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L.A. Auto Show: Wiedergeburt der Benzo-Saurier

Elektro-Trend? Der war einmal, selbst im grünen Los Angeles. Alternative Antriebe sind nur noch Beilage, der Hauptgang der Messe besteht wie eh und je aus Benzinern. Am besten mit 500 PS und mehr.

Von Harald Kaiser, Los Angeles

Ausgerechnet Tesla. Von dem sehr ambitionierten kalifornischen Hersteller von Elektroautos ist auf der Los Angeles Auto Show, die diese Woche beginnt, weit und breit nichts zu sehen. Man hätte erwarten können, dass gerade Tesla in den Hallen des Los Angeles Convention Center Flagge zeigt. Nicht nur, weil diese internationale Automesse im Ruf stand, sich besonders dem grünen Gedanken zu widmen. Sondern auch, weil Kalifornien der US-Bundesstaat ist, in dem Tesla die meisten Autos verkauft. Was liegt also näher, diese Bühne zu nutzen, um Stellung zu nehmen zur aktuellen Malaise? Zu zeigen, dass die Marke weiter lebensfähig ist.

Tesla verkriecht sich

Denn Tesla hat in den letzten Wochen katastrophale Imagebeulen im schönen Blechkleid davongetragen. Innerhalb kurzer Zeit sind drei Model S-Limousinen abgebrannt. Das wäre eigentlich nicht weiter schlimm, weil es unter Autos mit Verbrennungsmotor viele tausend Brandfälle pro Jahr gibt, die nur selten für Schlagzeilen sorgen. Doch bei Tesla ist es anders, weil Chef Elon Musk sich und seine Firma durchaus nicht zu Unrecht als Vorreiter einer Bewegung sieht und deshalb auch gerne mal Konkurrenten aus der Benzinbranche verhöhnt. Es kann also gut sein, dass das Abschmieren des Tesla-Aktienkurses auch eine Art von Abwatschen für Elon Musk und ein Hinweis darauf ist, bitteschön die eigenen Probleme zu lösen, bevor aus der Talfahrt des Wertpapiers wieder eine Bergfahrt werden kann. Derzeit dümpelt es bei unter 100 Euro herum, im Sommer lag es noch bei einer Notierung von 144 Euro.

Ein bisschen Öko-Dekoration bleibt

Auch wenn damit ein wichtiges Vorzeigeunternehmen für umweltfreundliches Autofahren auf der Messe fehlt, der grüne Gedanke steht hier in Los Angeles ohnehin nicht mehr so im Vordergrund wie einst. BMW zeigt natürlich seine bereits bekannten Elektroflitzer i3 und i8 wie auch die Hybridversion des neuen 4er-Coupés. Aber so richtig nach vorne in Sachen Zukunft prescht nur Honda voran. Zusätzlich zum bereits existierenden FCX Clarity, in dem eine Brennstoffzelle mihilfe von Wasserstoff Strom erzeugt, zeigen die Japaner eine weiterentwickelte Studie mit gleicher Technik, die 2015 auf die Straße kommen soll. Denn allein mit dem sauberen Wasserstoff ist es möglich, Reichweiten für Elektroautos von 500 Kilometern und mehr zu erzielen.

Selbst der V8-Motor ist wieder da

Das war es dann auch schon größtenteils in Sachen Green Car. Klar, auf jedem Stand ist von CO2-Reduzierung die Rede, mal mehr oder weniger stark und mal mehr oder weniger glaubhaft. Die eigentlichen Showstars sind aber die altbekannten Benzinsaurier. Auch wenn es nirgendwo explizit in großen Lettern steht, spürbar ist die Devise an jeder Ecke der Auto Show: Es geht vielfach um Leistung und Luxus. Mit an der Spitze der Powerbewegung ist ein ganz besonderer neuer T-Rex: eine silberfarbene Mercedes-Flunder mit einem V8-Biturbo-motor, der 585 PS leistet. Ursprünglich brauste der Wagen nur digital über die Pisten des Computer-Rennspiels "Gran Tursimo". Doch nun haben die Schwaben das Auto in die Realität überführt. Wohl auch, um den Betrachtern mitzuteilen, dass Designanklänge dieses martialischen Coupés auch am nächsten Sportwagen SLS zu finden sein werden, der 2014 auf den Markt kommen soll.

Verkehrssünder benutzen verbotenerweise den Standstreifen.

