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Abwrackprämie: Deutschland kauft sich klein

Die Abwrackprämie bringt Kunden in die Autohäuser, aber sie geben immer weniger Geld für ein neues Auto aus. Die deutsche Magie von Glanz, Gloria und technischen Meisterleistungen verfängt nicht mehr. Billig ist Trumpf. Nur Minis und Kleinwagen können sich im kollabierenden Markt behaupten.

Von Gernot Kramper

Egal ob SUV, Sportwagen oder Limousine, alles was teuerer als 15.000 Euro ist, hat es schwer im Markt. Einige Jahre zuvor liefen billige Autos gar nicht, wer ein neues Auto kaufte, erwartete einen gewissen Standard. Inzwischen haben die Deutschen gelernt umzudenken. Während sich die Wagen der Mittelklasse nach wie vor beim Händler stapeln, haben viele Autohäuser inzwischen keine Miniwagen mehr auf dem Hof stehen. Die Lagerbestände sind verkauft. Von den deutschen Herstellern profitiert bislang vor allem Ford mit den Modellen Ka und Fiesta vom Impuls der Abwrackprämie. Mit dem Ergebnis, dass man mittlerweile sechs bis acht Wochen für ein neues Modell warten muss. "Durch die Abwrackprämie erleben wir eine mächtige Verschiebung im Markt", so Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. "Da ist jetzt Hysterie im Markt, dazu kommen vorgeschobene Käufe, aber auch Kunden, die schon seit langem einen neunen Wagen suchen und sich jetzt den entscheidenden Ruck geben. Die Welle, die wir jetzt im Januar, Februar und März erleben, wird so nicht lange weitergehen. Das verebbt in der Mitte des Jahres wieder."

"Billig" ist das Zauberwort

Billigheimer scheinen die einzigen Profiteure zu sein. Es geht, was günstig ist. Im Januar 2009 konnten allein die Segmente von Minis und Kleinwagen noch Zuwächse verbuchen. In allen anderen Bereichen ging es im Verkauf steil bergab. Selbst das jahrelang stets wachsende Segment der SUV musste im Vergleich zum Januar 2008 Verluste von 19 Prozent hinnehmen. Insbesondere die Dickschiffe der Gattung ließen mächtig Federn (Audi Q7: minus 73 Prozent, Mercedes ML-Klasse: minus 49 Prozent, R-Klasse: minus 56 Prozent). Die Geländewagen stehen im Zentrum der Aufmerksamkeit, aber auch andere Segmente befinden sich im freien Fall nach unten. Die Oberklasse kollabierte im Januar mit 48 Prozent minus. Ein deutliches Zeichen, dass auch die Führungsetagen in Deutschland den Gürtel enger schnallen. "Die Zurückhaltung in den teueren Segmenten ist im Moment eine direkte Folge der Wirtschaftskrise und liegt weniger am persönlichen Geschmack der Kunden. Die Firmen halten sich jetzt extrem zurück, und das merkt man natürlich bei den teueren Modellen", sagt Dudenhöffer. Dass die Budgets aber überall schrumpfen, erkennt man am Einbruch des praktischen und ideologisch ganz unverdächtigen Mini-Van-Segments. Die kleinen Familientransporter verloren 43 Prozent.

In diesem schrumpfenden Markt wechseln die verbleibenden Kunden vom angestammten Fahrzeug in die kleinen und billigen Klassen. So betrachtet sind die Zuwächse bei den Minis (plus 33 Prozent) und den Kleinwagen (plus 20 Prozent) teuer erkauft. Kleinwagen waren schon vor der aktuellen Krise im Aufwind. Gründe liegen einerseits bei den Spritpreisen. Schrumpfende Haushaltsgrößen, der Trend zum Mehr-Auto-Haushalt und attraktive Modelle kamen hinzu. So konnte Fiat im Jahr 2008 vor allem dank des Retro-Winzlings 500 um 19,4 Prozent gegenüber 2007 zulegen.

Die Autoindustrie konnte mit diesem Trend gut leben, solange es neben dem Downsizing einen weiteren Großtrend gab, den Run auf die SUV. Über die Mode der Geländegänger lässt sich vieles sagen, entscheidend für den Markt ist, dass die Kunden bei einem SUV aus emotionalen Gründen bereit sind, sehr viel mehr Geld zu investieren, als man für einen Kombi mit gleichen Fahrleistungen ausgeben müsste. Solange nur ausreichende Gruppen von Käufern von einer Limousine oder Mini-Van auf die teuren Allradfahrzeuge umgesattelt haben, gab es keinen Grund zur Klage. Die Kasse stimmte ja. Zumal die Entscheidung für einen Kleinwagen nicht immer nur Sparsamkeit verriet. Entsprechend ausgestattet und motorisiert kann ein edler Kleiner im Preis schnell einen einfachen Kompakten abhängen.

Der lange Trend zum Aufedeln von Kleinwagen und zum Updaten auf den SUV wurde von der Finanzkrise rabiat gestoppt. Jetzt zählen nur noch die Basics. Denn auch der deutsche Kunde hat bemerkt, dass selbst der einfachste Wagen von A nach B fährt. Und das zu Preisen ab 5000 Euro. Wenn im Januar 2009 ein betagtes Vorgängermodell wie der Peugeot 206 fast 400 Prozent Zuwachs macht, während der hübschere, bessere und modernere Nachfolger 207 Einbußen von 25 Prozent erleidet, illustriert das die Sparmentalität der Kunden. Ein echter Kaufanreiz besteht offenbar nur noch, wenn es mit Abwrackprämie und Rabatten gelingt, das Fahrzeug im Preiskorridor zwischen 5000 und 10.000 Euro zu platzieren. Mehr ist offenbar beim Kunden nicht drin.

Spaltung in einfach oder edel

"Der Trend zum Kleinwagen war schon vorher da. Wie es sich nach der Krise weiter entwickelt ist schwer zu sagen", so Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer. "Das hängt wesentlich von der Entwicklung der Benzinpreise ab. Die neue, verwirrende Kfz-Steuer kann allein keine Lenkungswirkung in Richtung zu kleineren, verbrauchsarmen Wagen entfalten. Dafür sind die Summen zu gering. Und solange der Benzinpreis so bleibt wie jetzt, gibt es für viele eben keinen Grund einen kleinen Wagen zu fahren." Auch die Kleinwagenoffensive der neunziger Jahre ist noch im Desinteresse der Kunden versandet. Vielleicht auch, weil deutsche Fahrzeuge wie Lupo, Smart und Audi A2 zwar klein, aber eben nicht immer billig waren. Die Position im Low-Budget-Bereich besetzen jetzt andere Hersteller. Dacia mit dem Logan und dem Sandero und Firmen wie Chevrolet. Sehr gut schlägt sich auch Hyundai. Nachdem sich die Koreaner jahrelang mit günstigen SUV positionieren konnten, sind sie nun mit i10, Getz und dem Kompakten i30 sehr gut aufgestellt und beweisen, dass man durchaus preiswert, klein und dabei doch schick fahren kann. "Schon vor der Krise und der Abwrackprämie konnte eine Marke wie Dacia enorm zulegen, das hatte niemand erwartet. Auch auf lange Sicht wird man eine stärkere Spreizung des Marktes erleben, in den Billig-Markt und die Premiumklasse", prophezeit Dudenhöffer. "Natürlich bildet der Automarkt die Gesellschaft eins zu eins ab. Überspitzt gesagt: Deutschland polarisiert sich zwischen Hartz IV und Manager. Immer mehr Menschen können es sich nur leisten, sehr günstig von A nach B zu kommen. Daher wächst das Billigsegment."

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.