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Alfa Romeo 4C: Adrenalinspritze

Der Alfa Romeo 4C soll der italienischen Traditionsmarke den dringend benötigten Lebensimpuls geben.

Alfa Romeo "Quattro Ci" oder eben schlicht "4C". Wenn ein autoaffiner Italiener diese Worte hört, beginnen seine Augen zu leuchten, der Herzschlag beschleunigt sich. Der Carbon-Sportwagen soll der dahinsiechenden italienischen Traditionsmarke eine Adrenalinspritze verpassen, um das Cuore Sportivo wieder zum Schlagen zu bringen. Schließlich verblasst so langsam der Lack solch grandioser Klassiker wie dem Alfa Romeo Giulia oder dem 1750 "Bertone". Ganz zu schweigen von dem legendären Duetto-Rundheck-Spider aus dem Filmklassiker "Die Reifeprüfung". Die letzten Modelle, wie der 159 oder der Brera sahen zwar gut aus, ließen aber fahrdynamisch einiges zu wünschen übrig. Genau dieses Manko soll der 4C aus der Erinnerung der Alfisti löschen und überdies in den USA für einen Neuanfang der Marke sorgen. Denn wenn die Wiederbelebung des sportlichen Herzens Bestand haben soll, ist der Erfolg auf einem finanzstarken Markt, wie Nordamerika, entscheidend. Optisch gelingt die Reanimation: Die Formensprache erinnert an Klassiker wie den "33 Stradale". Lediglich über die Insekten-Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht scheiden sich die Geschmäcker. Gut. Nachts schauen die Formicula-Augen immerhin ganz gut aus.

Doch wie schaut es mit der Fahrdynamik aus? Da schlägt das Cuore Sportive stark, wie schon lange nicht mehr. Der 895 Kilogramm schwere Mittelmotor-Sportler erfüllt alles, was man sich von einem echten Alfa Romeo erwartet. Er ist eine kompromisslose Fahrmaschine, die aus Gewichtsgründen auf fast jeden überflüssigen Schnickschnack verzichtet. Das geht schon bei der Lenkung los, die ohne Servo-Untestützung auskommt, aber dennoch leichtgängig genug ist, dass man die meistens Kurven locker bewältigen kann, ohne umgreifen zu müssen. Nur beim Rangieren muss man etwas mehr kurbeln als bei einem Panda mit City-Funktion. Das nimmt der 4C-Alfista aber gern in Kauf. Schließlich ist es genau das, was er von einem Sportler mit dem Scudetto auf der Frontschürze erwartet.

Auch die Präzision der Steuerung erinnert an die sportliche Vergangenheit. Das Zirkeln der 3,99 Meter langen Flunder ist eine echte Freude. Anbremsen, Anvisieren, Ansteuern und Angasen. Das Fahrspaßstakkato wiederholt sich Kurve um Kurve, so dass man gar nicht mehr aufhören will und seine Route nur noch nach serpentinenartigen Passstraßen aussucht. Wie es sich für einen Mittelmotorsportwagen gehört, ist das Heck recht leichtfüßig und lässt sich mit wohldosierten Gasstößen ohne Probleme zum Mitlenken animieren. Dabei hilft auch die Gewichtsverteilung von 40:60. Übertreibt man es, will der schicke Hintern die Front überholen, wird aber vom ESP oder einem schnellen Gegenlenken problemlos wieder beruhigt. Dass dieser Agilität ohne variable Dämpfer realisiert wird, spricht für die Abstimmungsarbeit der Ingenieure und für die Eingriffe des elektronischen Sperrdifferenzials 2Q, das durch gezielte Bremseingriffe zur Leichtfüßigkeit beiträgt. Das ultimative Gokart-Feeling ist aber mit einer sportlichen Härte verknüpft, die auf Dauer nichts für bandscheibengeplagte Naturen ist. Dazu gehört auch das Ein- und Aussteigen in die Fahrgastzelle, das nur mit Übung und einem Grundmaß an Gelenkigkeit halbwegs graziös gelingt.

