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IAA: Rabattschlacht und neue Konkurrenz

Für einige Autohersteller geht es vielleicht sogar ums Überleben - andere wollen an alte Erfolge anknüpfen. Die Internationale Automobil-Ausstellung 2005 ist die Messe der Hoffnung.

Die Autohersteller-Branche leidet unter Überkapazitäten und Kostenproblemen, erlebt einen knallharten Wettbewerb und hat sich zudem auf wichtigen Märkten in eine beinahe ruinöse Rabattschlacht manövriert.

Druck von allen Seiten

Insbesondere Volumenhersteller wie VW und Opel sehen sich bedrängt. Von oben stoßen Premiumhersteller wie BMW in das Segment, von unten machen Koreaner und Japaner ihnen das Leben schwer. Die Koreaner mit Hyundai und Kia haben seit Jahresbeginn in Deutschland um traumhafte 35 Prozent zugelegt. Jetzt kommt mit den Chinesen, die erstmals auf der IAA ausstellen, ein neuer Billigwettbewerber hinzu.

Die deutsche Autoindustrie sieht die neue Konkurrenz von Marken wie Geely, Brilliance und Landwind allerdings nicht als akute Gefahr. "Die Chinesen werden nicht von heute auf morgen einen merklichen Anteil am deutschen Markt haben", sagt der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk. "Noch fehlt es an der Bekanntheit und Präsenz der Marken." Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler ist sich aber sicher, dass die Chinesen ernst genommen werden müssen, "sie werden langfristig einen Marktanteil von fünf Prozent in zehn Jahren erreichen".

Höchste Zeit durchzustarten

Nach Ansicht des Automobilexperten Prof. Ferdinand Dudenhöffer werden die Chinesen von Anfang an mit hohen Qualitätsstandards an den Start gehen - und bringen einen massiven Preisdruck. "Wer jetzt nicht seine Kostenstrukturen in Ordnung bringt, wird es schwer haben", sagt der Direktor des Center of Automotive Research der FH Gelsenkirchen.

Russische Mechaniker haben einen Bentley-Panzer aus Luxuswagen und Kettenfahrzeug gebaut.

Kostensenkung lautet ohnehin das Gebot der Stunde. Opel hat mit seinem radikalen Sanierungsprogramm und dem Abbau von 9500 Stellen im zweiten Quartal operativ erstmals seit Jahren wieder schwarze Zahlen geschrieben. VW plant weitere Sparprogramme in Milliarden-Höhe - auch der designierte DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche steht unter Druck, weitere Sparerfolge zu erzielen. Die Korruptionsaffäre bei VW sowie Qualitätsprobleme und Rückrufaktionen haben das Image der Marken beschädigt.

Hingucker ohne Ende

Mit rund 80 Premieren wollen die Hersteller dem erwarteten Millionenpublikum ein neues Auto schmackhaft machen. Echte Hingucker werden aus deutscher Sicht sicher die neue S-Klasse von Mercedes- Benz, der Porsche Cayman, der erste Audi-Geländewagen Q7, die Kombis vom VW- Passat und vom 3er BMW oder die neuen Cabrios von Volkswagen und Opel sein.

Die neuen Modelle sollen auch einen Ausweg aus der Rabattfalle bieten, in der die Anbieter - wie in den USA - inzwischen fast alle mehr oder minder tief stecken. Nach Expertenmeinung haben die Preisnachlässe inzwischen Höchststände von durchschnittlich bis 15 Prozent auf den Listenpreis erreicht - das wären fast 3000 Euro pro Wagen, zu Lasten der Erträge. «Wegen der Belebung des Automarktes werden die Preisnachlässe in den nächsten Monaten sinken», ist Gottschalk überzeugt. "Das geht aber nicht per Knopfdruck."

Feinstaub-Verunsicherung

Unter Druck sind die deutschen Hersteller auch in der Feinstaub-Debatte geraten, weil sie nicht schnell genug Rußpartikelfilter liefern können. Im Juli gingen die Zulassungen bei Wagen mit Dieselmotor in Deutschland um 10,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück - die Kunden sind wegen der Debatte um Fahrverbote verunsichert.

Angesichts der Rekordpreise an den Tankstellen dürfte das Thema Treibstoffeinsparung und alternative Antriebe zu einem wichtigen Trend der weltgrößten Automesse werden, schätzt das Prognose-Institut B&D-Forecast. Alle wichtigen deutschen Hersteller werden am Main ihre Hybrid-Modelle zeigen, die teilweise schon 2006 in Serie gehen könnten.

Marion Trimborn und Frank Heidmann/DPA / DPA

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