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Rallye-Newcomer Hugo Arellano: "Ich blende die Angst aus"

Fliegende Autos, quietschende Reifen: Am Freitag startet die Deutsche Rallye-Meisterschaft. Für den 21-jährigen Hugo Arellano ist es das erste große Rennen. Im stern.de-Interview spricht er über das harte Training, Unfälle und die Angst seiner Mutter.

An diesem Freitag startet die Deutsche Rallye-Meisterschaft (DRM) im bayerischen Oberland. Seit mehr als 40 Jahren ist die DRM Deutschlands bedeutendstes Ereignis für professionelle Rallyefahrer und Motorsportfans. 120 Teams aus 15 Ländern kämpfen zwischen Schnee, Schlamm und Schotter in sieben Rennen um den Sieg. Für den Luxemburger Hugo Arellano ist es die erste DRM. Der 21-Jährige wurde von Suzuki entdeckt und gehört zu den jüngsten Teilnehmern im Starterfeld. Er ist mächtig aufgeregt vor dem bisher größten Rennen seiner Karriere.

Wie geht es Ihrer Familie vor Ihrer ersten großen Rallye?

Meine Mutter hat viel Angst, traut sich nicht an den Streckenrand. Sie spricht zwar nicht offen darüber, aber als Sohn spüre ich das. Sie wird zu Hause bleiben und schaut im Internet nach den Ergebnissen. Aber mein Vater ist bei jedem Rennen dabei und fiebert mit. Ich glaube, er erlebt dabei seinen eigenen Kindheitstraum.

Wie sieht es bei Ihnen mit der Angst aus?

Natürlich habe ich die, aber ich blende die Angst komplett aus. Wie sollte ich sonst schnell fahren können? Ich hatte im letzten Jahr einen größeren Unfall und bin beim Suzuki Rallye Cup mit rund 100 km/h gegen eine Wand geprallt. Aber außer ein paar Prellungen ist mir nichts passiert. Zum Glück war die Sicherheitszelle des Autos gut ausgerüstet.

Was reizt Sie am Rallyefahren?

Es ist einfach ein großartiges, intensives Gefühl, eine Mischung aus Aufregung, Adrenalin und einer Prise Angst. Eben ein richtiger Extremsport. Ich fahre am Limit, die Zeit ist der große Gegner.

Ihr Team lobt Ihre steile Leistungskurve. Machen Sie diese Vorschußlorbeeren nervös?

Mein Teamchef Niki Stelle baut keinen Druck auf. Ich will viel Erfahrung sammeln. aber natürlich auch gute Plätze erreichen. Ich hoffe, dass ich in die Top 10 komme. Aber erst einmal freue ich mich, dass mir Suzuki die Chance und das Vertrauen gegeben hat.

Als erfahrene Copilotin sitzt die 31-jährige Deutsche Kendra Stockmar neben Ihnen. Funktioniert die Arbeitsteilung?

Ich vertraue ihr blind. Zwischen uns gibt es keine Diskussionen. Sie ist das Gehirn und ich bin der Körper, der ihre Kommandos am Lenkrad umsetzt. Vor der Rallye diktiere ich ihr mit einem Codesystem die Strecke, wie ich sie wahrnehme. Bei einer schnellen Kurve lautet der Code etwa "Links voll – Aufpassen – Innen – nicht reinschneiden". Außer diesen Kommandos sprechen wir während der Fahrt nicht.

Sie sind 21 Jahre alt und haben schon einen Uni-Abschluss.

Das stimmt. Ich bin mit knapp 18 Jahren mit der Schule fertig geworden, habe dann ein dreijähriges Jura-Studium abgeschlossen und jetzt habe ich ein Kriminologie-Studium in Belgien gestartet.

Hilft Ihnen die Kriminologie für den Wettkampf?

Ich habe durch das Studium ein analytisches Denken gelernt, mit dem ich mich auf den Punkt genau vorbereiten kann. Es hilft mir, meinen Stress und meine Vorbereitung besser zu koordinieren.

Wie haben Sie sich körperlich vorbereitet?

Ich habe ein hartes Konditions- und Kraftprogramm hinter mir. Tägliches Joggen, Rad fahren und Muskelaufbau. Besonders die spezifischen Übungen für den Rücken sind extrem wichtig. Bei jedem Rennen wirkt ein unheimlicher Druck auf die Rückenmuskulatur und ich muss viele, starke Schläge aushalten. Viele vergessen, dass Rallye keine bloße Spaßveranstaltung ist, sondern harter Sport, der ohne Top-Kondition überhaupt nicht funktioniert.

Wer sind Ihre Vorbilder?

Mein Teamchef Niki Stelle, ganz klar. Und der deutsche Doppelweltmeister Walter Röhrl. Die beiden haben noch die guten, alten Rallyezeiten erlebt. Die wirtschaftliche Lage war noch besser und es standen mehr Zuschauer an der Strecke.

Interview: Tobias Fülbeck

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