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Toyota Aygo 1.0 City: Ay, Ay, Aygo

Von einem Auto unter 9000 Euro kann man weder Wurzelholz-Intarsien verlangen noch Massagesitze aus Connolly Leder. Wohl aber pfiffige Ideen, gute Verarbeitung und sparsamen Verbrauch. Kann der Aygo das?

Der Aygo, so die Zielvorgabe der japanischen Marketing-Strategen, "soll der jungen Generation Europas zur Unabhängigkeit verhelfen" in einem Leben, "in dem Grenzen und Entfernungen praktisch keine Rolle mehr spielen". Nett gemeint. Aber Wunder darf man von dem kleinsten Toyota auf dem europäischen Markt für 8950 Euro Kampfpreis nicht erwarten. Um diesen Preis zu halten, hilft den Japanern nicht nur eine einfache Bauart, sondern auch die schiere Masse. Und das Hersteller übergreifend: Vom gleichen Band wie der Aygo laufen bei Toyota im tschechischen Kolin, 60 Kilometer von Prag, im Minutentakt auch die Modelle C1 von Citroen und 107 von Peugeot. Unter dem jeweils eigenständig gestylten Blechkleid steckt bei allen immer der gleiche Inhalt. 1,3 Milliarden Euro haben die drei Autos dafür investiert.

Aber auch, wenn ein kleines Auto nur relativ kleines Geld kostet: Bieten muss es dafür schon was. Und das tut er, der Aygo - wenn auch gelegentlich mit kleinen Abstrichen. Die ersten Sympathiewerte verdient er sich schon beim Außendesign. Dynamisch, knuffig, lustig, rund und eigenständig - verwechseln wird ihn so schnell niemand. Die kurzen Überhänge sorgen für eine optimale Ausnutzung der 3,41 Meter langen Karosserie. Das kommt vor allem dem Innenraum zugute. Der ist - für ein Auto dieser Klasse - direkt üppig bemessen. Selbst hinten kann man als Erwachsener noch relativ entspannt sitzen, wenn man die 1,80 Meter Körpergröße nicht überschreitet. Vorne haben auch etwas größere Fahrer noch gut Platz - der Sitz lässt sich ausreichend weit nach hinten verschieben, das Lenkrad ist zumindest in der Höhe einstellbar.

Die Sitze selbst machen auf den ersten Blick zwar einen etwas arg einfachen Eindruck, erweisen sich aber durchaus körpergerecht ausgeformt und straff gepolstert. Der Seitenhalt in Kurven könnte allerdings etwas besser sein. Von der übersichtlichen und pfiffigen Instrumentierung her ist der Aygo schnell und einfach zu bedienen. Die Schalter sind funktionell und griffig, die Pedalerie auch für breite Männerfüße ausreichend weit auseinander. Die Verarbeitung ist toyotatypisch gut, aus Gründen der Sparsamkeit findet sich allerdings etwas viel lackiertes Blech im Innenraum. Über einen Mangel an Ablagen wird sich im Aygo auch niemand beschweren können. Die Karosserie ist übersichtlich und auch im engen Stadtverkehr ist der Aygo handlich zu fahren.

Negativ: Die elektrischen Fensterheber funktionieren nur bei eingeschalteter Zündung und die Seitenspiegel muss man von Hand wie zu Hippie-Zeiten jeweils per Hebel eingestellt werden. Der einarmige Scheibenwischer reinigt einen zwar großen, aber doch eingeschränkten Bereich der Windschutzscheibe. Und um den Tankdeckel zu öffnen, ist eine ziemliche Fummelei mit dem Zündschlüssel nötig.

Leider war bei so viel Innenraum nicht mehr allzu viel Platz für den Kofferraum. Der ist mit standardmäßig 130 Liter Fassungsvermögen alles andere als üppig - selbst ein Smart hat 20 Liter mehr zu bieten. Und ein Fiat Panda ist mit 206 Liter gegen den Aygo ein wahrer Lkw. Selbst, wenn man die Lehnen der Rückbank umklappt, kommen nur 782 Liter mit Stufe zusammen - der Panda etwa hat dann immer noch 78 Liter mehr.

