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VW ID. Buggy: Oben ohne wie im Meyers Manx

Volkswagen lässt seine Fans träumen - insbesondere in den USA. Die Studie des ID. Buggy soll die elektrische ID. Familie emotionalisieren - und vielleicht sogar mehr als das. Eine erste Ausfahrt weckt Erinnerungen und Hoffnungen zugleich.

VW ID. Buggy

VW ID. Buggy

Morgens um kurz vor 8 Uhr mit einem offenen Buggy entlang am eiskalten Pazifik hat es bereits in den späten 60er Jahren gegeben - für die ganz harten Beachboys. Doch während die alten Meyers Manx Buggies mit ihren Käfermotoren munter vor sich knatterten, ist Dank Elektroantrieb heute früh kaum mehr als die rauschende Brandung zu vernehmen. Der ID. Buggy ist zumindest als Einzelstück elektrische Realität geworden und Volkswagen will den offenen Spaßmacher tatsächlich in Serie bringen. Wie sich das ganze rechnen soll, interessiert gerade niemanden, denn der ID. Buggy macht trotz des nassen Frühwetters und tief hängender Wolken jede Menge Laune.

Elektro-Studie: VW ID. Buggy - die wilden 70er kommen wieder
VW ID. Buggy

VW ID. Buggy

Wer 50 Jahre nach den wilden Spätsechzigern mit einem Meyers Manx Buggy durch Kalifornien knattert, bekommt an jeder zweiten Straßenecke den hoch gereckten Daumen zu sehen. Das ist rund um Monterey und die Luxusenklave von Pebble Beach nicht anders. Eine offene Buggy-Karosse, zwei Sitze, ein winziger Digitaltacho und zwei Bediensatelliten für Blinker sowie Gangwahl - mehr braucht es im eigentlichen Sonnenparadies nicht zum automobilen Glücklichsein. Der grauhaarige US-Senior mit seinem strahlend weißen Bürzel-Elfer glotzt sich nach dem grünen Oben-Ohne-Hüpfer die noch müden Augen aus. Natürlich kommt der obligatorische Daumen nach oben - I like! - und weiter geht es in seinem 911 RS.

Volkswagen hat in den letzten zwei Jahren eine Reihe von Elektrostudien gezeigt, ihnen den gemeinsamen Produktnamen ID. verpasst und einem zu versichern versucht, dass es außer Elektroautos kaum noch einen anderen VW gäbe. Die Realität sieht bei den mehr als zehn Millionen Zulassungen pro Jahr anders aus - mehr als einige Handvoll Elektroautos sind bisher nicht verkauft worden, doch ab Anfang 2020 soll sich das Blatt mit dem Erstlingswerk ID. 3 wenden. Und damit die potenziellen Kunden auch Lust auf die neu gegründete ID. Familie und die verschiedenen Modelle auf der neu entwickelten Elektroplattform MEB haben, sollen eben auch ein paar Augen- und Imageschmeichler für gute Laune bei den Kunden sorgen. Neben dem ab 2022 kommenden VW ID. Bully, der mit zwei Radständen ansurren wird, soll der ID. Buggy längst vergessene Buggy- oder zumindest Cabriogefühle wiederbeleben.

Und das muss man ihm lassen - das kann der grüne Elektrohüpfer. "Wir haben den Wagen in wenigen Monaten umgesetzt", erklärt Dzemal Sjenar, verantwortlich für die Konzeptfahrzeuge bei VW, "der fährt auch im tiefen Sand klasse und macht Spaß. Dieser hat nur Hinterradantrieb, aber wir können hier problemlos einen zweiten Elektromotor an der Vorderachse unterbringen." Den braucht es für die erste Ausfahrt an der kalifornischen Küste gerade nicht. Auch die elektrische Reichweite von rund 250 Kilometern spielt keine Rolle - für die kurze Testfahrt bei Tempo 35 reicht es allemal und hier im Golferparadies von Pebble Beach darf man sowieso nicht viel schneller fahren. Das feuchte Morgenklima und die grauen Wolken, die sich an der Windschutzscheibe als Regentropfen absetzen, machen dem ID. Buggy nichts aus. Er hat weder Türen noch Dach oder Seitenscheiben; dafür ist er wasserfest. Zwei Sitze, Lenkrad, eine offene Ladefläche und der charakteristische Überrollbügel - nur ein Soundsystem vermisst man schneller als es einem lieb ist, denn die rauschenden Wellen allein, sind doch etwas wenig Untermalung. Auch, weil einem irgendwie der schnatternde Klang eines Vierzylinderboxers fehlt, den man aus den 60er und 70er kennt.

Einst galten die Dünenbuggys noch mehr als Samba Busse und T1 Surfermobile als Ausdruck einer ganzen Generation. Das Massenmodell VW Käfer stellte damals die Plattform inklusiv Boxermotor im Heck. Für den coolen Auftritt sorgten kunterbunt-offene Glasfaserkarossen wie die von Meyers Manx, mit denen man am Strand spielen und auf der Straße auffallen konnte. Das ist bei der Neuauflage des 4,06 Meter langen VW ID. Buggy nicht anders, der neben der offenen Karosserie über die bekannte Elektro-Plattform aus dem Hause Volkswagen verfügt. Für den Antrieb des offenen Doppelsitzers sorgt ein 150 kW / 204 PS starker Elektromotor im Heck, der von einem 62-kWh-Akkupaket im Unterboden mit Energie versorgt wird. Die Plattform des modularen Elektrobaukastens wurde um zwölf Zentimeter verkürzt und eine lässige Buggy-Karosse aufgesetzt. Wenn es einmal abseits der Straße in den Sand geben soll, sorgen 24 Zentimeter Bodenfreiheit und Stollenreifen für Vortrieb.

Drängler wird von Polizei überrascht.

Der in einer Aluminium-Stahl-Kunststoff-Mischbauweise hergestellte Karosserieverbund ist selbsttragend. Dank des modularen Aufbaus kann der obere Karosseriebereich von dem MEB-Chassis gelöst werden, was wie einst ein Signal an Kleinserienhersteller und Start-Ups ist, denn so öffnet Volkswagen seine Studie für externe Produzenten. Mit Ford ist ein mächtiger Kooperationspartner ja bereits gefunden und andere sollen folgen. Wieso nicht auch ein Buggy-Partner? Und wer würde sich keinen neuen Oben-ohne-Spaßmacher nach Vorbild der späten 60er Jahre wünschen?

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