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Umwelt-Zertifikat für Autos Rotlicht für dieses Ökosiegel


Ein neues Label soll beim ökologisch korrekten Autokauf helfen. Die Regierung macht aber eine Farce aus den EU-Vorgaben: In Deutschland sollen die dicksten Brummer besonders umweltfreundlich sein.
Ein Kommentar von Gernot Kramper

Man kennt die bunten Label von Kühlschränken: Grün steht für umweltfreundlich, Gelb oder Orange zeichnen das Mittelfeld, bei Rot wird es bedenklich. Ab Herbst soll so ein Kennzeichen auch den Autokauf erleichtern. Unter dem griffigen Namen "Pkw-Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung" sollen die bunten Kleckse leicht verständliche Informationen auf Prospekten und Werbung bieten.

So einfach, so klar. Wenn da nicht ein besonderer deutscher Passus wäre: Für die Einteilung in Effizienzklassen wird neben dem CO2-Ausstoß das Fahrzeuggewicht berücksichtigt. Das Ergebnis des deutschen Sonderweges orientiert nicht, es irritiert: Ein Wagen wie der Audi Q7, der - selbst wenn man seine Größe berücksichtigt - unter deutlichem Übergewicht leidet, sticht nun sparsame Kleinwagen aus.

Was ist Effizienz?

Genaugenommen war das Fiasko zu erwarten. Das Siegel soll über Effizienz und nicht über CO2-Ausstoß bzw. Verbrauch aufklären. Ein CO2- bzw Verbrauchssiegel wäre schnell erledigt: dazu muss man nur den Normverbrauch in CO2-Ausstoß umrechnen und fertig. Das Ergebnis wäre wenig überraschend, und hätte vermutlich auch niemand vor den Kopf gestoßen: Dass ein Porsche Panamera S mehr verbraucht als ein Polo, ist allgemein bekannt.

Stattdessen wurde der Begriff "Energieeffizienz" gewählt. Aber was soll Effizienz beim Auto sein? Beim Kühlschrank ist die Frage einfach zu beantworten, man muss nur Kühlleistung und Energieverbrauch in Beziehung setzen. Aber beim Auto? Ist ein effizienter Sportwagen ein Geschoss, das Tempo 250 mit einem erträglichen Verbrauch kombiniert? Müsste beim SUV nicht Watt- und Steigfähigkeit berücksichtigt werden? Bei einem großen Diesel seine Fähigkeit, schwere Lasten zu transportieren? Wie steht es mit der Sicherheit? Oder dem Komfort?

Die dümmste denkbare Lösung

Alle Wünsche und Einsatzzwecke unter einem Farblabel zu vereinen, ist vermutlich unmöglich. Aber weil die Sache so komplex ist, wählte die Bundesregierung den einfachsten und dümmsten Weg. Politisch gewollt war, dass die großen deutschen "Premiumfahrzeuge" bei dem System gut abschneiden. Das tun sie jetzt, aber um den Preis eines "Fat is beautiful"-Ranking. Der Imageschaden ist gewaltig. Eine Branche die sich gern als technologisch führend bezeichnet, rettet sich mit einem Dicken-Bonus über die Runden.

An Absurditäten ist das Ergebnis nicht zu überbieten: Eine Umweltschutzorganistation hat bereits genüsslich ausgerechnet, dass ein Leopard 2-Panzer eine bessere Bewertung als ein Golf erreicht. Bei 60 Tonnen Einsatzgewicht braucht man eben keine Energiesparreifen mehr.

Besser kein Label als diese Schummelpackung. Leider hat auch der Bundesrat der Vorlage des Wirtschaftsministeriums zugestimmt. Mit der Bitte in drei Jahren auch andere Kriterien zu prüfen. Neben dem Gewicht – so finden die Ländervertreter – könnte man auch die Anzahl der Sitzplätze berücksichtigen. Da fast alle Pkw – bis auf Sportwagen - Fünfsitzer sind, ist das ein besonders cleveres Kriterium.


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