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Zweiter Weltkrieg: Flaktürme - Festungen gegen die alliierten Bomber

Nach den ersten Luftangriffen auf Berlin war Hitler geschockt. Er ordnete den Bau riesiger Türme an, auf deren Dach Luftabwehrgeschütze montiert waren. Doch auch sie konnten die alliierten Bomberflotten nicht aufhalten.

Badeleben vor dem geborstenen Bunker.

Badeleben vor dem geborstenen Bunker.

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Als sich zeigte, dass die deutsche Luftwaffe die alliierten Bomberverbände nicht wirkungsvoll bekämpfen konnte, verfielen die Nazis auf mittelalterliche Methoden, um den Bombenhagel zu entkommen. Fabriken wurden in Bergwerke ausgelagert und überall im deutsch kontrollierten Gebiete entstanden Bunker, denen auch die schwersten Bomben nichts anhaben sollten.

Über den Nutzen der Bauvorhaben lässt sich streiten. Höhlen und Bunker waren zwar bombensicher, die Zufahrtswege waren es aber nicht. Die Alliierten begannen die zuführenden Gleisanlagen zu zerstören und auch die Einfahrten zu den U-Boot-Bunkern wurden ständig überwacht.

Plattform für Geschütze

Ein Sonderfall des deutschen Bunkerbaus waren die sogenannten Flak-Türme. Als Bunker boten sie der Bevölkerung Schutz, aber auf ihrem Dach waren Flugabwehrkanonen montiert.

Die britische Luftwaffe unternahm im Jahr 1940 ihren ersten Bombenangriff auf Berlin. Es wurden kaum 200 Bomben abgeworfen, kein Vergleich zu den späteren Angriffen, an denen Flotten von 1000 schweren Bombern teilnahmen. Hitler und die Berliner waren geschockt.

Zweiter Weltkrieg: Flaktürme - Festungen gegen die alliierten Bomber
Badeleben vor dem geborstenen Bunker.

Badeleben vor dem geborstenen Bunker.

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"Die Berliner sind wie vor den Kopf geschlagen", so ein Radio-Korrespondent aus den USA. "Sie haben nicht damit gerechnet, dass so etwas je passieren könnte. Zu Beginn des Krieges hat Göring ihnen versichert, es werde nie geschehen." In einem in einem sogenannten "Führer Sofortprogramm" wurde mit dem Bau von insgesamt acht großen Türmen begonnen, drei davon in Berlin.

Diese Bunker wurden nicht in den Boden gegraben, sie strebten in die Höhe. Sie mussten höher sein, als die sie umgebenden Häuser. Nur durch die hohe Plattform war es in den Großstädten möglich, den schweren Flugabwehrgeschützen Geschützen auf dem Dach ein freies Schussfeld zu verschaffen. Wegen des enormen Gasdrucks beim Feuern konnten die schweren Geschütze ebenerdig nicht im bebauten Gebiet eingesetzte werden.

Unzerstörbare Festungen

Der bekannteste Bau ist der Flakbunker am Zoo in Berlin. Das 13-stöckige Gebäude aus Stahlbeton wurde bereits 1941 fertiggestellt. Auf dem Dach wurden vier Lafetten für je eine schwer Doppelflak im Kaliber 12,8-cm ("Zwölf-Acht-Zwilling") aufgestellt. Die unteren Plattformen, die sich wie ein Kranz um den Bunker schmiegten, wurden 20 mm und 37 mm Kanonen bestückt. Sie sollten gegen Flugzeuge eingesetzt werden, die den Turm direkt attackierten. Die Seitenwände waren acht Meter dick, die Decke maß fünf Meter Stahlbeton.

Im oberen Bereich war ein Krankenhaus untergebracht. 350 Mann der 1. Flak Division umfasste die zivile Besatzung des Turms, insgesamt konnten 15.000 Menschen dort Schutz vor Bombenangriffen Schutz suchen.

Die Flaktürme konnten während des Krieges tatsächlich nicht zerstört werden. Aber gegen die alliierten Luftangriffe waren sie weitgehend machtlos. Der Feuerhagel der Flak erschwerte das Manövrieren der Bombergruppen und führte auch zu Verlusten. Doch das das Feuer vom Boden konnte die Unterlegenheit der deutschen Luftwaffe nicht ausgleichen. Nachdem die Alliierten in der Lage waren, ihre Bomber von Jägern mit großer Reichweite begleiten zu lassen, wurde die Lage aussichtslos.

Rolle beim Zusammenbruch der NS-Herrschaft

Seine größte Rolle spielte der Betonklotz in Berlin in den letzten Tagen des Dritten Reiches. Die Parallelwelt des Führerbunkers unter der Reichskanzlei ist weit bekannt. Dort verkroch sich Hitler mit seiner engsten Entourage. In dem ungleich größeren Flakturm suchten zur gleichen Zeit Tausende Schutz vor den Artillerie und den Bodenkämpfen gegen die Rote Armee.

Während die Zivilisten vor den Kämpfen flohen, wurde der Turm zu Festung umgewandelt. In der Umgebung hoben die letzten Verteidiger Bunker und Gräben aus, die schweren Flakgeschütze nahmen die Panzer der Sowjets unter Feuer.

Der Bunker konnte bis zur Kapitulation nicht eingenommen werden. Durch seine beherrschende Höhe war der Bunker einer der Ankerstellungen des letzten Widerstandes im Regierungsviertel von Berlin. Auch die stärksten Kaliber hinterließen nur oberflächliche Kerben auf dem Beton. Im Inneren herrschte die Apokalypse. Verwundete, Kinder und Zivilisten konnten nur unzureichend versorgt werden. Überlebende schilderten später, wie die Aufzüge in einem fort die zerschmetterten Körper von Hitlerjungen, die die Geschützte bedienten, vom Dach herunterbrachten. Auch wenn der Bunker selbst nicht zu knacken war, waren die Soldaten auf der Plattform weitgehend schutzlos.

Im geteilten Berlin fiel der Turm in die britische Zone. Die Briten wollten den Koloss unbedingt sprengen. Zwei Versuche scheiterten, erst die dritte Sprengung mit 35 Tonnen Sprengstoff ließ den Beton bersten.

Andere Großbunker stehen auch heute noch in Hamburg und Wien.

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