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Nissan Pathfinder: Pimp up my Papa

Kernig, kantig und gewaltig: Nissans Pathfinder ist der SUV für die sportliche Familie. Neben guten Geländefähigkeiten bietet der Allrounder sehr viel Platz und das Image von Freizeit und Abenteuer.

Von Gernot Kramper

Amerikanischer geht es kaum, eine Haube, die sich wie Moby Dick Wellen und Gezeiten entgegenstemmt. Gerade Flächen, getönte Scheiben, satte Trittleisten: Einen SUV mit mächtigerem Auftritt bietet derzeit kaum jemand an. Und das Beste dabei, der Wagen ist nicht für Sahara-Desperados oder FBI-Agenten gebaut, sondern für Typen wie "Dich und mich", nämlich für den geplagten Familienpapa, der eine regelmäßige Egospritze gut vertragen kann.

Eine Geländemonster als Familienwagen, was sagen Sie dazu?

Nissan schätzt das Herumgedruckse nicht, frech wird verkündet, was andere Hersteller von SUVs/Geländewagen lieber im Unbestimmten lassen. Beim Pathfinder spricht der klassische Hersteller ebenso klassischer Geländewagen, die schnöde Wahrheit aus: Beim Pathfinder handele sich um ein Freizeit orientiertes Familienfahrzeug und nicht um einen Amazonasbezwinger, den nur ein ungünstiges Geschick auf eine Einfahrt in Wanne-Eickel verbannt hat.

Platz wie im Wohnwagen

Für die Familientauglichkeit bringt der Pathfinder zunächst einmal viel Innenraum mit. Ein Schwung auf die seitlichen Trittleisten befördert den Fahrer auf den Pilotensitz. Dort blickt man über die Hochebene der Motorhaube auf die Welt hinab. Lenkrad und Instrumente passen wie angegossen. Hübsches Detail ist der schlüssellose Zugriff. Man muss den Wagenschlüssel nur bei sich tragen, schon entriegeln sich die Türen von allein und der Wagen kann per Drehschalter gestartet werden.

Konnten Nissan-Modelle bislang nicht immer mit dem im Innenraum verwandten Kunststoff überzeugen, so hat sich der Pathfinder in eine andere Klasse aufgeschwungen. Das Material ist fest und griffig, macht dabei den gewünschten soliden Eindruck. Optisch geht es im Innenraum nützlich und übersichtlich zu entsprechend dem SUV-Image.

Variationskünstler

Geschmacksverirrungen finden sich zum Glück nicht. Die Sitzposition fühlt sich angenehm an, die Sitze sind fest und dabei gerade geformt. Den Seitenhalt von Sportsitzen benötigt im Pathfinder ohnehin niemand. Wählt man die Premium-Ausführung erfreut das Leder, es wirkt natürlich und strapazierfähig. Nicht nur auf den vorderen Plätzen sitzt man mehr als gut, die Verhältnisse auf der Rückbank sind ebenfalls tadellos. Ab der zweiten Ausstattungslinie "Elegance" wird der Pathfinder als Siebensitzer mit versenkbarer dritter Reihe angeboten. Aufrichten und Verschwindenlassen der letzten Reihe funktioniert einfach und problemlos. Der Zugang zu den hinteren Sitzen ist gut gelöst, verlang aber doch einige Gelenkigkeit, dafür sind die Platzverhältnisse für eine dritte Reihe gut.

Insgesamt 64 verschiedene Möglichkeiten von Umklappen einzelner Sitze hat Nissan errechnet. Dieser Wagen ist also sehr flexibel, insbesondere, da sich der vordere Beifahrersitz serienmäßig umlegen lässt. Ein schlaues Detail: An der Rückfront der Sitze sind umklappbare Platten angebracht, sie decken alle Spalte zwischen den Sitzen ab. Die nun durchgängig glatte - nicht ebene - Fläche macht das Beladen einfacher und verhindert Beschädigungen durch verhaktes Ladegut. Reisegepäck fasst der Pathfinder noch bei sechs Passagieren, bei sieben Personen und besetzter dritter Reihe findet nur noch leichtes Gepäck Platz. Der Norminhalt des Koffersaums schrumpft dann auf 190 Liter, Hochstapler bringen entsprechend mehr unter. Eine maximale Dachlast von 100 kg läßt an einen Dachgepäckträger denken. Praktisch beim Beladen in Parkplatzen ist die Möglichkeit, anstatt der Heckklappe nur das Heckfenster zu öffnen.