Je nach Gusto und Fahrkönnen kann man den Alfa Romeo 4C auch mit dem bekannten DNA-Schalter scharfstellen. Neben den bekannten Modi All-Weather, Natural und Dynamik kommt jetzt noch der Race-Modus hinzu, bei dem das ESP deaktiviert ist und nur bei einem ABS-Regeleingriff dem Fahrer unterstützend zur Seite springt, sich aber sofort wieder verabschiedet, sobald die Sensorik einen normalen Fahrzustand meldet. Wer im Straßenverkehr Spaß haben will, fährt am besten im Dynamikmodus, der die Gänge ohne Rücksicht auf Verluste über 6.000 Umdrehungen ausdreht und auch kleine Drifts erlaubt. Dann ist auch die Gasannahme giftiger als in der Natural-Stellung und auch die das Getriebe schnalzt die Gänge schneller rein. Der Antriebsstrang aus Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe und Vierzylinder-Alu-Motor ist im Grunde identisch mit dem der Alfa Romeo Giulietta 1.8 TBi 16V Quadrifoglio Verde; weswegen der 240-PS-Motor auch quer eingebaut ist. Das ändert nichts daran, dass das Aggregat grandios am Gas hängt und den 4C gnadenlos nach vorne peitscht. Untermalt von einer herrlichen, süchtigmachenden Motoren-Geräusch-Melange aus Ansaugen, Verbrennen und vollmundig sprotzenden Gasstößen. So scharf sich der Renner von außen anhört, so angenehm klingt es im Innenraum. Der Motorsound ist zwar allzeit vernehmbar, aber nicht dröhnend präsent.

Das Cockpit präsentiert sich genauso puristisch wie der Rest. Alles was Gewicht bringt, wurde verbannt. Deswegen sind die Türgriffe aus Leder und einige Bauteile aus Hartplastik. An manchen Stellen könnte die Verarbeitung besser sein. Wackelnde Handbremshebel und nicht sauber eingepasste Verkleidungen verzeiht der leidgeprüfte Alfista gerne, da der 4C einen riesigen Fahrspaß bietet. Allerdings fehlen Seitenairbags. Auch die Anzeigen sind auf das Nötigste reduziert: Ein digitales Voll-Kombi-Instrument gibt alle notwendigen Informationen. Nach einer gewissen Gewöhnungszeit hat man sich an die Vielzahl der Informationen gewöhnt und alles im Blick. Besonders fein ist es, dass sich das kreisrunde Drehzahlband von weiß nach gelb bis rot verfärbt, wenn man die Gänge so wunderbar ausdreht. Auch das ist typisch Klassik-Alfa: Wenn man Wasser für die Scheibenwischanlage nachfüllen will, muss man zunächst vier Schrauben an einem Gitter an der vorderen Haube lösen, um das entfernen zu können. Weniger verzeihbar ist, dass der Beifahrersitz nicht einmal in der Länge verstellbar ist, deswegen Mittelkonsole und Knie im ständigen Wettstreit sind und größere Zeitgenossen nicht wirklich bequem Platz finden.

Bleibt zum Schluss nur noch der Preis: Mit 50.500 Euro kostet der Alfa Romeo 4C etwas mehr als ein Porsche Boxster. Wählt man eines der beiden Pakete Sport (unter anderen mit der wohlklingenden Auspuffanlage) oder Design (u.a. mit LED-Scheinwerfer) und garniert dieses noch mit Annehmlichkeiten wie einer Lederausstattung, 19-Zoll Rädern (1.550 Euro) oder Parksensoren (500 Euro), die man wegen der schlechten Sicht nach hinten dringend braucht, kratzt man ruckzuck an der 60.000 Euro-Marke. Der Preis dürfte für manche nicht das Problem sein, die Schwierigkeit ist eher, ein Exemplar zu ergattern. Denn von der Jahresproduktion von 3.500 kommen nur etwa zehn Prozent nach Deutschland.

Press-Inform / pressinform

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.