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Lamborghini Winter Academy: Lambo Italiano

Im reinrassigen 520 PS-Sportler wie Rallye-Legende Walter Röhrl durch die Kurven driften. Wer bereit ist sein erspartes Urlaubsgeld zu opfern, für den werden in der Lamborghini Winter Academy Träume wahr. Und man muss nicht mal Lambo-Eigner sein.

Von Christian Gebhardt

Leicht einlenken und dann schnell dem wilden Stier einen kurzen Vollgasstoß versetzen. Sofort brüllt das heiße V10-Aggregat laut auf und der muskulöse Lambo-Bulle wirft kühn seinen Hintern um die Ecke. Mit einer ultraschnellen Lenkbewegung flink gegenlenken und nur durch moderates Gasgeben den Heißsporn durch die verschneite Kurve driften.

Liegende Tellerwäscher können gleich nach Hause gehen

Ganz so schnell geht der Weg zum potentiellen Rallye-Weltmeister dann doch nicht. Für die Drift-Novizen heißt es in der Lamborghini Winter Academy erst einmal büffeln. Und zwar Trockenübungen. Nach der Erläuterung des potenten Allrad-Sportgerätes Gallardo weisen die Klassenlehrer, in Form von Lamborghini-Testfahrern, eindringlich auf die korrekte Sitzposition hin. Lässige Liegehaltung, wie beim coolen Cruisen an der Strandpromenade, ist völlig fehl am Platz. "Auch Tellerwäscher können gleich nach Hause gehen", untermauert Academy-Chef Giorgio Sanna, dass ebenfalls mit beiden Händen am Volant gekurbelt werden muss.

Für die maximal zehn Nachwuchs-Drifter wird's dann endlich ernst. Nach der trockenen Theorie warten vor dem Klassenzimmer bereits fünf Lambos mit scharrenden Hufen auf die Schleuder-Praxis im Schnee. Auf einem kurvigen Rundkurs dürfen sich die Academy-Teilnehmer erst mal mit dem verschneiten und eisigen Geläuf anfreunden. Auch schon bei geringem Krafteinsatz bringen die 520 Allrad-Pferdchen das ESP gehörig ins Schwitzen. Die grelle Warnlampe im Cockpit ist im unermüdlichen Dauereinsatz. Doch nicht nur die Traktionshilfen haben viel zu tun. Wer denkt, bei den eisigen Graden ist warmes Winter-Outfit angesagt, hat falsch gewählt. Schon wenige Kurven und blitzschnelle Lenkbewegungen, die eher an manuelles Sahneschlagen erinnern, sorgen für eine angenehme Körpertemperatur.

Köstlicher Lambo-Sound bei 8000 Umdrehungen

Unterschiedliche Drift- und Bremsübungen bereiten die Academy-Kandidaten auf die ultimative Querfahrt vor. Für das verschneite Schleuder-Vergnügen haben die Lamborghini-Verantwortlichen unterschiedliche Versionen der giftigen Flunder aus Sant'Agata in die Dolomiten nach Cortina d'Ampezzo gekarrt. Entweder werden die Gänge per E-Gear über eindrucksvolle Lenkrad-Wippen gewählt oder das metallische Klacken der offenen Sechsgang-Schaltkulisse sorgt bei jedem Gangwechsel für sinnliche Musik. Egal, wie die Fahrstufen gewechselt werden, der köstliche Lambo-Sound des sportlichen Zehnzylinders, bei bis zu 8000 Umdrehungen, sorgt für breites Grinsen und Gänsehaut bei jedem Gasstoß. Das Kind im Manne wird so schnell aktiviert, wie die Traktionskontrolle abgeschaltet wird.

Ohne ESP wird es dann richtig ernst. Ein Meter hohe vereiste Schneemauern sind nicht grad vertrauenerweckende Auslaufzonen. Spätestens jetzt ist die optimale Dosierung des Gaspedals unabdingbar. Zu viel Speed, ein wenige Zentimeter zu langer Drift und schon würde das heiße Geschoss zum Preise einer Eigentumswohnung unsanft einschlagen. Dieser Gedanke sorgt bei Ottonormalverbraucher im Drift-Einsatz für höchste Vorsicht. "Motor an - Hirn aus"- Piloten werden von den erfahrenen Instruktoren schnell eingebremst. Auf dem eisigen Rundkurs werden die Power-Slides nie ohne verantwortlichen Beifahrer durchgeführt. Bei den Trainingsübungen ist man ausnahmsweise mit dem italienischen Schneekönig alleine. Diese finden allerdings auf einem weitläufigen ebenfalls schneebedeckten Parkplatz statt. Tänzerische Pirouetten im Lambo kicken hier aber höchsten die aufgestellten Markierungshütchen zur Seite.

Drift-Diplom statt Sommerurlaub

Am Ende des anderthalb tägigen Fahrerlehrgangs fällt der Abschied schwer. Zu sehr machen die eindrucksvolle Geräuschkulisse des Mittelmotor-Renners und der ultimative Driftwinkel im Schnee abhängig. Nebenbei ist der Lerneffekt hoch. Auch zu Beginn zaghafte Teilnehmer schleudern am Ende des Tages gekonnt über die gesamte Breite des rutschigen Parcours. Eine schicke Urkunde nach bestandenem Drift-Diplom stellt am Ende nur noch die Frage nach dem Sinn der kuriosen Übung. Einfach Spaß ist die banale Antwort. Wer seinen gebuchten Sommerurlaub für 1800 Euro storniert und die Knete dafür nach Italien überweist, wird dies garantiert bestätigen.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.