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Seat Leon Cupra: Lass den Löwen los

Der Leon entwickelt sich vom Golf-Ersatz zum GTI-Killer und rückt sogar dem Audi S3 und dem Golf R32 auf den Pelz. Wie lenken sich 240 spanische Pferde - so ganz ohne Allradantrieb? Wir haben es probiert.

Erinnern Sie sich noch an den ersten Cupra? 1996 kam der als aufgebohrte Variante des Seat Ibiza mit 150 PS auf den Markt und war eine ziemliche Bollerkiste. Zum 10-jährigen Jubiläum hält Seat ein besonderes Geschenk bereit: Den Leon (spanisch für "Löwe") Cupra (eine Abkürzung für Cup Racing und damit Hinweis auf Seats Rennsporterfolge). Und der Kompakt-Sportler zeigt, welche Evolution die Cupra-Reihe durchgemacht hat.

Unter der Haube surrt ein Vierzylinder-Turbomotor mit 1984 Kubikzentimetern Hubraum und 300 Newtonmetern Drehmoment. Der 2.0 TFSI ist sozusagen das leichte Mädchen des Volkswagen-Konzerns: Jeder hat schon mal dran rumgemacht. Die Basis der Maschine arbeitet im Golf GTI, im Audi S3 und Skoda Octavia RS - und nun im Cupra. Die höchste Leistung holen die Spanier zwar nicht heraus - das macht Audi mit dem S3 und 265 PS. Aber mit 240 satten Pferdchen kann man ja auch gut angeben.

Der Hammer aus Spanien

Der Cupra schnellt davon wie ein Blitz. Vorausgesetzt, man geht etwas gefühlvoll mit der Kupplung um. Schon nach wenigen hundert Metern merkt man, was für ein Kraftpaket unter der Haube steckt. Deutlich unter 2500 Touren setzt der vergrößerte Turbolader mit kaum spürbarer Verzögerung und seiner ganzen Kraft ein. In 6,4 Sekunden ist die 100 Km/h-Marke geknackt. Das schafft selbst der R32 nicht schneller. Der Fronttriebler geht dabei keineswegs mit brachialer Gewalt vor - Traktionsprobleme kennt der Cupra nicht. Die Höchstgeschwindigkeit gibt Seat mit 247 Km/h an. Bei unseren Testfahrten in Spanien konnten wir das zwar nicht ausprobieren, aber bei diesem Aggregat wollen wir es mal glauben.

Die Autobahn ist ohnehin nicht die Lieblings-Spielwiese des Cupra, sondern eher eine schöne, kurvige Landstraße. Der Cupra liegt noch ein wenig tiefer auf der Straße als der FR. Das Fahrwerk mit seiner hinteren Mehrlenkerachse stemmt sich tapfer allen Querbeschleunigungen entgegen. Der Cupra liegt ungemein stabil und sicher in der Kurve und untersteuert kaum.

Fieser Crash beim Driften

Kein DSG-Doppelkupplungsgetriebe

Die Sportsitze bieten guten Seitenhalt. Der Federungskomfort ist trotz der straffen Abstimmung hoch: Immer, wenn man meint, gleich könnte es einen Schlag geben, schluckt das Cupra-Fahrwerk im letzten Moment die Unebenheit weg - da freut sich die Bandscheibe. Die Sechsgangschaltung macht einen guten Job, ein DSG-Doppelkupplungsgetriebe wie im Leon FR gibt es leider nicht. Aber hier will Seat den Markt beobachten, sagt Produktmanager Christoph Vierling: "Wenn wir einen Bedarf für das DSG-Getriebe sehen, könnten wir das für den Cupra in kurzer Zeit realisieren."

Optisch kommt der Cupra eher dezent daher. Ein anderer Grill mit breiten Lufteinlässen, 18-Zoll-Räder, ein Cupra-Logo am Heck - viel deutet nicht auf die Kraft unter der Haube hin. Innen gibt es eine ähnliche Racing-Kluft wie in Seats FR-Modellen, zum Beispiel straffe Sportsitze mit integrierter Kopfstütze und roten Ziernähten, Metall-Pedale oder weiß unterlegte Uhren-Instrumente. Am Schaltknauf befindet sich eine karierte Zielflagge, ebenso am Drehzahlmesser. Leider liegt der Schalthebel für unseren Geschmack nicht optimal in der Hand. Hier findet die Zubehör-Industrie vielleicht eine bessere Lösung.

Störend an der hübschen Cupra/Leon-Karosse sind eigentlich nur die mangelnde Übersicht nach hinten sowie die breiten A-Säulen. Vor allem beim Spurwechsel nach rechts ist die Sicht nicht berauschend. Aber den dürfte man im Cupra ja eher selten machen.

Vergleichsweise günstig

Der Turbo-Seat kostet 26.867 Euro und bringt dafür einiges mit: Elektrische Fensterheber, Bi-Xenonlicht, sechs Airbags, CD-Radio und Zwei-Zonen-Klimaautomatik gehören zur Serienausstattung. Zu den empfehlenswerten Optionen zählen Navigationssystem, Seitenairbags hinten und das elektrische Glasschiebedach. Die Konkurrenten Ford Focus ST und Golf GTI (beide 24.775 Euro) sind etwas billiger, bieten aber weniger Leistung. Den ebenfalls 240 PS starken Opel Astra OPC gibt es erst ab 28.590 Euro. Golf R32 und Audi S3 sind zwar noch etwas kräftiger als der Cupra und bieten Allradantrieb, aber keine wesentlich besseren Fahrleistungen. Zudem sind sie preislich bei 32.500 (R32) und 35.150 Euro (S3) in einer anderen Liga angesiedelt.

Der Spanier ist also eine echte Alternative zur deutschen Kraftzwerg-Konkurrenz. Einen kann er im Preis-Leistungsverhältnis allerdings nicht schlagen: Den Mazda 3 MPS mit seinen 260 Pferdestärken gibt es schon ab 24.900 Euro.

Pressinform / PRESSINFORM
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