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Motorradtour 12 - Tallinn: Grabesstimmung in der Partystadt

Nach zwei Stunden Schlaf haben wir für die 200 Kilometer nach Tallinn sieben Stunden Zeit. Genug, denken wir. Doch dann gibt eine Antriebswelle auf, und die Fähre nach Stockholm verlässt ohne uns die estische Hauptstadt.

Von Matthias Schepp

Die Straße von der russisch-estnischen Grenze bis nach Tallinn wird zum Grab unserer Hoffnungen. Wir wollen zügig über Skandinavien nach Deutschland durchfahren, aber Wetter und Technik haben sich gegen uns verschworen. "Jetzt zahlen uns die Dinger heim, was wir ihnen in Sibirien angetan haben", sagt Rene, der Badener. Ein Motorrad nach dem anderen bleibt nun liegen, muss mühselig und zeitraubend repariert werden.

Nach 25 Stunden ohne Schlaf und einem Marathon von Pannen, Reparaturen, Dauerregen und einer Nachtfahrt haben wir uns zwei Stunden Ruhe in einem Motel in Narva gegönnt, direkt hinter der russisch-estnischen Grenze. Die Augen drohten uns zuzufallen, alle waren durchgefroren bis ins Mark.

Weiterfahren wäre gefährlich gewesen, wenigstens eine kleine Pause musste sein. Um sieben Uhr morgens fallen wir in die Betten, um neun sitzen wir wieder auf unseren Seitenwagen-Gespannen. Um vier Uhr geht die Fähre nach Stockholm. Wir haben sieben Stunden für zweihundert Kilometer und wir sind bereit Tallinn, diesen Juwel mit seiner wunderbar erhaltenen mittelalterlichen Altstadt, links liegen zu lassen, wenn wir nur pünktlich die Fähre erreichen. Bald setzt ein mörderischer Regen ein.

Estland ist grün und flach, so flach, dass die Esten eine wenig mehr als Meter hohe Erhebung "Großer Eierberg" nennen. Die Betonung auf groß. Von der Landschaft aber bekommen wir wenig mit. Der Wind peitscht die Tropfen gegen unsere Helme, im Nu dringt die Nässe durch unsere Schutzkleidung. Die Hände färben sich schwarz vom Leder der Handschuhe. "Ich habe mich so gefreut, als ich das Stadtschild von Tallinn gesehen habe", sagt Peter. "Wir lagen noch ganz gut in der Zeit." Dann bleibt sein Bike liegen.

Die Antriebswelle, die seit unserer notdürftigen Reparatur in der Nacht zuvor heftig eiert, hat endgültig den Hartgummiring zermalen, der zwischen Welle und Motor sitzt. Georg, der Fotograf, versucht Peter abzuschleppen. Peter hängt über seinem Motorrad wie ein mongolischer Reiter aus Dschingis Khans Heer beim Angriff auf den Feind. Mit seiner Linken versucht er die Welle einigermaßen im Lot zu halten, damit er sich nicht verkeilt, mit der rechten Hand steuert er. Irgendwann schafft er es nicht mehr. Wir stoppen, müssen einen Abschleppdienst rufen. Die Zeit verrinnt, wir verpassen die Fähre. Als wir in den Innenstadt einrollen, hören das Tuten der Stockholmfähre aus dem Hafen und eine Grabesstimmung macht sich breit.

Nach der Regenhölle und der Enttäuschung kommt uns Peter Knoll, ein Großcousin von Rene, wie ein Engel vor. Er ist der Geschäftsführer des Schlössle, des besten Hotels von Tallinn Schlössle im Netz, Tel: 00372-6286500, fax: 00372-6286565. Zu einem Freundschaftspreis gewährt er uns Obdach. Wir hatten ihm am Telefon von unserem Missgeschick berichtet, er ließ die Hotelsauna noch vor unserer Ankunft anheizen. Unsere Stimmung wird besser. Am Abend tragen uns in Gästebuch des Hotels ein. "Endlich sind wir mal in würdiger Gesellschaft", scherzt Rick, der Brite. Vor uns sind im Schlössle abgestiegen: Prinz Charles, Ex-Bundespräsident Roman Herzog, Kanzler Gerhard Schröder, Außenminister Joschka Fischer, die Musiker Sting, Joe Cocker und die 80er Jahre-Popper Duran Duran.

