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Suzuki Jimny Platz ist in der kleinsten Hütte


Seit 40 Jahren baut Suzuki den Offroad-Kobold Jimny. Der Geländewagen macht unbändig Spaß und muss sich im Gelände vor niemanden verstecken. Ein patentes Auto für den Alltag ist er aber ganz bestimmt nicht.
Von Gernot Kramper

Der Suzuki Jimny sieht aus, als käme er vom Kinderkarussel. Man könnte sich auch vorstellen, er wäre für eine Armee von Zwergen konstruiert worden. Seit 40 Jahren wird der Geländefloh gebaut, in den letzten 12 Jahren blieb er von Änderungen weitgehend verschont. Innen drin sieht es aus wie im Automuseum. Ein mickriges Lenkrad. Sessel, die man auch "Stuhl" nennen könnte. Die Liste lässt sich endlos verlängern. Ob Schaltung oder Antenne, im Jimny werden Dinge verbaut, die würde man dem Hersteller bei jedem anderen Wagen um die Ohren hauen. Aber nicht beim Jimny. In ihm macht das Fahren einfach Spaß, vielleicht auch, weil der Allradler schon bei städtischen Geschwindigkeiten mal die Bodenhaftung verliert. Für die Straße ist der Jimny nicht gedacht. In Wirklichkeit steckt im lustigen Zwergen-Jeep ein beinharter Offroader mit enormen Geländequalitäten, Durchhaltevermögen und unkaputtbarer Technik.

Moderne Angeber-SUVs kommen nie ins Gelände. Mit viel Elektronik, permanenten Bremseingriffen und edeln Chromzierrat sind sie für den Schotter einer Villeneinfahrt optimiert. Der Jimny springt dagegen mit Schraubenfedern und einem durch eine Klauenkupplung kurzgeschlossenen Allradantrieb auch den übelsten Untergrund wacker an. Kratzer im Blech stören nicht. Im Gegenteil so etwas gehört dazu.

Keine Angst vor Stock und Steinen

Wirklich Sinn macht der Jimny daher im Gelände. Bauern, Fischer, Jäger und Förster bilden die treue Klientel, die diesen Wagen kauft. Immerhin 7000 Stück sind es im Jahr. Die Rückbank wird weggeklappt, mit zwei Personen vorn ist dann hinten Platz für einen toten Hirschen. Im Gelände lässt sich der Winzling ohnehin von niemandem den Schneid abkaufen. Wo es auf schmaler Piste in wilden Windungen steil nach oben geht, hängt man mit dem Jimny alles ab, was Räder hat. SUVs müssen sowieso passen, aber selbst Offroader wie ein Jeep Wrangler, ein Mitsubishi Pajero oder die legendäre G-Klasse können mit ihrer Leistung häufig nicht den Vorteil wett machen, den der Suzuki durch seine Größe genießt. Fahren muss man allerdings können, wenn man das Pedal durchtritt. Irgendwelcher Steuerungsfirlefanz ist nicht an Bord. Eine Klauenkupplung schließt Räder und Antrieb kurz, danach ist der Fahrer für sein weiteres Geschick verantwortlich. Auf lange Sicht spricht die simple Nutzfahrzeugwahrheit für den Puristen, dass alles, was nicht an Bord ist, nie kaputt gehen kann. Die Bodengruppe und die Federung wird man in zwanzig Jahren nicht zerstören können.

Günstiges Nutzfahrzeug

Immerhin 7000 Exemplare verkauft Suzuki im Jahr. Für Nostalgiker und Spaßvögel ist der kleine Japaner etwas teuer. Das Wägelchen kostet mindestens 15.000 Euro. Für das Geld gibt es auch einen Polo oder bei Suzuki einen Swift auf Wunsch sogar mit Allradantrieb. Im Alltag sollte man nicht allzu häufig mit vier Personen unterwegs sein, die zweite Reihe ist nur mit Mühen zu erreichen und bietet keinerlei Komfort. Beim Motor muss man nicht lange grübeln, es gibt einen 1,3 Benziner mit 86 PS. Für den Wagen reicht das aus. So sicher sicher der Jimny im Gelände anfühlt, auf der Straße mahnt er eher zur Zurückhaltung. Die Spitzengeschwindigkeit von 140 km/h muten sich nur Verrückte zu.

Spaß macht der Winzling immer. Was häufig fehlt, ist ein passendes Hobby, das diesen Kauf rechtfertigen könnte. Sympathiepunkte fährt der unzeitgemäße Wagen aber immer ein.

Korrektur:

Der Artikel erweckte den Eindruck, der Suzuki Jimny sei mit Blattfedern ausgestattet, dabei fährt der Jimny seit Jahren auf Schraubenfedern durchs Gelände. Die Darstellung war also falsch.

Weiterhin gab es einige Mails wg. der "Alltagstauglichkeit" des Jimny. Der Jimny wird meist und zu Recht als echtes Offroadfahrzeug gekauft. Nebenbei wird er dann im "normalen" Straßenalltag bewegt. Diese Aufgabe bewältigt er auch gut. Alle Halter, die der Autor kennt, nutzen den Jimny allerdings nicht als alleiniges Fahrzeug. Für längere Strecken etc. wird er nicht benutzt.

Ein Offroad-Fahrer bekommt mit ihm ein günstiges unverwüstliches Arbeitstier. Ein Jimny und ein Wagen der Kompaktklasse sind zusammen meist günstiger als ein Pajero. Ohne Nutzung im Gelände macht der Jimny allerdings wenig Sinn.


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