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Produktion des Alfa Romeo 4C: Handgemachter Marken-Definierer

Alfa Romeo fertigt den 4C in einer Kleinserie bei Maserati. Wer eine Hightech-Carbon-Produktionsstraße erwartet, muss umdenken. Die italienische Rennflunder wird in Handarbeit zusammengesetzt.

"Der Alfa Romeo 4C ist der Ausdruck der Marken-DNA", sagt Alfa-Chef Louis-Carl Vignon. Diese Aussage des smarten Franzosen trifft auf die Rennflunder in vielerlei Hinsicht zu. Klar, da sind zum einen die Rahmendaten: 895 Kilogramm, 240 PS und ein daraus resultierendes Leistungsgewicht von 3,85 kg/PS. Das ist doch mal eine Ansage. Der Rest der Erbguts-Diagnose bezieht sich auf die Fertigung des Fahrzeugs. Wie in den guten alten Tagen des Mobilbaus wird der "Brandshaper" (dt.: Markendefinierer), wie das Auto bei Alfa Romeo intern bezeichnet wird, bei Maserati zum großen Teil in Handarbeit produziert.

Dementsprechend beschaulich geht es in der Fabrik in Modena zu. Von dem stampfenden Lärm der unablässig agierenden Roboter, die mit müheloser Leichtigkeit große Blechteile durch die Gegend wirbeln, ist hier nichts zu sehen. Pro Jahr sollen 3.500 Exemplare die roten Backsteinhallen in der Emilia Romagna verlassen. Die Fabrik in Modena bietet sich an, weil man dort die Leichtbau-Erfahrung nutzen kann. Das Monocoque ist das zentrale Teil der Struktur des Alfa Romeo 4C, der zu zehn Prozent aus Kohlefaser-Verbundstoff besteht. Die Carbon-Leichtbauwanne wiegt 65 Kilogramm und kommt vom Zulieferer Adler Plastic aus der Nähe von Neapel, der 16 Monocoques pro Tag in den Norden schickt. Dabei werden Carbon-Schichten mit Fasern, die in unterschiedliche Richtung weisen übereinandergelegt, was zu einer hohen Steifigkeit führt. Dabei setzen die Italiener auf die Prepreg-Technik, also vorimprägnierte Fasern, die auch im Rennsport Verwendung findet und relativ kurze Taktzeiten ermöglicht. Rund 90 Stunden dauert es, um eines dieser Carbon-Elemente zu fertigen.

Die grundlegende Architektur des 4C ist kein Hexenwerk und entspricht der Blaupause anderer Automobile mit einem Carbon-Monocoque. Vorne und hinten sorgen Hilfsrahmen aus Aluminium für Crashsicherheit. Auch der Motor wird mit den Leichtmetallträgern verknüpft. Um das niedrige Gesamtgewicht des 4C zu realisieren, zieht Alfa Romeo einige Register des Leichtbaus. Die Beplankung des Rohbaus besteht unter anderem aus SMC-Elementen (Sheet Molding Compound), also einem glasfaserverstärkten Kunststoff, der rund 35 Prozent leichter ist, als herkömmliche Stahlbleche.

Insgesamt 258 Arbeiter montieren in 18 Stationen den Rennwagen, der aus 850 Teilen besteht. Die Spezialisierung der Arbeiter hat ein hohes Maß erreicht, den jeder ist für mehrere Aktionen verantwortlich. Ein Techniker, der am Alfa Romeo 4C hantiert, muss Arbeitsabläufe beherrschen, die insgesamt 40 Minuten dauern. Bei den Kollegen, die einer Massenproduktion, sind es 1,5 Minuten. Zunächst wird die Karosserie Alfa Romeo 4C fast komplett zusammengesetzt, nur um dann in das 30 Kilometer entfernte Camposanto transportiert zu werden. Dort wird das Auto bei einem externen Dienstleister lackiert und kommt zurück in die zweite und finale Produktionshalle, in der ebenfalls das menschliche Geschick regiert.

Dort werden die Anbauteile zum großen Teil wieder entfernt, da der Motor von oben in das Fahrzeug gesetzt wird. Nach und nach wird die ganze restliche Technik in das knapp vier Meter lange und zwei Meter breite Automobil verpflanzt. Ehe zum Schluss der Alfa Romeo 4C wieder zusammengefügt wird und die Halle verlässt. Bei der Montage kommen aufwendige Gerätschaften, wie die sogenannte "Gio Paletto" zum Einsatz. Das ist ein kreisrundes Gerüst, in dem der Alfa Romeo 4C wie ein Grill-Huhn ohne großen Aufwand um die Längsachse gewendet werden kann. Das ermöglicht dem Monteur einen einfachen Zugang zu den einzelnen Fahrzeugteilen.

Handarbeit ist in der Regel teurer als eine vollautomatisierte Fertigung. Doch bei Alfa Romeo löst man dieses Problem mit effizienten Prozessen, kurzen Wegen und Skaleneffekten, um den Kaufpreis des 4C möglichst gering zu halten. "Wir werden einer der größten Einkäufer für Carbonfasern sein", erklärt Entwicklungschef Mauro Pierallini. Die Produktion des neuen Alfas liegt voll im Zeitplan. Momentan laufen noch Vorserien-Prototypen vom Band. Anfang September startet dann die eigentliche Produktion.

Die ersten 500 Modelle der Launch-Edition, die hauptsächlich nach Europa gehen, sind schon ausverkauft. "Wir haben doppelt so viele Bestellungen", freut sich Carl-Louis Vignon. Der Preis für ein Exemplar der ersten Welle, von denen 77 nach Deutschland gehen, beträgt 61.000 Euro. Dafür gibt es auch einige Extras, die es bei der normalen Serienversion, die weniger als 60.000 Euro kosten soll, als Extras zu ordern sind: Zum Beispiel größere Reifen und ein strafferes Fahrwerk. Das zweite wichtige Datum, das im Kalender der Alfa-Romeo-Verantwortlichen rot markiert ist, ist die Los Angeles Motorshow Ende November. Dort läutet der 4C als Speerspitze die Rückkehr Alf Romeos in die USA ein. Damit die gelingt, muss der Leichtbau-Renner einen guten Eindruck machen.

Press-Inform / pressinform

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