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Deutschlands Stauhochburgen Trotz Lockdown und Homeoffice: Hier stehen Autofahrer trotzdem stundenlang im Stau

Nordrhein-Westfalen, Schwerte: Autos stehen an einer ausgeschalteten Ampel
Autos im Stau: In diesem Fall war die Ursache eine ausgefallene Ampel.
© Oliver Berg / DPA
Während der Corona-Pandemie ist der Verkehr in deutschen Städten deutlich zurückgegangen. Wie stark, zeigt ein aktueller Stau-Index. Dennoch braucht man auf manchen Strecken noch immer viel Geduld.

Freie Fahrt, wo normalerweise dichter Verkehr herrscht – das war der Eindruck des ersten Corona-Lockdowns in Deutschland vor gut einem Jahr. Dass in deutschen Innenstädten in der Coronakrise deutlich weniger Auto gefahren wird, ist nun auch statistisch bestätigt: Laut der internationalen Untersuchung "Global Traffic Scorecard 2020" des Verkehrsanalysen-Anbieters Inrix liegt das Verkehrsaufkommen auch jetzt noch deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. "Im Februar 2021, ein Jahr nach Beginn der Corona-Krise, liegt die Anzahl der Fahrten in die Innenstädte immer noch 40 Prozent unter dem Vorkrisen-Niveau von Februar 2020", schreiben die Experten für Verkehr und Connected-Car-Services, also Dienste vernetzter Fahrzeuge.

Die Mobilität in Deutschland ist laut der Analyse binnen eines Jahres stark zurückgegangen. Untersucht wurden in der Staustudie nicht nur deutsche Trends, sondern auch globale Entwicklungen – insgesamt wurden für die Untersuchung mehr als 1000 Städte in 50 Staaten weltweit analysiert.

Dabei kam heraus: Trotz Corona, Lockdown und Homeoffice verbringen Autofahrer im Schnitt noch immer etliche Stunden hierzulande im Stau. Vergleichsweise viel Geduld brauchten die Münchner – Autofahrer dort standen mit 65 Stunden überdurchschnittlich lange im zähflüssigen Verkehr, was den Fahrern in der bayerischen Landeshauptstadt einen globalen 20. Platz im internationalen Stau-Ranking bescherte.

In München und Berlin warten Autofahrer besonders lange im Stau

An Platz zwei in Deutschland steht Berlin – hier warteten Autofahrer 46 Stunden, gefolgt von Nürnberg (35 Stunden) und Hamburg (33 Stunden). Staureichste Straßen hierzulande sind der Tempelhofer Damm/Mehringdamm (B96) in Berlin zwischen Borussiastraße und Tempelhofer Ufer sowie die Schleißheimer Straße in München von der Detmoldstraße bis Karl-Theodor-Straße / Ackermannstraße.

Betrachtet man alle deutschen Städte zusammen, fällt jedoch auf, dass die Zeit im Stau insgesamt im Pandemie-Jahr sank: Im Schnitt verbrachten die deutschen Autofahrer 26 Stunden im Stau – das waren satte 20 Stunden weniger als im Vorjahr. Das lag auch daran, dass die Menschen insgesamt weniger mobil waren: Die tägliche Fahrleistung sank im Vergleich zum Vorjahr. Weniger Verkehr bedeute auch weniger Unfälle, so die Inrix-Experten.

"Das Corona-Virus verändert die Art und Weise, wann, wo und wir uns bewegen. Staatliche Beschränkungen und die zunehmende Verbreitung des Virus haben quasi über Nacht zu einem veränderten Reiseverhalten geführt", wird Bob Pishue, Verkehrsanalyst bei Inrix, in der Pressemitteilung zu der Verkehrsanalyse zitiert.

Stau aus dem Nichts – wie geht das?

Sehen Sie im Video: Stau aus dem Nichts – wie er entsteht und wie er sich vermeiden lässt.

Allerdings hielt der Effekt nur teilweise an. Denn die Experten beobachteten auch, dass die Zahl der Fahrten mit den gelockerten Auflagen während des Sommers stieg und sich dem Vorkrisen-Niveau wieder annäherte. "Interessanterweise kletterte das Verkehrsaufkommen in München im September sogar vollständig wieder auf den Stand von Februar 2020", heißt es in der Studie. Und auch während des zweiten Lockdowns in Deutschland war das Verkehrsaufkommen in Deutschland zwar noch immer reduziert – aber wieder deutlich höher als während des ersten.

Der Corona-Effekt wird auf absehbare Zeit vor allem in den Innenstädten bleiben, prognostizieren die Inrix-Verkehrsexperten. Unsere Innenstädte seien aufgrund ihrer zahlreichen Arbeitsplätze, Bürogebäude, Restaurants und Unterhaltungsangebote am stärksten von der Pandemie betroffen. Homeoffice und die weiter geltenden Einschränkungen würden voraussichtlich dafür sorgen, dass der Verkehr in den Stadtzentren in diesem Jahr hinter dem Fahrtaufkommen in Vorstädten und ländlichen Gebieten zurückbleiben werde.

Deutsche Staus sind im Vergleich zu denen in Rumänien kurz

Im globalen Vergleich können sich die deutschen Autofahrer übrigens nicht beklagen: Da  führt Rumäniens Hauptstadt Bukarest die Liste staureichsten Städte an. Hier verbrachten Autofahrer mehr als fünf Tage im Stau und verloren insgesamt 134 Stunden pro Jahr, gefolgt von der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá (133 Stunden). Auch die Autofahrer in New York verbringen viel Zeit im zähflüssigen Verkehr – dort waren es im Schnitt 100 Stunden.

QuelleINRIX Traffic Scorecard 2020


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