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Reportage: 60 Jahre Piaggio Ape: Die Arbeiter-Biene

Vor 60 Jahren knatterte das erste Ape-Dreirad übers Kopfsteinpflaster. Die Transporter-Zwerge geben bis heute dem italienischen Straßenbild seine spezielle Würze – besonders im chaotischen Verkehrsgetümmel von Palermo.

Palermo in den frühen Morgenstunden. Ein leichter Dunst liegt über der sizilianischen Hafenstadt. Langsam quält sich der morgendliche Verkehr durch die engen Straßen. Auch tausende Bienen schwärmen aus - vom Hafen zum Fischmarkt, von den Bauern zum Gemüsehändler, vom städtischen Depot zur Müllsammlung. Doch Palermos Bienen summen nicht, sie knattern. "Ape" – italienisch für Biene – heißt der populärste Kleintransporter Italiens.

Das 2,5 Meter kurze und 1,3 Meter schmale Dreirad der Firma Piaggio ist schließlich das einzige Nutzfahrzeug, das sich selbst durch die engsten und verwinkelsten Gässchen zwängen kann. Ein Wendekreis von 4,8 Metern lässt jeden Vierradler alt aussehen, und 200 Kilogramm Nutzlast (Ape 50) reichen für eine Ladung Tomaten locker aus.

Im Prinzip ist die Ape nichts anderes als ein Motorrad mit Ladefläche und Fahrerkabine. Der Komfort im Führerhäuschen ist gleich Null, weder Heizung oder Radio lenken den Fahrer vom chaotischen Verkehrsgetümmel ab. Die passive Sicherheit besteht vor allem darin, dass die Töfftöff-Dreiräder ziemlich langsam unterwegs sind und sich potenzielle Unfallgegner im günstigsten Fall aus anderen Dreirädern, Mofas oder Fußgängern rekrutieren.

Tuning für Kids

Viele Dreirad-Piloten dürften die Geburtsstunde des Mofa-Transporters noch als Kind miterlebt haben – der typische Ape-Fahrer ist ein Gemüsehändler kurz vor dem Rentenalter mit Schiebermütze auf dem Kopf. Doch auch Mama, Papa und ein bis zwei Bambini passen mit etwas gutem Willen ins Führerhaus. Und in manchen Regionen Italiens sind die kleinen Apes mit 50 Kubik sogar unter Jugendlichen Kult. Man darf sie schon ab 14 Jahren fahren, und eine rege Tuner-Szene motzt die Dreiräder tüchtig auf.

Der Dieselmotor der Langversion Ape tm holt aus seinem 422 Kubikzentimeter großen Motörchen 12 PS und ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h gut. Im kleinen Zweitakter ist schon bei 40 Sachen Schluss. Die Ladekapazität der Winzlinge ist dafür beachtlich – mehr als 700 Kilogramm kann die Langversion der italienischen Biene mit sich herum schleppen.

Doch selbst bei den kleinen und uralten Apes, die noch zu tausenden durch die Gassen wuseln, gibt es beim Beladen nur eine Grenze: Die Fantasie des Fahrers. "Wenn das Gemüse schon zu allen Seiten über die Ladefläche hinaus ragt, wird eben hoch gestapelt", lacht der Gemischtwarenhändler Matteo, der seine Ape als rollenden Verkaufsstand nutzt.

Hat denn die Polizei da nichts dagegen? Und hat er nicht überhaupt manchmal Angst in seiner Blechkiste, mitten zwischen den großen bösen Autos? Matteo schaut völlig verständnislos – offenbar kann nur ein Deutscher so eine dämliche Frage stellen.

Leben und knattern lassen

Dabei findet man die Antwort schon in Palermos Straßenverkehr, den man als konstitutionelle Anarchie beschreiben könnte. Vorfahrt hat im Zweifel der, der schneller aufs Gas tritt. Ampeln sind vielleicht schön bunt, stehen aber nicht immer im Mittelpunkt des Interesses sizilianischer Autofahrer.

Trotzdem lautet ein ungeschriebenes Gesetz: Fahre so, dass niemand zu Schaden kommt. Alte Leute lässt man auch ohne Zebrastreifen über die Straße. Gehupt wird viel seltener, als man es sich vorstellen würde. Ein kurzes Hupen heißt "Lass mich mal rein" oder "Achtung Luigi, gleich krachen wir zusammen". Dass in diesem chaotisch-freundlichen Blech-Knäuel auch kleine Dreirad-Transporter wie die Ape ihren Platz haben, ist kein Wunder.

Die Geburtstunde des fleißigen Blech-Bienchens schlug übrigens schon 1948, nur zwei Jahre, nachdem Piaggio die legendäre Vespa auf die Räder stellte. Und die erste Ape war auch nichts anderes als eine Vespa mit hölzerner Ladefläche.

Bis heute baut Piaggio das Dreirad mit Zweitaktmotor. Längst steht aber auch ein Dieselmotor zur Verfügung. Für den indischen Markt gibt es Apes mit Erdgasantrieb. Und es gibt von der einfachen Pritsche bis zum Müllkipper mehrere Ausbauvarianten. Eigentlich schade, dass das knuffige Dreirad in Deutschland nur ein Schattendasein fristet – als mobile Werbetafel, origineller Hähnchengrill - oder Geldautomat.

Sebastian Viehmann / pressinform / PRESSINFORM
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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.