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Autonomes Fahren: Regen und Schnee legen Googles Roboter-Auto lahm

Wie weit ist Google mit der Entwicklung seines fahrerlosen Autos? Eine neue Studie kommt zu dem Schluss: Auf das Roboter-Auto müssen wir noch lange warten.

Von Carl Philipp Walter

Das Google Car bricht mit allen Konventionen.

Das Google Car bricht mit allen Konventionen.

Google will den Automarkt mit selbstfahrenden Autos revolutionieren. Doch im Alltag käme ein Google Car Baujahr 2014 nicht weit. Bei heftigem Regen und auf 99 Prozent der Straßen wäre es unbenutzbar, das Auto könnte nicht einparken und würde Polizisten ignorieren, dafür aber einem zusammengeknülltem Blatt Papier ausweichen.

Was ist passiert? Vor wenigen Monaten sah noch alles anders aus. Da schien es, als könnten wir für das nächste Jahr mit den ersten fahrerlosen Autos rechnen. Im Mai 2014 stellte Google der Welt ein eiförmiges Concept Car vor, das in einem YouTube-Video selbstständig durch die Gegend fährt. Ohne Lenkrad, ohne Pedale, ohne Schalter. Im Innern: nur zwei Sitze. Über eine Million Kilometer Testfahrt haben die Google-Prototypen bereits hinter sich gebracht, das ist dreimal die Strecke zwischen Erde und Mond.

Mit solchen Zahlen weckt Google bewusst hohe Erwartungen – denen eine Studie des Magazins MIT Technology Review jetzt einen kräftigen Dämpfer verpasst. Bis zur Marktreife des fahrerlosen Autos müsse Google noch eine Menge Probleme in den Griff bekommen. Die aktuelle Technologie sei mit vielem überfordert, sogar mit so alltäglichen Dingen wie Regen und Baustellen.

Haben die Google-Entwickler übertrieben? Nein, das YouTube-Video ist echt. Es zeigt das Auto jedoch nur auf einem kurzen Streckenabschnitt, den es zuvor genau einstudiert hat. Die bisherigen Prototypen können nur Straßen befahren, auf denen zuvor Spezialsensoren jedes Hindernis erfasst haben, ähnlich wie bei Google Street View - nur sehr viel aufwändiger. Die Bilder werden Meter für Meter ausgewertet, in mühseliger Kleinarbeit. Erst danach kann das Auto losfahren.

Hauptproblem ist der Erfassung des Straßennetzes

Der Aufwand ist enorm. Deshalb haben die Google-Entwickler bisher nur einen Bruchteil des Straßennetzes erfasst, in den USA einige Tausend von mehreren Millionen Meilen. Und nachdem sie die Rohdaten akribisch ausgewertet haben, müssen sie die Strecken immer wieder neu aufzeichnen. Es könnte nämlich sein, dass unerwartet Umleitungen oder neue Ampeln entstehen. Diese Veränderungen würden das Google Car schnell überfordern.

Wird etwa der Verkehr wegen einer Baustelle umgeleitet, würfelt das den Algorithmus im System des Autos durcheinander. Das Auto wechselt in eine möglichst langsame, vorsichtige Fahrweise, was für die anderen Verkehrsteilnehmer ärgerlich ist, aber auch für die Insassen des Google Cars. Schließlich haben sie keine Möglichkeit, selbst das Steuer zu übernehmen. Die Entwickler des Google-Autos streiten diese Probleme nicht ab, zählen sogar weitere auf: Die Technologie muss noch das Fahren in Parkhäusern und bei Extremwetter lernen. Bei direkter Sonneneinstrahlung kann die Kamera auf dem Dach Ampeln nicht mehr erkennen. Das fahrerlose Auto ist nicht in der Lage, zwischen harmlosen und gefährlichen Hinternissen zu unterscheiden und umfährt daher alle. Andere Gefahren wie tiefe Schlaglöcher oder einen offenen Gully übersieht die Kamera ganz und fährt geradewegs hinein, Menschen erkennt sie nur als grobe Umrisse. Ob das ein gewöhnlicher Fußgänger oder ein Polizist ist, der da am Straßenrand winkt, bemerkt das Google-Auto nicht – und fährt weiter.

Für die Zukunft des Google-Autos sehen die Technik-Experten des Technology Review-Magazins schwarz. Bei Google gibt man sich optimistischer und geht davon aus, alle Probleme schnell lösen zu können. Fünf Jahre, das ist die Deadline, die sich die Entwickler gesetzt haben. Dann sollen die fahrerlosen Autos marktreif sein.

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