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Abgasreinigung Dieselmotor Die kleinen Stinker sterben aus


Ab Januar gilt für alle Neuwagen in Deutschland die Abgasnorm Euro 5. Aber Diesel dürfen noch drei Jahre lang reichlich Stickoxid in die Luft zu pusten. Wenn die Entgiftung 2014 Pflicht wird, droht dem Diesel das Aus in Klein- und Kompaktwagen.
Von Michael Specht

Schwarze Rußwolken wabern hinter neuen Dieselautos zwar nicht mehr, weil Filter die Partikel wirkungsvoll zurückhalten. Doch was die Selbstzünder sonst noch an Substanzen hinten raus lassen, ist nicht weniger schädlich. Als kritisch gelten vor allem die Stickoxid-Verbindungen (NOx). Sie sollen verantwortlich sein unter anderem für den Sauren Regen, für Atemweg-Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Störungen, Bronchitis, Krebs und diverse Allergien. Wer denkt, mit der strengen, ab Januar für alle Neuwagen geltenden Abgasnorm Euro 5 wäre dieses Thema vom Tisch, irrt. Weiterhin dürfen nagelneue Dieselmotoren reichlich Stickoxid ins Freie blasen – amtlich dreimal mehr als Benziner.

Besserung ist erst 2014 in Sicht – mit Euro 6

NOx-Verbindungen werden in Ottomotoren fast vollständig im Dreiwege-Katalysator eliminiert. Dieselmotoren aber laufen mit hohem Luftüberschuss und heißeren Temperaturen. Eine katalytische Reinigung ist daher nur bedingt möglich. Erlaubte die Europäische Kommission mit Euro 4 bislang den hohen Wert von 250 Milligramm NOx pro Kilometer, so sind es künftig 180 mg. Nach Meinungen von Experten immer noch viel zu viel. Benziner dürfen maximal 60 mg (zuvor 80 mg) emittieren. Besserung ist beim Diesel aber erst mit Euro 6 in Sicht. Diese gilt ab 2014 und sieht einen Höchstwert von 80 mg/km vor, nähert sich also den Vorgaben des Benziners allmählich an.

Amerika ist uns abgastechnisch weit voraus

Doch selbst damit braucht sich in Brüssel niemand auf die Schulter zu klopfen. Die EU-Gesetzgebung fährt in Sachen Abgas zum Beispiel den Amerikanern meilenweit hinterher. Wer in Kalifornien Diesel-Pkw verkaufen will, muss den Selbstzünder so sauber wie den Benziner machen - ohne Ausnahme. Nach der dortigen Abgasnorm Tier2 Bin5 sind lediglich 31 Milligramm pro Kilometer erlaubt. Diesen Wert muss der Hersteller mindestens für die ersten fünf Jahre oder 80.000 Kilometer garantieren. Danach sind es noch 44 mg/km. Der Marktanteil der Diesel ist dort denkbar gering.

Ammoniak beseitigt Stickoxide

Zu schaffen sind solche geringen Mengen nur mit einer hochkomplizierten und entsprechend teuren Abgasreinigung. Dazu steckt im Auspuffstrang ein so genannter SCR-Katalysator (Selective Catalytic Reduction). Er wandelt Stickoxide durch eine wässrige Harnstofflösung zu harmlosem Stickstoff und Wasser um. Angeboten wird diese Euro-6-fähige bislang lediglich von den deutschen Autobauern Audi, BMW, Mercedes und Volkswagen, denn sie verkaufen Dieselmodelle in die USA. Einige von ihnen sind allerdings auch für den deutschen Markt erhältlich (siehe Tabelle), kosten aber zwischen 1175 und 2380 Euro mehr als die vergleichbaren Euro-5-Versionen. Der Kunde hat außer dem reinen Gewissen, nichts davon weniger NOx zu emittieren. Im Vergleich zum Benziner hat der Diesel ein Grundproblem: Es ist deutlich aufwändiger ihn genauso stubenrein hinzubekommen wie einen Benzinmotor.

Droht kleinen Dieseln ab 2014 das Aus?

Was aber geschieht ab 2014 mit den Klein- und Kompaktwagen, wenn auch sie Euro 6 erfüllen müssen? Sterben ein Smart Diesel cdi oder ein Polo Diesel TDI aus? Wohl kein Kunde dürfte in dieser Klasse willig sein, mehr als zehn Prozent des Neuwagenpreises für die Abgasreinigung auszugeben. "Technisch ist das lösbar", so ein Unternehmenssprecher von Volkswagen, "und über die höheren Stückzahlen können die Herstellungskosten deutlich gesenkt werden." Dennoch: Experten schätzen den Euro-6-Aufpeis auf mindestens 500 Euro pro Auto. Damit würden sich die kleinen Diesel preislich noch weiter von ihren Benzin-Pendanten entfernen. Den dann noch mal höheren Anschaffungspreis des Dieselmotors über einen geringeren Verbrauch wieder einzufahren, diese Rechnung geht dann nicht mehr auf.

Die Euro-6-Pkw in Deutschland

BMW "Blue Performance"

BMW 320d und Touring mit 184 PS

BMW 330d mit 245 PS

BMW 530d und Touring mit 245 PS

BMW 730d und 730 dL mit 245 PS

Aufpreis: jeweils 1190 Euro

Mercedes "BlueTec"

E 350 BlueTec mit 211 PS, Aufpreis: 2142 Euro

R 350 BlueTec mit 211 PS, Aufpreis: 1666 Euro

GL 350 BlueTec mit 211 PS, Aufpreis: 1666 Euro

ML 350 BlueTec mit 211 PS, Aufpreis: 2380 Euro

Volkswagen "Blue TDI"

VW Passat CC 2.0 BlueTDI mit 140 PS, Aufpreis: 1175 Euro

Audi "Clean Diesel"

Audi A4 3.0 TDI mit 240 PS, Aufpreis: 1550 Euro

Q7 3.0 TDI mit 240 PS, Aufpreis: 1600 Euro


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