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Seat Ibiza FR und Cupra: Fahrspaß á la GTI

Innerhalb des Volkswagen-Konzerns will Seat verstärkt den Part der sportlich-mediterranen und gleichzeitig günstigen Einstiegsmarke spielen. Dies unterstreichen die Spanier jetzt mit drei neuen Versionen des Kleinwagens Ibiza.

Von Walter Hasselbring

Damals, als ältere Herren, die im Auto ihren Hut aufbehielten, zweifelsfrei als Opel-Fahrer identifiziert wurden, als Autos noch zum Zeichen ihrer Sportlichkeit mit Rallyestreifen beklebt wurden und Fuchsschwänze die Radioantennen zierten, kam in Spanien ein Wägelchen mit schwarz lackierter Frontpartie auf den Markt: der Seat 1200 SPORT. Das sonst eher biedere Fahrzeug erhielt sofort den Spitznamen "Bocanegra", was peppig klingt, aber soviel wie "Schwarzmaul" bedeutet...

Jetzt, 34 Jahre später, setzen die Iberer wieder auf die schwarze Bemalung, nun aber mit Bizeps statt nur Tätowierung! Gleich zwei neue sportliche Versionen des "Ibiza" , nämlich der "FR" und der "Cupra", lassen sich mit der Ausstattungsvariante "Bocanegra" aufpeppen. Diese Ausführung der sportlichen "Ibiza" - Modelle gibt es nur in Rot und Weiß, damit die schwarze Fronlackierung besonders auffällt.

Die Grundmodelle der beiden Varianten haben einige Gemeinsamkeiten. Vor allem sollen sie junge Männer ansprechen, die sportlich und dynamisch wirken wollen. Dazu statten die Spanier die kleinen Flitzer mit dem vorzüglichen doppelt aufgeladenen 1,4 Liter TSI Benzin-Motor vom Mutterhaus in Wolfsburg aus. Der leistet 150 PS und bringt das 1200 Kilogramm leichte Auto in 7,7 Sekunden auf Tempo 100. Das maximale Drehmoment von 220 Newtonmetern liegt zwischen 1250 und 4500 Kurbelwellenumdrehungen pro Minute an. Die doppelte Aufladung wird über einen Kompressor und einen Turbolader erreicht. Dieser ist nur für einen hohen Wirkungsgrad ausgelegt und liefert bei niedrigen Drehzahlen keinen Ladedruck. Bis zu einem Mindestdrehmoment und bis 2400 Umdrehungen pro Minute arbeitet der mechanische Kompressor alleine.

Fantastisch elastisch

Zwischen 2400 und 3500 U/min laufen beide Systeme zusammen und danach liefert der Tubolader den nötigen Druck. Der Kompressor verhindert also das berüchtigte "Turboloch" und macht den kleinen Motor fantastisch elastisch. Mit dem FR brauchten wir nur gut zehn Sekunden von Tempo 80 auf 120. Das Auto ist auch mit fünf Türen zu haben, braucht dann aber , wie es heißt, 0,2 Sekunden mehr für den Anzug. Der C02 - Wert ist mit 146g/100km durchaus akzeptabel. Mit dem siebenstufigen Automatikgetriebe (DSG), das auch mit Schaltwippen am Lenkrad bedient werden kann, ist durchaus eine Spritsparende Fahrweise möglich. Gedacht ist es jedoch eher für eine sportliche. Dazu passt das sehr gut abgestimmte Fahrwerk, das durch ein neues elektronisches Fahrdynamiksystem (XDS) unterstützt wird, bei dem ein Rad, das die Fahrbahnhaftung verliert, sanfter abgebremst wird, als bei älteren Lösungen. So war der kleine Flitzer bei unseren Testfahrten in Katalonien auch nie aus der Spur zu bringen.

Für festen Halt des Fahrers sorgen die ausgezeichneten Sitze. Nicht nur, was den Seitenhalt angeht. Selbst mit mehr als 1,90 Metern Körpergröße fanden wir eine optimale Sitzposition, was für einen Kleinwagen wirklich bemerkenswert ist. Sowohl der Fahrer - als auch der Beifahrersitz sind höheneinstellbar. Die Bremsen gehören ebenfalls in die Kategorie Hochleistung. Vorne haben die Bremsscheiben einen Durchmesser von 288 Millimetern hinten sind es 232 Millimeter. Der Cupra, von hinten leicht durch sein mittig angebrachtes Auspuffrohr zu erkennen, ist nur als Dreitürer zu haben. Alle anderen Vorzüge des FR gelten auch für das sportliche Spitzenmodell. Der Cupra hat 30 PS mehr, womit sich auch das maximale Drehmoment um 32 Newtonmeter erhöht. Das Leistungsgewicht von 6,5 Kilogramm pro PS ist dann für jede Rennstrecke gut genug. Das sind Werte, die bislang im VW-Konzern noch nicht erreicht worden sind. Damit dürfte eine wichtige Voraussetzung gegeben sein, um den Seat - Modellen ein sportlicheres Image zu verpassen.

Recht umfangreiche Grundausstattung

Das Design ist, sagen wir mal, spanisch mutig, hebt sich aber auf jeden Fall von der eher biederen Formgebung der Modelle aus Wolfsburger Prokuktion ab. Der Spaß ist allerdings nicht zum Schnäppchenpreis zu haben. Der FR kostet 20.990 Euro, der Cupra 23.190 Euro. Die Grundausstattung ist recht umfangreich. Dazu gehören beispielsweise, neben den schon genannten Details, elektrische Außenspiegel, Doppelparabol- sowie Nebelscheinwerfer, Klimaanlage, und 22 weitere nützliche Ausstattungsdetails.

Die Liste des aufpreispflichtigen Zubehörs umfasst Posten wie ein Technik-, ein Ablage, und ein Carbonpaket, sowie das elektrische Panoramaglasdach oder die Innenraumüberwachung. Die Bocanegra-Variante soll europaweit nur in einer Auflage von 1000 Fahrzeugen pro Jahr auf den Markt kommen. Für diese Exklusivität muss man im Falle des FR 910 Euro und beim Cupra 810 Euro drauflegen. Ob sich der "Schwarze", wie von den Konzern-Strategen erhofft, wieder zu einem Kultobjekt wie der Wagen aus den 70ern entwickelt, bleibt abzuwarten. Damals war der "Bocanegra" schließlich das erste Auto, das von Seat in Eigenregie entwickelt wurde.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.