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Praxistest: Lexus LS 460 AWD: Vierer mit Steuermann

Die Qualitäten von Lexus sind unbestritten. Doch auch knapp 20 Jahre nach der Europapremiere tun sich die Luxusjapaner hierzulande noch immer schwer. Dabei ist der LS 460 AWD ein Auto zum Dahinschmelzen.

Der Nobelmarkt in Europa – und besonders Deutschland – scheint auf immer und ewig aufgeteilt. Die hheimischen Luxushersteller haben zuletzt mächtig aufgerüstet. Der neue 7er BMW sorgt bei der Konkurrenz für Sorgenfalten, Mercedes überarbeitet den Klassenprimus S-Klasse und Audi steht mit einem neuen A8 bereits in den Startlöchern. Den Lexus-Modellen der noblen LS-Serie bleibt da allenfalls ein Platz in der vierten Reihe. Dabei brauchen sie sich keinesfalls verstecken. Doch der Verkauf läuft nur in homöopathischen Dosen.

Das stimmigste Konzept im Hause der edlen Toyota-Tochter bietet derzeit der Lexus LS 460 AWD. Statt des schwergewichtigen Hybridantriebs ist der 460er seit kurzem auch mit Allradantrieb zu bekommen. Ein Paket, das in Verbindung mit dem seidenweichen 4,6-Liter-V8-Triebwerk schon wegen der 270 kW/367 PS und 469 Nm maximalem Drehmoment Sinn macht.

Selten hat man eine Luxuslimousine erlebt, die einen derart perfekten Eindruck vermittelt hat. Das Triebwerk mit variabler Ventilsteuerung und verstellbaren Einlassnockenwellen bietet abgesehen von einer Turboaufladung nahezu das, was derzeit technisch möglich ist. Schon angesichts des Leergewichts von rund 2,2 Tonnen kann man zwar keine Verbrauchsrekorde erwarten. Doch das ist auch schon fast das einzige, was man den Entwicklern vorwerfen kann.

Der Durst ist groß

Der Lexus LS 460 AWD ist also schwer und in nahezu jedem Fahrbetrieb durstig. Die von Lexus in Aussicht gestellten 11,6 Liter Super auf 100 Kilometern sind im Alltag zwischen Garage, Beruf und Terminstaffagen nicht zu realisieren. Unter 14 Litern war im Praxistest nichts zu machen. Das ist angesichts der verbauten Technik deutlich zu viel.

Immerhin: Die mächtige Motorleistung kann das Übergewicht nicht zuletzt dank des grandios geringen Geräuschniveaus in Ansätzen überspielen. Die Fahrleistungen befinden sich im erwarteten Rahmen. Von 0 auf 100 km/h schafft es der Lexus in 6,5 Sekunden und seinem Tatendrang wird ordnungsgemäß bei kaum über 250 km/h ein elektronisches Ende gesetzt.

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Dabei wirkt der LS 460 AWD selbst beim Auffahren auf eine nasse Schnellstraße derart souverän, dass es ihm schon fast als Überheblichkeit auszulegen ist. Die Lenkung ist jedoch bei schneller Fahrt zu leichtgängig und zu unpräzise. Stören wird dies in Europa jedoch kaum jemanden. Hier lässt man es einfach gleiten und genießt den sonoren Sound des Mark-Levinson-Musiksystems.

Endlich mit Allrad

Seit Jahr und Tag bilden die großvolumigen Lexus-Triebwerke eine grandiose Kombination mit den eingebauten Schaltautomaten. Die 2006 vorgestellte und nun überarbeitete Version des Lexus LS 460 vereinigt den ebenso leisen wie kräftigen Achtzylinder mit einem achtstufigen Automatikgetriebe. Gleichzeitig wird die Motorleistung nicht nur an die Hinterachse, sondern via selbst sperrendem Torsen-Differenzial an beide Achsen übertragen. Bei normaler Fahrt verteilt sich die Motorleistung zwischen 30:70 und 50:50. Das Fahrverhalten des LS 460 AWD ist somit auch im Grenzbereich stoisch neutral bis leicht untersteuernd.

Von den einzelnen acht Schaltstufen merken die Insassen sowieso nichts. Das liegt nicht nur an der exzellenten Geräuschdämmung, sondern auch an einem nahezu perfekten Innenraum. Ebenso weiche wie dezenten Halt gebende Luxusstühle lassen die Fahrt für alle vier Insassen zu einem Genuss werden. Die Ledersessel werden vorne und hinten nicht nur einzeln verstellt, sondern auch ganz nach Belieben klimatisiert.

Elektrische Sonnenrollos rundum schirmen den Innenraum dezent nach außen ab. Hinter dem Frontsitzen klappt aus dem Dach ein großer Flachbildschirm aus, auf dem zumindest die Fondinsassen DVD-Filme genießen können. Wieso Lexus als einer von wenigen Herstellern keinen TV-Empfang anbietet und so nicht für noch mehr Entertainment-Qualität sorgt, bleibt wohl ein Geheimnis.

Sicherheit komplett

Immerhin kann man eine stattliche Filmsammlung im Kofferraum verstauen. Bietet der LS 460 AWD gewöhnlich ein Kofferraumvolumen von 565 Litern, so reduziert sich der Laderaum durch die vier elektrischen Komfortsitze auf immer noch sehr ordentliche 480 Liter.

Eine Limousine der Luxusklasse charakterisiert sich nicht zuletzt durch ihre komplette Sicherheitsausstattung. Für die Vielzahl Airbags und Regelsystem interessiert sich hier längst niemand mehr. Für rund 100.000 Euro muss es schon einiges mehr sein. So bietet der Lexus Assistenten für das gefahrlose Überholen, Einparken, Spur halten und Notbremsen. Ein Radarsystem hat zudem ein Auge nach vorn und hinten. So können die Insassen im Falle eines Falles auf das Schlimmste vorbereitet werden. Ganz nebenbei hat das Lexus immer einen wachsamen Blick auf seinen Piloten: Infrarotaugen warnen bei Unaufmerksamkeit und einem drohenden Hindernis auf der Straße.

Dass all dieser Luxus einen in dieser Klasse verhältnismäßig fairen Preis hat, mag überraschen. Der Lexus LS 460 AWD startet in Komplettausstattung mit elektrischen Ledersitzen, Xenonlicht, Keyless Entry, 18-Zoll-Alufelgen, Navigation und Luftfederung bei 88.850 Euro. Die Ausstattungslinie "Ambience" sollte man sich für 7.550 Euro in jedem Fall gönnen, um die Annehmlichkeiten der Fondpassagiere zu verbessern. Das zusätzliche Sicherheitspaket mit Fahrerbeobachtung, Pre-Safe und Assistenten für Spurhalten, Heckaufprall, Objekterkennung plus Abstandstempomat kostet teure 6.100 Euro zusätzlich.

Stefan Grundhoff / pressinform / PRESSINFORM

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