Autosalon 2009 Friedhof der Öko-Tiere


Verborgen in einer Gruft lauert die ökologische Zukunft . Alles Sparsame, was funktioniert, bleibt auf den Ständen der großen Hersteller. Im Öko-Friedhof tummeln sich marktferne Alibi-Ideen und stolzer Bastlergeist präsentiert einen 911-Porsche mit Erdgasantrieb.
Von Peter Weyer

Die Idee des "Pavillon vert", des grünen Pavillons, haben die Macher des Genfer Automobilsalon gründlich vergeigt. Was als eindrucksvolle Leistungsschau alternativer Antriebe und Fahrzeuge gedacht war, verunglückte zu einem lieblosen Kuriositäten-Kabinett in Halle 3. Dort, verborgen und verkümmert wie in einem Keller, kämpft rund ein Dutzend Aussteller um Aufmerksamkeit. Sie haben keine Chance, denn nicht einmal ein besonderer Wegweiser leitet Besucher zu den grünen Exponaten, die sich zumeist eher durch Pioniergeist als durch Alltagstauglichkeit auszeichnen.

Etwa "Hesso". So heißt ein Einsitzer-Liegendmobil der Fachhochschule Westschweiz, das mit Bio-Benzin aus Pflanzenstängeln läuft, aber einer verkleideten Riesenzigarre ähnlicher ist als einem Fahrzeug. Daneben reihen sich ulkige Elektrokarren mit kältebeständiger Batterie, wahlweise als Krankenfahrstühle oder Golf-Caddys zu benutzen. Den Tiefpunkt liefert die iranische Handelsfirma IKCO. Die preist eine Modellereihe "Samarand" an. Was daran grün ist? Nicht einmal die Farbe, denn es handelt sich um uralte, optisch etwas aufgepeppte Ladas aus der Zeit vor der sowjetischen Perestroika. Dagegen wirkt der Dacia Logan technisch wie aus dem kommenden Jahrhundert. Merkt aber keiner, denn außer der Landesflagge haben die Iraner keinerlei Informationsmaterial am Stand.

Die wenigen Glanzlichter, die es auch gibt, fallen nichts ins Gewicht, weil sie entweder abgestanden oder schlicht unsinnig sind. Der Tesla zum Beispiel, der kalifornische Sportflitzer mit der Hitze aus tausenden Laptop-Akkus im Heck, ist elektrisch vorsorglich lahm gelegt. Taucht ein Interessent zum Probesitzen auf, wird sogleich der Feuerlöscher bereitgestellt. Ob daneben der Flitzer SP 550 mc der Schweizer Firma "mean+clean" automobile Öko-Herzen ob des technischen Durchbruchs höher schlagen lässt, darf bezweifelt werden. Denn der Sportwagen ist schlicht ein Porsche 911 mit Erdgasantrieb.

Ernsthafte Diskussionen wert ist in der Halle 3 einzig die französische Entwicklungsfirma MCE-5. Sie zeigen in einem Peugeot 407 einen serienreifen Motor mit variabler Verdichtung. Die garantiert angeblich 20 bis 35 Prozent weniger Verbrauch. Dumm nur: Seit Jahren will kein Auto-Hersteller auf diese Entwicklung einsteigen.

Bleibt ein trübes Fazit: Der "grüne Pavillion" hat keine Zukunft, wenn er von den Ausstellungsmachern weiterhin als Friedhof marktferner, exotischer Alibi-Ideen missbraucht wird. Aber auch die Branchengrößen verpassen eine riesige Chance, ihre technische Innovationskraft gezielt auf einen Blick zu präsentieren. Bislang versickern die zweifellos vorhandenen Zukunftskonzepte häufig zwischen einzelnen Sonntagsreden auf Pressekonferenzen, schmackhaften Häppchen und Marketingparolen.


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