Renault Laguna Coupé Frischer Wind für den Lebensabend


Die Alten haben das Geld. Sie haben Stil, sie haben Zeit und frönen hemmungslos dem eigenen Wohlergehen. Große Coupés sind die Sportwagen für alle, bei denen es schon in Rücken und Hüfte zwickt. Auch Renault beglückt nun die lebensfrohen Best-Ager.
Von Gernot Kramper

Große Coupés sind ein kleines, aber feines Segment im Automarkt. Beliebt bei der noch etwas älteren Generation. Bei Leuten, die sich auf der Zielgeraden zu Rente und Pension noch etwas Gutes gönnen wollen. Nachdem der neue Laguna, trotz des Qualitätsdesasters des Vorgängers, in Deutschland einen sehr guten Start hingelegt hat, liefert Renault nun eine elegant sportive Version nach. Eine starke Coupé-Tradition besitzt Renault eigentlich nicht, sieht man von Versuchen wie dem Fuego ab.

Ein Edel-Coupé ist nichts für Knauser, ausgesprochene Ökomotoren gibt es nicht, dafür baut die Modellreihe nach oben aus. Ganz neu ist der V6-Diesel mit 235 PS, darüber liegt ein noch stärkeren 3,5-Liter-V6-Benziner mit 238 PS. Ihre Kraft geben die Sechszylinder über eine Sechsgang-Automatikgetriebe an die Vorderräder ab. Die Automatik ermöglicht ein angenehmes und souveränes Gleiten, zieht dem bärenstarken Diesel und dem Sechszylinder aber auch die Zähne. Eruptive Kraftentfaltung sollte man nicht erwarten. Angesichts des mächtigen Aufpreises von 6000 Euro für den Sechszylinder-Diesel sollte man sich die bekannten und guten Vierzylinder-Dieselmotoren näher ansehen. Kombiniert mit der Allrad-Lenkung (in der GT Variante Serie) hat das Fahrwerk aber keinerlei Schwierigkeiten mit den Kräften umzugehen. So agil, wenig und forsch konnte man noch keinen Renault, in die Kurven schicken. Auch wenn der typische Käufer das Coupé eher zum eleganten Reisen nutzen wird, imponieren die Möglichkeiten des Wagens. Mit dem Sonderweg Allrad-Lenkung erreicht Renault eine Kurvenfreude wie sie sonst nur mit Heckantrieb oder modernen Allradantrieben erreicht wird. Beim "Active-Drive"-System bewegt ein Elektromotor die hinteren Räder über Spurstangen. Bei kleineren Geschwindigkeiten werden die Hinterräder entgegen dem Lenkwinkel eingeschlagen, das verkürzt den Wendekreis. Dummerweise arbeitet das System erst an 10 km/h – beim Einparken bringt es also nichts. Bei hohem Tempo schlagen Hinterräder in die gleiche Richtung wie die Vorderräder ein, das erhöht Spurtreue und Agilität merklich.

Das Reisen in dem 4,6 Meter langen Fahrzeug wird für die Passagiere auf der Rückbank zur wenig souveränen Veranstaltung. Hier finden wirklich nur Enkel ihren Platz, Personen ab 180 cm Länge muss vor längeren Mitfahrten dringend abgeraten werden. Die zulässige Zuladung für die Sechszylinder ist dafür auch gar nicht geeignet. Bei vier Erwachsenen mit einem realistischen zwischen 80 und 90 Kilogramm, muss das Gepäck zu Hause bleiben. Dafür lässt sich die Rückbank sehr einfach umlegen, so wird Platz etwa für Golftaschen geschaffen. Der Kofferraum liegt im Durchschnitt des Segments. Nur der Passat CC bietet wirklich mehr Platz im Kofferraum und auf der Rückbank. Wer beim Laguna allerdings die Rückbank umlegt, kommt auf einen praxistauglichen Wert von 700 Litern Rauminhalt. Die Verarbeitung und Anmutung im Innenraum des Franzosen gefällt, nur der vordere Lautsprecher spiegelt sich sehr störend in der Frontscheibe. Die Sicht nach hinten ist in dieser Bauform naturgemäß beschränkt.

Gekauft wird so ein Coupé vor allem wegen des Aussehens. Da überzeugt der Laguna mit einem ausbalancierten und sauberen Auftritt. Die Seitenansicht ist kraftvoll und sportlich und vermeidet die endlosen Überhänge des Pendants von Peugeot. Der Sportbürzel am Heck hätte einem etwas flacheren Wagen sicher besser angestanden. Und von vorn wirkt der Wagen klar und einfach und verzichtet auf die bekannten Macho-Zutaten.

Interessant wird der Renault ganz prosaisch über seinen Preis. Wer bei einem Edelmodell gern auch tief in die Extratüte greifen möchte, für den kann der Laguna zur Fundgrube werden. Bereits die "einfachere" Variante bringt Bi-Xenonscheinwerfer, die GT Ausstattung umfasst neben Ledersitzen, der Allradlenkung und 18 Zoll Leichtmetallrädern fast alles was das Herz begehrt. Renault berechnet so einen Preisvorteil gegenüber dem Platzhirsch Audi A5 von immerhin 6500 Euro. Anders gerechnet: Im Renault gibt es BiXenon-Licht, Leder und Navigation oben drauf. Bei einem geplanten, späteren Wiederverkauf wird dieser Preisvorteil aller Voraussicht nach allerdings zusammenschmelzen. Zum 28. November gibt es den flotten Franzosen beim Händler.

Anmerkung zu den Kommentaren: "Best Ager" ist eine Zielgruppenbezeichnung aus dem Marketing. Trotz der fließenden Altersgrenzen kann man sie im Alter unter Senioren (nicht mehr im Erwerbsleben, ab 65 Jahren) und über allen Familien mit Kindern im Haushalt ansiedeln. Dazwischen liegen dann noch "Empty-Nester" – Paare, bei denen die Kinder vor kurzem den Haushalt verlassen haben. Neben dem passender Alter gehört ein gehobenes Einkommen und eine am Kosum orientierte Lebensweise zum "Best Ager".


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