb ist er auch glaubwürdig und in der Praxis ohne weiteres erzielbar. Zum Beispiel, wenn man damit samstagmorgens kurz zum Bäcker brummen will. Auch wenn für den Kurztrip höchstens zwei Zylinder von den acht zu Diensten sein müssten, die sechs anderen süffeln kräftig mit. Auf dem Weg dorthin macht sich die Durchzugskraft bezahlt, die von Technikern Newtonmeter genannt wird. Weil sich darunter niemand etwas vorstellen kann, hier eine verständliche Erläuterung: Gemeint ist damit die Wucht, die beim Beschleunigen aus niedrigen Drehzahlen zu spüren ist. Stellen Sie sich einfach einen tonnenschweren Elefanten vor, der aus dem Stand zum Sprint aufs nächste Buschklo ansetzt. In etwa so geht es zur Sache, wenn man die 544 PS mit einem Vollgastritt reizt.

Ein T-Rex der Motorentechnik

Es geht sogar noch einen Tick wuchtiger. Gewissermaßen der T-Rex der G-Baureihe ist das Monster mit dem Kürzel G 65 AMG. Die wichtigsten technischen Daten: V12-Biturbomotor mit sechs Litern Hubraum und 612 PS. Braucht keiner? Stimmt. Umweltsau? Wohl auch. Energieverschwender? Mit 17 Litern in der Theorie und an die 30 Liter in der Praxis ganz bestimmt. Aber wen interessiert das? Nur die, die über die zu hohen Spritpreise klagen.

Von jeher sind G-Modelle kantige Klötze, die den Fahrtwind aufprallen lassen, statt ihn elegant am Blechkörper vorbeizuleiten. Das ist seit 33 Jahren so. Ob Kühler oder Passagierkabine, alles steht aufrecht. Diese Reinheit des rechten Winkels gehört zum Charakter der Modellreihe wie die nie leer werdenden Geldspeicher zum Kundenkreis der AMG-Typen aus dem Morgenland oder Fernost. Kleine Rechnung: Beim 63er-Modell kostet ein PS 252,7 Euro oder zusammen 137.504 Euro. Beim Macho der G-Brüder verdoppelt sich der Preis beinahe mit 431,6 Euro pro Pferdestärke. Macht 264.180 Euro für das ganze Auto. Super, dass es serienmäßig einen elektronischen Superschlauberger gibt. Er heißt COMAND und umfasst einen DVD-Wechsler, einen Internetzugang, eine Bluetooth-Schnittstelle, ein Navigationsgerät mit speziellen Offroad-Funktionen und die Sprachsteuerung Linguatronic. Die ist zweifellos das wichtigste Detail. Denn sie muss den ultimativen Befehl in Fahrt bringen: "Bring’ mich zu meiner Ölquelle!"

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