HOME

Opel Agila: Vom Hausmuttchen zur Businessfrau

Opel hat seinem knuffigen Kleinmobil ein Bodystyling verpasst: Der neue Agila sieht deutlich aggressiver und aerodynamisch aus. Zehn Wochen vor der IAA präsentierten die Rüsselsheimer das neue Modell in seiner Wahlheimat Italien.

Von Kathrin Buchner

In Venedig ein Auto vorzustellen, ist fast so absurd wie die neueste H&M Bikinikollektion in der Antarktis zu präsentieren. Schließlich sind die Autobahnen in der Lagunenstadt aus Wasser, nicht aus Beton. Inhaltlich hat es aber durchaus seine Berechtigung, an der blauen Adria das ebenso blaue Protomodell der einst so knuffigen Kinderwagenkutsche zu präsentieren. 47 Prozent aller Opel Agilas wurden schließlich in Italien verkauft.

Da ist es nur konsequent, dass man im Land von Gucci, Prada und Versace ein wenig mehr Style in das bodenständige Teutonen-Gefährt bringt. Jetzt sieht der Agila nicht mehr aus wie ein kantiger Kastenwagen, sondern hat dank dynamisch geschwungener Seitenlinien und schräg stehender Scheinwerfer, die Mandelaugen ähneln, Schnittigkeit und Spritzigkeit gewonnen. Dafür hat man ein wenig die Proportionen verändert, das Dach um einige Zentimeter abgesenkt, dafür alles andere ein wenig vergrößert.

Schließlich wollen neue Käuferinnen-Schichten erschlossen werden: Nicht nur die praktische denkende Hausfrau soll den Agila erwerben, sondern auch die trendy Businessfrau, die mit dem Stadtflitzer auch mal groß gewachsene Geschäftspartner chauffiert. Die haben nämlich immer noch Platz - solange sie keinen Zylinder auf dem Kopf tragen. Lediglich mit der Beinfreiheit sieht es schlechter aus. Die hohe Sitzposition wurde beibehalten. Denn Frauen wollen eben den Überblick bewahren - besonders beim Einparken müssen alle Ecken gut sichtbar sein.

Das freundliche Gesicht ist geblieben

Besonders stolz ist Chefdesigner Uwe Müller auf das "Gesicht" des neuen Agilas. Obwohl die Kulleraugen schrägen Scheinwerfern weichen mussten, und die vertikale Linie des Kühlergrills betont wurde, ist der freundliche Ausdruck erhalten geblieben. "Er sieht immer noch putzig aus", sagt Müller. Die Opel-Designer und auch Designerinnen, von denen allerdings keine zur Präsentation anwesend war, wissen eben, was Frauen wollen. Kein Auto, mit dem sie ihr Image aufpeppen, sondern ein verlässliches Fortbewegungsmittel mit leicht bedienbaren Funktionen. So lassen sich die Sitze jetzt mit einem Knopfdruck umlegen. Dadurch passen 16 Getränkekisten in den Laderaum, insgesamt fasst der Kofferraum dann ein Volumen von 1050 Litern.

Und man hat viel Wert auf Details gelegt: Auf dem Cockpit ist Stauraum für CDs, es gibt Extra-Ablagen und Fächer für Sonnenbrille und Mobiltelefon. Das Lenkrad ist höhenverstellbar, die Ziffer im Tachometer sind rot beleuchtet, der Drehzahlmesser sitzt in einem separaten Gehäuse auf der Armatur.

Spritzig und spritarm

Gebaut wird der Minivan in Ungarn. Joint-Venture Partner Suzuki hat zwei völlig neue Benzinmotoren entwickelt. Für technische Details interessieren sich Frauen ja sowieso nur begrenzt. Wenig verbrauchen soll er und spritzig soll er sein. Mit 75 PS kann man im Agila in 13,5 Sekunden auf Null auf Tempo 100 durchstarten, mehr als 170 Sachen macht er allerdings nicht. Einigermaßen umweltschonend ist man auch unterwegs, der Co2-Ausstoß soll unter 130 Gramm pro Kilometer liegen. Vor Anfang nächsten Jahres wird das putzige Agila-Gesicht allerdings nicht auf deutschen Straßen zu sehen sein.

Wissenscommunity