HOME

MAYBACH-ERPROBUNG: Riesen-Schinderei

Ob Kleinstwagen oder Prunk-Schlitten - bevor ein neues Auto auf die Kundschaft losgelassen wird, muss der neue Blechhaufen unzählige Testqualen erleiden.

Ob Kleinstwagen oder Prunk-Schlitten - bevor ein neues Auto auf die Kundschaft losgelassen wird, muss der neue Blechhaufen unzählige Testqualen erleiden. Den Erprobungsfahrten konnte auch der frisch vorgestellte Maybach nicht entkommen. Ganz im Gegenteil. Gerade weil die Sechs-Meter-Kiste mit einem Anschaffungspreis von mindestens 310.00 Euro kein Schnäppchen ist, musste der Über-Mercedes eine besonders harte Testphase schlucken.

24 Maybach »verschrottet«

Wenn Metall sprechen könnte, kämen die 27 Prototypen, die stellvertretend für die gesamte Maybach-Baureihe leiden mussten, aus dem Quasseln gar nicht mehr heraus. Ganz zu schweigen von den 24 Limousinen, die während der Fahrt durch die Crash-Test-Anlage vom automobilen Traum in schnödes Altmetall umgewandelt wurden. Weit über sieben Millionen Euro hat DaimlerChrysler auf diese Art und Weise gegen die Wand gefahren, geht man mal vom »kleinen« Maybach aus, der mit 310.000 Euro zu Buche schlägt.

Safety first

Zum Fenster rausgeworfenes Geld? Von wegen! Die schwäbischen Autobauer taten gut daran, beim Thema Sicherheit keine Rücksicht auf Verluste zu nehmen. Man stelle sich nur vor, der Mega-Schlitten schneidet beim renommierten NCAP-Test mit weniger als Fünf-Sternen ab! Die Konkurrenz von Renault würde sich schlapp lachen, immerhin haben die Franzosen ein ähnliches Ergebnis mit dem im Vergleich zum Maybach popeligen Laguna erreicht.

2,5 Millionen Testkilometer

Da man jedoch davon ausgehen muss, dass der Drei-Tonnen-Koloss nicht ständig gegen irgendwelche Wände fährt, musste der Maybach auch ausgeklügelte Fahrtests über sich ergehen lassen. Über 2,5 Millionen Testkilometer hat das Prestige-Objekt dabei abgespult. Egal ob auf wohltemperierten Prüfständen, topfebenen Rennstrecken, knallheißen Wüsten oder eisigen Winterlanschaften - ein Maybach darf keine Schwäche zeigen. Und so zog das Test-Team um Maybach-Projektleiter Hermann Gaus mit Sack und Auto um die Welt, um den »dicken« Daimler zu quälen.

Hochgeschwindigkeitstest auf der süditalienischen Rennstrecke in Nardo, Fahrwerkstest in Barcelona und Ausflüge zum DaimlerChrysler-Testgelände in Papenburg müssen den Testfahrzeugen vorgekommen sein wie nette Sonntagsausflüge. Richtig unangenehm wurde es bei den Abstechern nach Norwegen, Amerika, Schweden, Österreich, Frankreich und Dubai. Unter teilweise extremen klimatischen Bedingungen setzten die Tester alles daran, die edlen Limousinen an ihre Leistungsgrenzen zu bringen.

Beispiel Laredo

Staub, Schlaglöcher und autofeindliche Temperaturen zeichnen das Testgebiet in der Nähe des Rio Grande aus. Auf dem »Automotive Proving Ground« im texanischen Laredo musste der Maybach leiden für die Serie. Mit Klebestreifen bis zur Unkenntlichkeit abgeklebt, prügelten die Tester das gute Stück durchs texanische Outback. Schwächen durften sich dabei weder Karosserie, Motor oder Klimaanlage leisten. Ein Reparaturaufenthalt in der Wildnis wäre kein Zuckerschlecken - bei einer Temperatur von mehr als 40 Grad fühlen sich Klapperschlangen pudelwohl.

Jedes noch so kleine Bauteil wurde vorab mit metallischen Messstreifen beklebt, die die Oberflächentemperatur anzeigen. Denn selbst wenn es auf der Ablage unter der Heckscheibe mehr als 120 Grad heiß wird, darf sich nichts verziehen.

Beispiel Arjeplog

Nicht viel besser erging es den Prototypen, die es in die Nähe des Polarkreises verschlug. Im schwedischen Arjeplog steigt das Thermometer selten über 20 Grad - Minus! Ziel des Testbegierde ist dabei ein über 300 Meter tiefer See, der seit über 30 Jahren für Wintertest herhalten muss.

Auf seinem blankgeputzten Eis wagten die Maybach-Folterknechte ausgiebige Tänzchen mit dem Riesen. Dabei musste sich das Dickschiff ähnlich grazil übers Eis dirigieren lassen, wie die wesentlich kleineren Automodelle der anderen Konzernmarken. Besonders Im Vordergrund stand dabei das elektrohydraulische Bremssystem, das die automobile Wuchtbrumme unter Kontrolle halten soll.

Weltpremiere in New York

Von all der Schinderei sieht man dem »High-End-Auto« natürlich nichts an, das gerade an Bord der »Queen Elizabeth 2« auf dem Weg nach New York ist, wo am 2. Juli die Weltpremiere des Maybachs gefeiert werden wird. Ganz standesgemäß reist das gute Stück in einem Spezialcontainer auf dem Sonnendeck des Luxusliners. Eigentlich schade, dass Metall nicht sprechen kann.

Jochen Knecht

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.