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VW Eos: Wolfsburg-Womanizer

Volkswagen will die Marke der "Traumwagen" werden. Der Träume, die auch finanzierbar sind. Aus der ersten Träumerei entstand das Cabrio Coupé Eos. In der nüchternen norddeutschen Tiefebene wird der Verstand offenbar selbst dann nicht abgeschaltet, wenn man eine griechische Göttin anhimmelt

Von Gernot Kramper/Athen

Stellen Sie sich vor, Sie sind jung und schön und erfolgreich. Okay, nicht so jung, nicht so schön und nicht so erfolgreich wie in einem Hollywoodfilm, aber es reicht doch um im Kreise der normalsterblichen Kollegen als attraktive Partie zu gelten. Früher fanden Sie den Peugeot 206 CC attraktiv, den Mann, der in der Reklame mit wilden Sprüngen ins Cabrio die kühle Blonde zum Lächeln bracht, fanden Sie auch sehr süß. Aber inzwischen wurden die Girlie-Zöpfe gekappt und morgens geht es im Designer-Kostüm in den Tag.

Wäre da nicht ein Wagen schön, den man bei Sonnenschein oben öffnen könnte, damit der Wind im Haar spielen könnte? Aber Sie wollen keine Kompromisse. Von einem alten MG haben Sie nie geträumt, ein Wagen sollte schon anspringen und nur zur Inspektion in die Werkstatt. Ein Sportwagen? Der sieht schön aus, aber was der kostet und überhaupt ist er so schrecklich unpraktisch.

Pragmatische Träumereien

Für diese stets nur im Rahmen des Möglichen verwöhnte Kundin, gibt es nun den Kuss der Morgenröte aus Wolfsburg. Der Name des praktikablen Wunderwesens: Eos. Der Name einer Göttin. Dabei ist der Eos nur in engen Maßen esoterisch, sondern überzeugt durch handfeste Vorteile. Der Eos ist ein, wie es VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard bei der Präsentation des Coupe-Cabrios in Athen ausdrückte, "erreichbarer Traumwagen". Ohne praktische Einbußen. VW soll nach Bernhards Willen überhaupt die Marke der erreichbaren Traumwagen werden. Also stets einen Schritt vor der Tür zum Premium Segment. Die Grunddaten des Eos: Bis zu 380 Liter Kofferraum, vier vollwertige Plätze, normale Sitzposition und die bekannte Wolfsburger Verlässlichkeit. Und das Dach.

Wolfsburger Origami

Besondere Liebe galt diesem Dach. Das Glas-Stahldach faltet sich nicht wie bei der Konkurrenz in drei, sondern in fünf Teilen zusammen. Zusätzlich befindet sich ein Glas-Schiebedach in der Konstruktion. Chapeau! Wer allerdings das Gestänge-Knäuel im Kofferraum sieht, wünscht VW nur, dass die Avantgarde-Konstruktion auch den Einsatz im harten Alltag übersteht. Öffnen und Schließen kann man es nur im Stand, das können andere Anbieter besser.

Eine Schönheit für die Schöne

Im äußeren Schein weiß der Eos zu becircen und setzt allein nicht auf patente Fähigkeiten. Allerdings erinnert der Eos weder an Göttinnen und noch an Nymphen oder anderes Fabelgetier. Für ein Wesen von jenseits der irdischen Sphären steht er deutlich zu massig auf dem Boden. Seine Gürtellinie liegt relativ hoch, das Vorwärtstreben der genau verteilten horizontalen Linien stößt auf einen massiven Grundkorpus und auch die Augenlider, die die Haube über den Scheinwerfern bildet, blicken eher ruhig, verlässlich und freundlich. Chefdesigner Murat Günak beschreibt den Eos dann auch nicht als entfleuchendes Nymphchen, sondern zutreffender als "Gentleman, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht." Dabei in jeder Gelegenheit ein leichtes Lächeln verbreitet und in keiner Lage die Fassung verliert. Welche Frau wünscht sich so etwas nicht? In der Garage gibt es den Traumtypen frei Haus. Der Eos verkörpert in Reinkultur die Eleganz, die bei VW nach der Einführung des neuen Golfs eingezogen ist. Das kompliziert gefaltet Dach macht es möglich, dass die Holme der A-Säule dem Fahrer nicht mehr in die Augen stechen, das Dach sich nicht mehr wie ein Kaulquappe wölbt und das Heck zwar etwas schwerhüftig wirkt, aber längst nicht mehr so wie Moby Dicks Rücken. So wie bei den Blechklappern der ersten Generation.