Der Keller des Hotels stammt aus dem 13. Jahrhundert. Er birgt das "Stenhus" Restaurant. Hier trifft sich das halbe estnische Kabinett zum Gedankenaustausch. Bei einer Zigarre und gutem Wein freunden wir uns mit dem Gedanken an, mit der Fähre nicht nach Stockholm, sondern nach Rostock zu fahren. Die 1300 Kilometer durch Skandinavien können wir mit den schwer angeschlagenen Maschinen nicht mehr bis zum achten Juli schaffen. Am neunten müssen Rick, der Engländer, und Rene, der ruhige Badener, wieder arbeiten. Rene droht die Entlassung, wenn er nicht pünktlich zurück in Jakarta ist.

Dank der Panne genießen wir zwei Tage lang das schöne Tallinn

Bis zur Rostockfähre bleiben uns zwei Tage. Wir reparieren die Motorräder und genießen die Schönheit der alten Hansestadt. Sie wurde vor rund 1000 Jahren gegründet, war der östlichste Punkt der Hanse und Hochburg des Deutschen Ordens. Von ihrer Eroberung durch die Dänen im Jahr 1219 bis 1917, als Estland den miteinander Krieg führenden Großmächten Russland und Deutschland, die Unabhängigkeit abtrotzte, wurde die Stadt Reval genannt. Zwei Kilometer der ehemals doppelt so langen Stadtmauer sind erhalten, 26 der 46 Wehrtürme.

Gegen Mitternacht laufen wir zum Hollywood Club, der heißesten Disco am Ort, die sich in den jüngsten Jahren den Beinamen Partyhauptstadt verdient hat. Junge Finnen kommen am Wochenende mit der Drei-Stunden-Fähre zum Tanzen und Saufen. Für Briten, die in London schon jeden Club gesehen haben, ist Tallinn eine Trendadresse. Aus Deutschland gibt es dreizehn Flüge in das 1, 4 Millionen Einwohner Land, sieben davon von Lufthansa. Die Zahl der deutschen Touristen hat im vergangenen Jahr um zwanzig Prozent zugenommen und es sind nicht nur Rentnergruppen, die sich ins Baltikum aufmachen.

Der Beitritt Estlands und seiner baltischen Nachbarstaaten Lettland und Litauen, in die Europäische Union hat die Region noch interessanter gemacht. Für die Esten ist die EU ein Schutzschild gegen den übermächtigen Nachbarn Russland im Osten, der Estland so lange beherrscht und unterdrückt hat.

Vielen Esten ist deshalb die mächtige Alexander-Newski-Kathedrale, die mit ihren fünf Zwiebeltürmen auf dem Domberg thront, ein Dorn im Auge. Seit dem Zerfall der Sowjetunion und der Unabhängigkeit Estlands, revanchieren sich die Esten an den Russen, die mehr als ein Drittel der Bevölkerung ausmachen. Nur wer gut estnisch sprich und eine Test absolviert, erhält die Staatsbürgerschaft. So kommt es, dass die Mehrheit der in Estland lebenden Russen gleichsam staatenlos ist. Sie haben weder die estnische noch die russische Staatsbürgerschaft.

Das Feuerwerk aus Gotik-, Renaissance-, Barock- und Klassizismus-Architektur in Tallinns Altstadt aber überdeckt die politischen Probleme. Peter, der den ganzen Weg aufs Tempo gedrückt hat, sagt: "Wow, hier kann man getrost noch länger bleiben." Für uns aber rückt das Ende der Reise näher. Nach der Rostockfähre sind es nur noch 250 Kilometer nach Berlin. Morgen werden wir ankommen.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.