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Peugeot 607: Jetzt auch mit Löwenherz

Hart ist die Konkurrenz der Platzhirsche in Deutschland, aber wo der Löwe draufsteht, ist jetzt auch ein Löwe drin: Mit dem neuen 2,7 Liter V6 HDI besitzt der 607 nun einen großen Vorzug unter der Motorhaube.

Von außen wurde dem 607 im Facelift nach vier Jahren Bauzeit ein wenig Faltenkorrektur verordnet, ein paar Millimeter Länge mehr bei der Haube, verchromte Nebelscheinwerfer, hier und dort eine Zierleiste mehr. Das ist relativ wenig in einer Fahrzeugklasse, in der Audi den A6 von der Leine gelassen hat. Dafür ist die klassische Limousinenform des Peugeots von zeitloser Schönheit.

Wäre der große Franzose mit dem großen Diesel-Herz etwas für Sie?

In Ländern mit weniger ausgeprägter Autoprotz-Kultur als hierzulande geht der vergleichsweise günstige 607 als Oberklassen-Fahrzeug durch. Diese Einschätzung verpflichtet. Auf das aggressive, neue Firmengesicht mit Haifischrachen muss das Honoratiorenmodell von Peugeot verzichten. Gediegenheit ist Trumpf. Wo der 407 sich von allen Zutaten (Lange Motorhabe, geschlitzte Scheinwerfer, Lufteinlässe) eine Extraportion genehmigte, muss der 607 seinen Appetit zügeln. Ein Boy-Toy-Fahrzeug konnte so nicht entstehen. Äußerlichkeiten, die einem französischen Chefarzt gefallen mögen, werden den aufstrebenden deutschen Automobilisten, der sich die einheimische Oberklasse versagen muss, vermutlich nicht nur reizen. Denn rundheraus gesagt, bei aller Ausgeglichenheit und Eleganz der Erscheinung, richtig kribbeln tut es beim Anblick des 607 nicht. Bei manchen Wagen kann man sich vorstellen, ein Tier wie ein Adler oder ein Leopard habe sich in das Fahrzeug verwandelt. Ein Stahl gewordener Löwe ist der 607 aber nicht, eher ein Grandsegnieur in Blech. Stellen Sie sich vor, Francois Mitterand hätte sich auf die Champs Elysee gelegt, sich ein wenig gestreckt und sich dann in eine Limousine verwandelt. Aufregend klingt das nicht. Fahrer, die den gewissen Kick suchen, nach automobiler Dominanz auf der linken Spur streben und gern ihre Sportlichkeit am Gaspedal beweisen, werden sich ein herzhaftes Gähnen nicht verkneifen können.

Modellpflege mit Mehrwert-Ausstattung

Im Innenraum gibt es mehr Wertigkeit fürs Geld. Echtes Aluminium und echtes Holz zum Beispiel. Im Innenraum zeigt der 607 auch seine wahre Größe. Man sitzt vorne wie hinten in einem echten Raum mit viel Platz an jeder Seite. Beim 607 rücken dem Fahrer weder Lenkrad noch Armaturenbrett auf die Pelle. Die Sitze sind fest und bequem, bleiben dabei aber "Sessel" und greifen und stützten die Passagieren nicht an jeder Stelle. Das gerüschte Leder in der Verkleidung der Innen-Türen fällt unter die Rubrik "Geschmackssache". Auf den ersten Blick kann die Verarbeitung auf hohem Niveau bestehen. Wer weiter unter Sitzen und im Kofferraum forscht, findet dann doch Schwachstellen, etwa bei der Verlegung des Velours. Zur Neuauflage des 607 gehört ein größeres Markenlogo vorne und 17 Zoll-Aluräder in allen Versionen. Neu ist ebenfalls die automatische Verriegelung von Türen und Heckklappe während der Fahrt, ein Geschwindigkeitsbegrenzer als Ergänzung zum Tempomaten, vergrößerte Bremsscheiben sowie neue Audio- und Navigationssysteme. Im Fahrwerk erhielt der 607 neue Dämpfer mit mehreren Regelventilen für die Vierzylinder-Varianten. Die Sechszylinder-Modelle bekamen ein neues, elektronisch gesteuertes Fahrwerk mit einem Sensor an jedem Rad, so wird eine stufenlose Dämpfkraftverstellung ermöglicht.

Der Hit sitzt unter der Haube

Wirklich begeistern kann der neue V-6 Diesel. Bislang war bei den Dieseln der 2,2-Liter HDI FAP das stärkste Aggregat für den 607. Mit seinen 133 PS war der sonst ausgezeichnete Motor mit dieser Fahrzeugklasse überfordert. Aus 2,7 Litern Hubraum zaubert der aus dem Jaguar S-Type bekannte V-6 nun 205 PS und beachtliche 440 Nm. Das sind mehr als ausreichende Leistungen, um den großen Franzosen mit dem gewünschten Efee in Schwung zu bringen, und das flüsterleise ohne jedes Rabaukentum. Im Zusammenarbeit mit zwei elektronisch gesteuerten Abgas-Turboladern bringt der Motor die 1,8 Tonnen schwere Limousine in 8,7 Sekunden auf Tempo 100. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 230 km/h, bei einem Mixverbrauch von nur 8,4 Litern. Damit gehört der Peugeot 607 V6 HDI zu den verbrauchsärmsten Fahrzeugen seiner Klasse. Selbstverständlich ist er mit dem Peugeot-Rußfiltersystem FAP ausgestattet, das vor vier Jahren im 607 Premiere feierte. Die neueste Generation hat jetzt ein Wartungsintervall von 200.000 Kilometer und hält die Euro 4-Norm ein. Überzeugend auch die Kraftübertragung. Serienmäßig gibt es eine sechsstufige Automatik mit Tiptronic-Funktion. Die Leistung des Dreiliter-Benziners wurde um vier auf 211 PS gesteigert. Dabei erhöhte sich auch sein Drehmoment um fünf auf 290 Newtonmeter. Im Angebot bleiben die 2,2 Liter-Vierzylinder von Benziner und Diesel (158 bzw. 133 PS), sie gibt es mit einer vierstufigen Automatik.

Bei der Ausfahrt über die welligen Straßen Kalabriens legt der 607 das gepflegte Fahrverhalten an den Tag, das man von einer klassischen Limousine erwarten darf. Peugeot folgt nicht dem Trend zur ruppigen Sportlichkeit. Auch über raue Untergründe schwebt der Wagen unberührt hinweg, nur gelegentlich dringen harte Stöße durch. Das enorme Drehmoment von 440 Nm sorgt für strammen Antritt. Sobald die Automatik auf "S" gestellt wurde oder die Gangwahl manuell vorgenommen wird, zeigt der 607 sein Löwenherz

Preiswerter Luxus

Ab dem 11. Februar 2005 steht der große Franzose mit dem großen Diesel für 37.900 Euro bei den Händlern. Die Platzhirsche der oberen Mittelklasse heißen zwar nach wie vor Audi A6, Mercedes-Benz E-Klasse und BMW 5er, aber zu ihnen hält Peugeot im Preis den nötigen Abstand. In der "Platinum"-Ausstattung liegt der V6 HDI bei 42.200 Euro, bis auf das Navigationssystem für 2000 Euro ist in dem Paket alles enthalten, was das Herz begehrt. Als Motor kann eigentlich nur neue V6-Diesel in Frage kommen, denn ist einer der derzeit besten Sechszylinder-Diesel überhaupt.

Gernot Kramper

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.