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60 Jahre Radarfalle: Lieber Blitzer, Glückwunsch zum Geburtstag - aber du kannst mich mal!

Vor 60 Jahren wurden die ersten Radarfallen in Deutschland aufgebaut. Der Beginn einer wundervollen Freundschaft sieht anders aus.

Radarfalle: Blitzer wird 60

Die Radarfalle gibt es seit 60 Jahren

Lieb gewonnen haben die Deutschen Radarfallen nie, dabei rühmte die ARD die Blitzer gerade als "Mutter aller Selfies". Der Beitrag war ironisch, ganz anders als das humorlose Vorgehen von Blitzerhassern in Deutschland: Bei Bad Kreuznach besprühten im Sommer Unbekannte einen hochmodernen Apparat mit "Abzocke". In Chemnitz wurden später sechs Geräte durch Schmierereien und Brandsätze zerstört, in Mettmann ein ganzer Blitzer abgesägt und mitgenommen.
Seit vor etwa 60 Jahren Radaranlagen Einzug in das Straßenbild in Deutschland hielten, gibt es neben lustigen Fotos mit Schweinekopfmasken, Stinkefingern und blanken Hintern immer wieder solche Fälle von Vandalismus mit abgesägten oder in Brand gesetzten Radaranlagen. Das geht bis zum Fall eines Busfahrers, der im Jahr 2000 an der Autobahn 4 in seinem Privatwagen geblitzt wurde und aus Sorge um seinen Job einen Polizisten der Autobahnpolizei erschoss.

Politiker und Polizei feiern Erfolg des Blitzers

Die Wut der Autofahrer steht dabei im krassen Gegensatz zu den Bewertungen der meisten Politiker und Polizisten. Diese sehen in der Radarfalle anders als die Ertappten ein erfolgreiches und wichtiges Erziehungsinstrument. Überhöhte Geschwindigkeit gilt noch immer als Unfallursache Nummer eins. Mit Hilfe von mehr Blitzern und mehr Überholspuren könnte die Zahl der Verkehrstoten auf Straßen außerhalb geschlossener Ortschaften halbiert werden, ergab etwa eine im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums erstellte Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen vor vier Jahren.


Doch solche Studien ändern nichts am schlechten Image der Radarfallen, das sie schon kurz nach ihrem Start bekamen. 1956 wurde das erste Gerät der Firma Telefunken auf einer Polizeiausstellung vorgestellt, am 21. Januar 1957 startete das Innenministerium von Nordrhein-Westfalen den ersten Feldversuch in Deutschland. Bald darauf wurden die ersten fest installierten Radarfallen aufgebaut und standen an den Straßenrändern Zivilfahrzeuge der Polizei mit mobilen Blitzern.

Raser vs. Radarfallen

Mit dem Einzug der Technik begannen auch die teilweise absurd anmutenden Versuche ertappter Raser, ihrer Strafe zu entgehen. 1962 berichtete der "Spiegel" von einem Prozess vor dem Amtsgericht Monschau: Ein nach einer zu schnellen Fahrt in der Eifel zu fünf D-Mark verknackter Versicherungskaufmann wollte Schwalben das Auslösen des Blitzes in die Flügel schieben. Ein Hamburger Physikprofessor schrieb gleich zwei Gutachten, die aber kein eindeutiges Ergebnis brachten.

Technik gegen Temposünder

Solche Verfahren, die häufig absurde Züge trugen, beschäftigten über Jahre die Gerichte in Deutschland. Allerdings konnten die Temposünder mit fortschreitender Technik immer schwerer ihrer Strafe entgehen. Längst gibt es Hightechblitzer, die für den Autofahrer nicht erkennbar blitzen. Falls sich Verkehrsteilnehmer für besonders gewieft halten, gibt es auch noch klassische Polizeiarbeit. In München wurde ein Motorradfahrer 26 Mal in einem Tunnel geblitzt und fühlte sich wegen seines nicht zu erkennenden Kennzeichens wohl sicher. Auf der Leverkusener Rheinbrücke fuhr ein kürzlich gefasster Mann sogar 27 Mal mit dem Auto in die dortige Radarfalle, er montierte vorher seine Kennzeichen ab. In beiden Fällen konnte die Polizei den Wiederholungstätern aber auflauern.


Strafen zu niedrig?

Solche Fälle nähren bei manchen Politikern den Verdacht, dass die Strafen in Deutschland noch viel zu niedrig sind. Im vergangenen Jahr startete Niedersachsen eine Initiative mit dem Ziel, Tempoüberschreitungen von 20 Stundenkilometern und mehr mit 1000 Euro zu bestrafen.
"Wir müssen deutlich machen, dass zu schnelles Fahren kein Kavaliersdelikt ist - es gefährdet Menschenleben, und zwar tausendfach", sagte Landesinnenminister Boris Pistorius (SPD) damals. Die Innenministerkonferenz prüft den Vorschlag aus Hannover seitdem - die technischen Voraussetzungen zum Ertappen gibt es seit nun 60 Jahren.

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kg / AFP

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