Das ist kein Cabrio

Eines sollte aber klar sein. Der Eos ist ein hübscher Alltagswagen, den man oben öffnen kann. Eine Art "Bora Convertible", ein klassisches Cabrio wurde nicht aus ihm. Wessen Gedanken beim Wort "Cabrio" beim Begriff "Roadster" starten, um dann bei "Extravaganz" und "Sportlichkeit" auf Touren kommen, sollte gleich wieder runterschalten. Für diese Träume ist der Eos viel zu massig, man sitzt sehr hoch, bequem für den Ein- und Ausstieg, vom echten Cabrio-Feeling aber keine Spur. Trotz mancher Innovationen erinnern Mittelkonsole und Armaturenbrett nicht an Ausflüge an der Cote d'Azur sondern an Golf Plus in Edelversion. Von Extravaganzen keine Spur. Schon der Wagenkörper wurde sehr hochgezogen. Eine Badewanne auf vier Rädern, so etwas soll weit eher "Sicherheit" als "Sportlichkeit" suggerieren. Wer eigentlich auf das A4 Cabrio oder den kommenden BMW 3er Cabrio schielt, wird auch mit den Fahrleistungen auf kurviger Straße nicht glücklich werden. Den Eos-Kundinnen wird das wenig ausmachen. Alles wie im Golf? Wo ist das Problem, Armaturen und Schalter versteht man auf Anhieb. Kein Kurvenweltmeister? Die Eos-Frau legt auf Brechreiz-Attacken auf dem Beifahrersitz wenig Wert.

Weniger ist genug

Für den sportlichen Fahrer ist die 2.0 Liter FSI mit 150 PS am Hang vergleichsweise schlapp. Da hatte der gefahrene 2.0 Turbo-Diesel mit 140 PS deutlich mehr Wumms und der 2.0 FSI mit Turbo und 200 PS mehr Biss. Die Einstiegsmotorisierung mit 115 PS stand nicht zur Verfügung, aber man darf vermuten dass sie vielen Eos Kunden ausreichen wird. Das Schaltgetriebe ist präzise und ausreichend knackig. Lenkung und Fahrwerk geben eine gute Rückkopplung, aber der Wagen lädt weder zur Beschleunigungs- und Brems-Orgien, noch zu allzu forschem Kurvenkratzen ein. Ein Racer ist dies nicht. Oben offen cruisen, mit dem Wind im Gesicht: das geht auch mit 110 PS. Wozu den Eos mit DSG und Sechszylinder aufbohren? Der bärenstarke Sechszylinder aus dem Golf R32 kommt im Herbst auf den Markt.

Der Einstieg beginnt mit dem 115 PS Benziner bei 25.950 Euro liegt, für den Diesel wollen 4000 Euro mehr bezahlt werden. Der 2.0 FSI mit 150 PS kommt auf 27.950. Für den V6 werden mit Doppelkupplungsgetriebe (DSG) 35.500 Euro fällig. Spätestens in dieser Preisregion gibt es echte Premium-Cabrios. Für sportliche Fahrer wächst im eigenen Haus ohnehin ein harter Konkurrent heran. Das kommende A3 Cabrio bekommt das klassische Stoffdach, mit Sicherheit eine andere Abstimmung und ist unzweifelhaft "Premium". Zudem dürfte es sich in ähnlichen Preisregionen bewegen. Der Eos ist dann nur für die interessant, die so einen großen Wagen haben wollen und unbedingt unter dem Blechdach überwintern wollen.

Träume aus Niedersachsen

Der Eos hat das Zeug zum Traumwagen, aber nicht zum Traumcabrio. Und das ist gut so. Die Klappdach-Technologie macht den Traum vom offenen Wagen auch für die interessant, die keine besonderen Rallyeambitionen hegen. Und das ist der Eos in jedem Fall geworden Ein schöner Alltagswagen, der den Sonnenschein hereinlässt. Seine äußere Form wirkt sehr elegant, aber kein bisschen extravagant. Innen herrscht der allseits bekannte VW-Standart. Der Eos ist fast 2000 Euro teuerer als mancher Konkurrent, dafür ist er etwas größer, was den Rücksitzen zugute kommt. Hinzu kommt der Name VW. Der schon immer für einen Erfolg gut war, auch wenn man als letzter im Segment Platz genommen hat. Und nicht zuletzt gibt es das sensationelle Dach mit Glassegment. Die praktische denkende Schönheit genießt damit den Wolfsburger Kuss der Morgensonne auch an schönen Wintertagen.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.