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ADAC-Tunneltest: Das Grauen in der Röhre

ADAC-Tester sind geschockt. In Italien gibt es Röhren ohne jede Belüftung und Notruf. Kein Fluchtweg, kein Feuerlöscher, keine Notbeleuchtung, ja "nicht einmal ein Wasseranschluss für die Feuerwehr - die müssen das Wasser zum Löschen huckepack selbst mitbringen."

Der jüngste ADAC-Tunneltest wird Italienurlauber schaudern lassen: Während die europaweite Untersuchung insgesamt ein gutes Ergebnis brachte, sieht es bei der Sicherheit der Straßenröhren zwischen Alpen und Sizilien ganz finster aus. Nachdem den Testern der Zutritt jahrelang verweigert worden war, durften sie jetzt erstmals sechs von den Behörden ausgewählte Tunnel unter die Lupe nehmen - und waren entsetzt: Fünf fielen glatt durch, einer bekam gerade mal die Note "ausreichend". Als "höchst lebensgefährlich" bezeichnete Testleiter Robert Sauter den Segesta-Tunnel in Sizilien. Die 1,7 Kilometer lange Autobahnröhre bei Palermo erreichte das mit Abstand schlechteste Ergebnis aller jemals durchgeführten ADAC-Tunneltests. "Zwei Röhren und in der Mitte ein Durchschlag - Sonst nichts", sagte Sauter´.

Kein Wasser für die Feuerwehr

Keine Belüftung, kein Notruf, kein Fluchtweg, kein Feuerlöscher, keine Notbeleuchtung, ja "nicht einmal ein Wasseranschluss für die Feuerwehr - die müssen das Wasser zum Löschen huckepack selbst mitbringen", sagte Sauter. "Das ist unvorstellbar! So was dürfte es überhaupt nicht mehr geben!" Dass der Segesta-Tunnel in Italien kein Einzelfall ist, zeigten die anderen Testergebnisse: Auch der Montecrevola-Tunnel auf der SS 33 Brig - Mailand, der Fossino auf der A 3 Salerno - Reggio Calabria und der Monte Pergola auf der R 2 bei Neapel bekamen nur die schlechteste Note "mangelhaft". Der Colle die Trenda auf der SS 20 nördlich von Genua bekam ein "bedenklich". Nur der sechste erst 1999 eröffnete Appia-Antica-Tunnel bei Rom schaffte knapp ein "ausreichend".

Zutritt verboten

"Das lässt natürlich Rückschlüsse auf die Sicherheit in vielen Röhren zu, die wir nicht testen durften", sagte ADAC-Präsident Peter Meyer. Denn nicht der ADAC, sondern die staatliche italienische Verwaltungsgesellschaft ANAS habe die sechs zu prüfenden Tunnel ausgewählt. Die privaten Autobahngesellschaften verweigerten den Testern sogar weiterhin jeden Einblick. "Der Verdacht, dass diese Blockade in der Furcht begründet ist, wir könnten allzu viele Mängel aufdecken, drängt sich geradezu auf", sagte Meyer. Am Geld könne es nicht liegen - schließlich müssten die Autofahrer in Italien genug Maut bezahlen. Die Straßenbetreiber wollten aber Profit machen: "Die sparen an der Sicherheit", kritisierte der ADAC-Präsident. Zwtl: Europaweit positiver Trend Europaweit aber habe der jüngste Tunneltest einen positiven Trend ergeben: Von 52 überprüften Anlagen waren 31 "sehr gut" oder "gut", lobte Meyer. Neben den durchgefallenen italienischen Röhren waren nur acht "bedenklich" oder "mangelhaft".

Bedenkliches auch in Deutschland

"Bedenklich" war auch ein deutscher Tunnel: Der Autobahntunnel Universität Düsseldorf auf der A 46. "Die Belüftung ist sehr, sehr schlecht", erklärte Sauter. "Es gibt keine Videoüberwachung. Es gibt keinen Verkehrsfunk und auch keinen Tunnelfunk für Polizei und Feuerwehr." Außerdem fehle eine Kennzeichnung der Fluchtwege: "Wenn’s verraucht ist, werden die Notausgänge nicht gefunden." Der Bund habe das Geld für die Nachrüstung gefährlicher Tunnel aber inzwischen bereitgestellt. Ein "Sehr gut" bekamen bereits der Hochwald-Tunnel auf der A 71 in Thüringen, der Coschütz-Tunnel auf der A 17 bei Dresden, der frisch eröffnete Aubinger Tunnel auf der A 99 bei München und der vor vier Jahren noch als bedenklich eingestufte und inzwischen sanierte Kappelberg-Tunnel bei Stuttgart. Drei weitere deutsche Tunnel waren "ausreichend".

Testsieger Spanien

Testsieger aber wurde ein spanischer Tunnel, der erst ein Jahr alte M-12 auf dem Autobahnzubringer zum Madrider Flughafen. Er sei "mit allem ausgestattet, was einen modernen Straßentunnel ausmacht: Ampeln und Schranken vor den Portalen, zusätzlichen Rettungswegen, Videoüberwachung oder effektivem Brandschutz", lobte Meyer: "Das Idealbild eines Tunnels." Aber auch die Tunnels in Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Portugal, der Slowakei, Slowenien und Kroatien schnitten positiv ab. Die beiden einzigen Ausreißer in diesen Ländern waren bei Zürich der Cholfirst-Tunnel auf der A4 und bei Nizza der L’Arme-Tunnel auf der A8.

Schachpunkt Rettungswege

Häufigster Schwachpunkt beim gesamten Test waren die Flucht- und Rettungswege - sie wurden in jedem vierten Tunnel bemängelt, oft fehlten sie ganz. Bei dem norwegischen Oslofjord-Tunnel zum Beispiel sei der nächste Notausgang bis zu fünf Kilometer weit entfernt. "Stellen Sie sich einmal eine 80-jährige Dame vor, wie die bei einem Feuer den Notausgang noch erreichen soll!" schimpfte Sauter. Ebenso oft fehlten Notruftelefone und Informationssysteme für die Autofahrer. Außerdem habe es auch oft Punktabzüge für schwache oder fehlende Belüftungssysteme gegeben. Nach den Katastrophen im Mont-Blanc-, im Tauern- und im Gotthard-Tunnel mit Dutzenden Toten zeigten die jüngsten Tests, dass immer noch viel zu tun sei, sagte Meyer. Große Hoffnung setzt er auf die nächste Woche in Kraft tretende, verbindliche EU-Richtlinie zur Tunnelsicherheit. Sie gilt allerdings zunächst nur für Neubauten - für die Nachrüstung alter Röhren haben die EU-Staaten noch bis 2014 Zeit.

Roland Losch/AP

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