Besonders ärgerlich ist beim Aygo aber das Handling beim Beladen. Einen Kasten Sprudel etwa bekommt man angesichts der hohen Ladekante nur mit viel Wuchten und Verkannten in das schmale Stück Kofferraum - und die Hutablage versprüht nicht nur den diskreten Charme von kaltgepresstem Recycling-Material mit einer Prise grauem Filz, sondern ist permanent im Weg - bis man sie beim Rangieren mit der Ladung fluchend aber unabsichtlich aus der billigen Halterung hebelt. Immerhin hilft das dann etwas beim Verstauen der Getränkekiste. Da ist es nur noch eine Randnotiz, dass man sich beim Schließen der Heckklappe leicht die Finger schmutzig macht und es keine Kofferraumbeleuchtung gibt.

Drei Zylinder rasseln unter der schwungvollen Motorhaube des kleinen Aygo. Und das ist wörtlich zu nehmen: Wie bei drei Töpfen üblich läuft das 1-Liter-Maschinchen wenig kultiviert und ziemlich präsent. Er ist mit seinen 50 kW/88 PS keine Rennmaschine - aber er hat auch nicht wirkliche Probleme, den gerade mal 800 Kilo schweren Aygo auf Trab zu bringen. Allerdings will er auch getrieben werden: Dreht man die Gänge aus, hat man ein durchaus flottes Wägelchen. Von 0 auf 100 km/h braucht es 14,2 Sekunden - 93 Nm Drehmoment sind nicht gerade üppig. Schluss mit dem Vortrieb ist bei 157 km/h. Damit liegt der Aygo auf oder etwas über der Schnittlinie der anderen 1-Liter-Minis Matiz (14,i sec., 156 km/h), Fox 1.2 (17,5 sec., 148 km/h Spitze), Atos (15,8 sec., 147 km/h) und Co. Beim Schalten - und das muss man bei dem drehfreudigen Motor nicht gerade selten - hakelt es gelegentlich mal etwas. Und der fünfte Gang ist weniger zum Beschleunigen denn zum Sparen da.

Das Fahrwerk des Aygo ist - auch typisch für die Klasse - eher straff ausgelegt und richtungsstabil. Die meisten Fahrbahnunebenheiten schluckt die Federung klaglos, nur wenn die Wege zu schlecht werden, fängt es immer wieder mal an zu stoßen. In zu flott angefahrenen Kurven neigt der Aygo zum leichten untersteuern, vor allem für junge Fahrer kein Problem. Dennoch sollte man es nicht zu wild treiben: Bei dem Preis sind ESP und andere elektronische Helfer nicht einmal gegen Aufpreis drin. Nur auf ABS mochte Toyota dann doch nicht verzichten. Die Bremsen greifen ordentlich und sind gut dosierbar. Kopfairbags gehören immerhin zur Sonderausstattung. Im EuroNCAP-Crash kam der Aygo auf durchaus noch beachtliche vier Sterne.

In der Basisausstattung gibt es den Aygo für 8950 Euro - damit liegt er im Mittelfeld seiner Klasse auf einer Linie mit Fiat Panda, Renault Twingo, Kia Picanto und Hyundai Atos. Die beiden Brüder Peugeot 107 (9250 Euro) und Citroen C1 (8750 Euro) gruppieren sich preislich um den Aygo. Der Smart fortwo ist, vergleichbar motorisiert, rund 1000 Euro teurer, ein Nissan Micra kommt auf mindestens 10.990 Euro. Und ein Chevrolet Matiz ist mit 8190 Euro der preiswerteste im Bunde.

Pressinform / PRESSINFORM

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.