Rauer Geselle

Innen sitzt man äußerst komfortabel, aber man fährt sehr rustikal durch die Lande. Der 2,5-Liter Motor liefert 174 PS bei einem maximalen Drehmoment von 403 Nm, damit wird das Ungetüm mit einem Gewicht von über 2,2 Tonnen ausreichend bewegt. Von Laufruhe und Flüsterdiesel kann man aber nur träumen, unter dieser Haube wird nicht gezärtelt, das Triebwerk heult und jault, dass es eine Freude ist. Geht es steil bergan, ist man versucht, die Fenster zu schließen, um den Radau draußen zu halten. Mit der optionalen Fünfgang-Automatik fährt es sich bequem, aber Fahrspaß im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Bei 175 km/h wird die Höchstgeschwindigkeit erreicht. In Kurven signalisiert der Hochbeiner unmissverständlich, dass man es mit der Geschwindigkeit nicht übertreiben solle. Euro 3 und kein Partikelfilter runden das Bild ab. Das Zusammenspiel von Fahrwerk und Antrieb erreicht insgesamt nicht das Niveau des Discoverys oder des neuen Cherokees. Beide Fahrzeuge sind auch kein echter Vergleich, weil deutlich teuerer. Wer mit zurückhaltenden Geschwindigkeiten leben kann, kommt dagegen mit dem Pathfinder zurecht. Im Alltag können Ruhen und Wucht des Kolosses den Fahrer durchaus zufrieden stellen. Ein Verbrauch von neun bis elf Litern Diesel im Alltag ist für ein Fahrzeug dieser Dimension ein sehr guter Wert. Mit dem nötigen Respekt lässt sich der große Nissan recht gut manövrieren. Er wirkt noch größer, als er wirklich ist, so dass man immer die nötigen zehn Zentimeter Abstand zwischen Beton und Blech hat. Optional Paket liefert Nissan eine rückwärtige Kamera mit, sie erleichtert das Rangieren beträchtlich.

Keine Angst vor offenem Gelände

Für einen Familien-SUV bringt der Pathfinder standartmäßig eine Menge Geländefähigkeit mit. Das normale Fahrprogramm liegt bei einem automatischen Allradantrieb - sprich Antrieb über die Hinterachse bei automatischer Zuschaltung der Vorderräder. Gewählt werden kann auch ein permanenter Allradantrieb oder ein reiner Hinterradantrieb. Obendrein gibt es eine Geländereduktion. Mit einer Bodenfreiheit von 254 Millimetern ist man für schweres Terrain, üble Pistenverhältnisse und ausgewaschene Schotterbetten bestens gerüstet. Stoisch zieht der Pathfinder hier seine Bahn. Seine Grenzen im Gebirgsalltag liegen in der Größe und dem Gewicht.

In Kombination mit dem klassischen Leiterrahmenchassis schält sich die zweite Haupteigenschaft des Wagens heraus: Der Pathfinder wurde als klassisches Arbeits- und Zugtier konzipiert, er kann bis zu 3000 kg (gebremst) an den Haken nehmen. Das sollte Wurstelbudenbesitzer und Bootseigner gleichermaßen zufrieden stellen.

Der Pathfinder wird in drei Ausstattungslinien plus einigen Extras angeboten. Für 34.400 Euro gibt es nur fünf Sitze ("Comfort"), die dritte Reihe ist erst ab "Elegance" für 37.900 Euro dabei, die Top-Version "Premium" kommt auf 41.900 Euro. Auf den ersten Blick sind das keine Schnäppchenpreise, doch der Hersteller geizt nicht mit den Zutaten aus der Ausstattungstruhe. Hinzu kommt, dass Nissan seine Modelle gern und regelmäßig mit attraktiven Ausstattungspaketen in den Verkauf bringt. Gut möglich, dass die Einpreisung des Listenpreises nur wenig über die tatsächlichen Verkaufspreise aussagt.

Viel Raum und viel Ego

Wer einen Wagen für die Familie sucht, das Bieder-Papa-Image der klassischen Pampers-Bomber scheut, wird mit dem Pathfinder prächtig bedient. Endlich ist es eine Freude, als Familienmensch erkannt zu werden. Mit dem Wuchtgeschoß unter dem Hintern, denkt niemand mehr an "Couch-Potato", sondern der Ruch von Freizeit und Abenteuer umweht den Herrn Papa am Pathfinder-Lenker. Über alle Preisstufen kann man von einer vergleichsweise günstigen Preisgestaltung sprechen. Das gilt auch über die Klassengrenzen hinweg, wenn man den Referenzrahmen nicht bei der kleineren Zafira-Klasse sondern im Sharan-Umfeld sucht. Zieht man auch einen Kombi oder Mini-Van in Betracht, muss man dem Pathfinder begrenzte Fahrleistungen auf der Straße attestieren. Wer aber aktive Freizeit nicht nur aus dem Katalog kennt, sondern entsprechendes Gerät mit auf die Reise nehmen will, wird bestens bedient. Natürlich bleibt ein SUV letzten Endes eine Entscheidung der Unvernunft, aber warum sollten gerade Familien sich nicht auch einmal etwas Unvernünftiges gönnen?

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.