Dass leistungsmäßig noch einen Tick mehr geht, zeigt ebenfalls Mercedes. Die schärfste Version der neuen S-Klasse, der S 65 AMG, hat sogar einen Zwölfzylinder mit 630 PS unter der Haube. Die Spitze wurde auf 250 km/h gedrosselt, der Preis auf 314.000 Dollar (232.050 Euro) raufgeschraubt. Nicht viel schwächer sind der GMC Yukon XL oder der nur optisch aufgebrezelte Cadillac Escalade.

Dass Benzinkutschen nach wie vor und auch wohl noch lange marktbeherrschend in den USA bleiben dürften, zeigen nicht nur die sehr gebremsten Zulassungen der Elektromobile in dem riesigen Land. Bis Oktober wurden 501.369 neue Automobile angemeldet, die im weitesten Sinne über einen umweltfreundlichen Antrieb verfügen – von fast 13 Millionen Neuzulassungen insgesamt. Das sind kümmerliche 3,9 Prozent des Marktes. Aber: Es geht leicht aufwärts, im ganzen Jahr 2012 lag die Zahl nur bei 3,4 Prozent.

In den USA gehen jetzt auch Kleinwagen

Ursache für die so gut wie stagnierende Zahl ist die wieder stärker erwachte Lust der Amerikaner am Benzinmobil. In dem Land, in dem Fünf-Meter-Kaleschen als Mittelklassewagen gelten, gehen neuerdings auch sparsame Kompakt- und Kleinwagen wie geschnitten Brot. Konzerne wie Ford, Chrysler und General Motors strahlen über Zuwachsraten von durchschnittlich bis zu 15 Prozent im entsprechenden Modellsegment. Ein außergewöhnliches Beispiel ist der Chevrolet Spark, dessen Verkäufe sich bis Ende September gegenüber 2012 sogar verdoppelt haben.

In der Kategorie der Kleinen und Hübschen will auch BMW mit dem überarbeiteten Mini weiter mitmischen. Der Anglo-Bayer ist nicht nur zehn Zentimeter gewachsen, er ist auch sparsamer geworden. So gibt es unter anderem fortan einen Dreizylinder-Benziner (136 PS) wie auch einen Dreizylinder-Diesel (116 PS) in dem Auto mit englischen Wurzeln. Insbesondere der letztere Motor soll mit angeblich nur 3,5 Liter Kraftstoffverbrauch auf 100 Kilometer ein besonderer Schmalhans sein. Mal sehen, ob dieser theoretische Wert tatsächlich in der Praxis erreicht wird.

Porsche jagt die Mittelklasse

Relativ kompakt auch, aber keinesfalls untermotorisiert ist der neue Porsche Macan, den der schwäbische Premium-Hersteller in Los Angeles enthüllte. Der Mini-Geländewagen mit Allradantrieb und dem vermutlichen Einstandspreis von 50.000 Euro ist mit Spannung erwartet worden und der Star der Ausstellung. Entsprechend war der Andrang der Fotografen und Kameraleute, als Vorstandschef Matthias Müller unter gleißenden Scheinwerfern, ein Blitzlichtgewitter im Blick und unter aufbrandendem Applaus das neueste Zuffenhausener Modell auf die Bühne fuhr. Wobei Zuffenhausen nicht ganz richtig ist. Dort sitzt zwar die Zentrale, gebaut wird der Wagen im Werk Leipzig, das eigens deswegen für mehr 500 Millionen Euro ausgebaut worden ist.

Technisch Pate stand in geringem Maße der Konzernbruder Audi Q5, wenngleich der Macan freilich optisch innen wie außen ein unverwechselbarer Porsche ist. Vor allem beim Thema Motoren ließen sich die Schwaben nicht vom eigenen Weg abbringen: Die zwei V6-Aggregate mit 340 und 400 PS (Biturbo) sind Eigengeschöpfe. Von Audi hingegen stammt der V6-Diesel mit 285 PS. "Mit der Markteinführung beginnen wir im April 2014", sagt Müller. Zuerst in Deutschland, dann Europa und später in den USA und in China.

Mit dem Wagen will die VW-Tochter mittelfristig die Marke von 200.000 verkauften Autos knacken. 2013 wurden von Januar bis September bereits fast 120.000 Porsche weltweit an den Mann gebracht. Müller: "2014 werden wir das gesteckte Verkaufsziel von 50.000 Macan sicher noch nicht schaffen." Aber ein Jahr später hält er das für realistisch. Gelingt der Kraftakt, wäre der Macan nach dem großen Bruder Cayenne der zweitwichtigste Porsche, danach kämen dann die Sportwagen.

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